Bonn Rhein-Sieg


Online Shoppen - Einzelhandel muss Kunden im Netz abholen

(m.g.) Der Online Handel gräbt dem Einzelhandel immer mehr das Wasser ab. Eine Entwicklung, deren Ende nicht abzusehen ist. Das ist das Ergebnis einer Befragung, die der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bikom) jetzt in Berlin präsentierte. Dieser Entwicklung muss sich der Einzelhandel anpassen, wenn er bestehen will.

 „Der Einzelhandel sollte die Möglichkeiten des Online Handels selbst nutzen und mit ihm verschmelzen“, sagt Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Bitkom, gegenüber BONNDIREKT. „Dann kann es dem Einzelhandel sogar gelingen, seinen Kundenkreis zu erweitern. Sein altes Geschäftsmodell wird in seiner jetzigen Form keinen Bestand mehr haben.“

 80 Prozent kaufen online

Laut der Bitom Studie kaufen 80 Prozent alle Deutschen im Netz ein. Das sind 56 Millionen Kunden. Die wichtigsten Einkaufshilfen für sie (63 Prozent) sind Online-Kundenbewertungen und Preisvergleichsseiten (55 Prozent). Aber 56 Prozent der Befragten sagen auch, dass ihnen das persönliche Gespräch bei einem Einkauf wichtig ist, und 43 Prozent informieren sich gerne im Geschäft. Der stationäre Handel ist also doch sehr präsent.

Und ein Ergebnis der Befragung sollte den Einzelhandel aufhorchen lassen. Das mobile Online Shoppen nimmt massiv zu. „Die Menschen nutzen ihre Smartphones zum Einkaufen im Netz und immer weniger ihren PC“, so Rohleder. War es vor vier Jahren noch jeder Fünfte, der sein Smartphone zum Online Shoppen nutzte, ist es heute jeder Zweite.

 App muss Kunden ins Geschäft führen

„Genau hier müssen wir Einzelhändler ansetzen“, meint Jannis Ch. Vassiliou, Vorsitzender des Einzelhandelsverbands Bonn Rhein-Sieg Euskirchen. „Wir brauchen eine App, die den Kunden in unsere Geschäfte führt. Sie muss zum Beispiel wissen, wo der Kunde ist und wie er sich bewegt. Fährt er zum Beispiel gerade mit dem Bus nach Bonn Beuel, zeigt ihm die App, welche Angebote in welchen Beueler Geschäften ihn erwarten. Über die App kann er dann die Preise vergleichen und Kundenrezensionen lesen.“

Augmented Reality (AR) nennt sich der Ansatz, also erweiterte Realität. Das Marktforschungsinstitut SPLENDID RESEARCH hat sich in einer Studie ausführlich mit dem Thema beschäftigt. Demnach herrscht unter den Kunden eine hohe Bereitschaft, AR zu nutzen. 88,8 Prozent der Menschen, die AR schon einmal verwendet haben, würden dies erneut tun. Auch das Interesse von jenen, die noch nie in Berührung mit AR gekommen sind, ist relativ hoch und liegt immerhin bei 47,7 Prozent. „Die Zahlen sprechen für eine hohe Weiternutzungsrate von AR“, bilanziert Studienleiterin Julia Charlotte Bungeroth.

 Vielzahl an Möglichkeiten

AR bietet dem Einzelhandel eine Vielzahl an Möglichkeiten. Doch welches sind diejenigen, die der Kunde sich wünscht? Naheliegend: Vier von fünf Kunden erhoffen sich durch die Nutzung von AR reine Produktinformationen. Von jenen möchten 94,6 Prozent den Produktpreis sehen, 69,2 Prozent möchten über die Verwendung des Produkts informiert werden und knapp sechzig Prozent wünschen sich Informationen zu Material sowie zu Inhaltsstoffen der Produkte. Immer noch knapp dreißig Prozent haben Interesse an Produktempfehlungen. „Hier herrscht ein hohes Cross-Selling-Potential, das der Einzelhandel sich zu Nutze machen kann und sollte“, schlussfolgert Bungeroth.

Auch der Bonner Einzelhandel verfolgt einen solchen Ansatz, aber bisher eher rudimentär. „Wir haben die App ‚pointolike‘. Sie zeigt Besuchern, die die App nutzen, welches Geschäft welche Produkte zu welchem Preis anbieten. Mein Geschäft ist auch mit dabei“, so Vassiliou. Er wünscht aber eine solche App und dem Dach des Deutschen Einzelhandelsverbands, die im ganzen Land Anwendung findet und die Geschäfte in allen Regionen Deutschland darstellt. „So können wir den Kunden im Netz abholen.“

04.02.2019