Gesundheit


Packungen für Medikament werden fälschungssicher – gut so

(m.g.) Am morgigen Samstag startet das neue Sicherheitssystem für Arzneimittel „securPharm“. Mit einem neuen Sicherheitssystem geht die Pharmabranche gegen den Einzug von gefälschten Medikamenten in die Apotheken vor. Dann muss jede in der EU hergestellte, verschreibungspflichtige Arznei in einer fälschungssicheren Verpackung ausgeliefert werden.

Rund 750 Millionen Packungen verkaufen die Apotheken allein hierzulande jährlich auf Rezept. Durch das Angebot im Internet, bei dem fast 50 Prozent der Produkte gefälscht sind, haben sich die Risiken für Patienten stark erhöht. Die deutsche Organisation securPharm e.V., die von Industrie, Großhandel und Apothekerschaft initiiert wurde, hat dieses System gemäß den Vorgaben der EU-Fälschungsschutzrichtlinie entwickelt. Damit beginnt ein längerer Umstellungsprozess im gesamten legalen Arzneimittelvertrieb, der den Schutz vor gefälschten Arzneimitteln mit jedem Tag weiter verbessert.

 Die Packungen verschreibungspflichtiger Arzneimittel, die Hersteller neu in den Verkehr bringen, erhalten zwei zusätzliche Sicherheitsmerkmale, die direkt vor der Abgabe an den Patienten überprüft werden. Für Patienten bedeutet dies einen noch besseren Schutz vor gefälschten Arzneimitteln in Apotheken und Kliniken. Wie wichtig das ist, wurde Ende letzten Jahres erst wieder deutlich. Im Rahmen der Aktionswoche Pangea XI haben die deutschen Zollbehörden 1.209 ausländische Brief- und Paketsendungen mit rund 99.989 Tabletten, Kapseln und Ampullen aus dem Verkehr gezogen.

 Zwei Sicherheitsmerkmale

Die beiden Sicherheitsmerkmale des neuen Systems sind: Ein Erstöffnungsschutz, durch den die Unversehrtheit einer Packung erkennbar ist, und eine individuelle Packungsnummer, die jede Packung zum Unikat macht. Über das securPharm-System prüfen Apotheken die Packungen anhand der Sicherheitsmerkmale direkt vor der Abgabe an den Patienten auf ihre Echtheit. Da die Packungen mit dem neuen Schutz ab 9. Februar erst nach und nach in den Handel kommen, wird es für eine Übergangszeit Packungen mit und ohne neue Sicherheitsmerkmale in den Apotheken geben. Dass bereits im Markt vorhandene Packungen bis zu ihrem Verfalldatum verkauft und verwendet werden können, ist vom Gesetzgeber so vorgesehen.

 Martin Bergen, Geschäftsführer von securPharm e. V.: „Patientenschutz ist ein hohes Gut und für die Partner der Arzneimittelversorgung unverzichtbar. Wir werden die Sicherheit von Arzneimitteln mit dem neuen Schutzschild noch weiter erhöhen.“ Das securPharm-System ist eingebettet in ein europaweites Schutzsystem der legalen Lieferkette gegen gefälschte Arzneimittel. Zunächst gehen in 26 EU-Mitgliedstaaten sowie in Norwegen, Island und Liechtenstein die Sicherheitssysteme in Betrieb. Bis 2025 kommen dann auch die Systeme Italiens und Griechenlands dazu.

 60.000 Produkte umgestellt

Das securPharm-System wurde von den Partnern des Arzneimittelvertriebs – den Verbänden der Pharmaindustrie, des pharmazeutischen Großhandels sowie der Apothekerschaft – gemäß den Vorgaben der EU-Fälschungsschutzrichtlinie und abgestimmt mit den Arzneimittelbehörden aufgebaut. Das Projekt gehört zu den größten Infrastrukturprojekten der Arzneimittelversorgung in Europa. Allein für Deutschland mussten die Arzneimittelhersteller die Fertigung von fast 60.000 unterschiedlichen Produkten so umstellen, dass sie die neuen Sicherheitsmerkmale erhalten. Hierzulande werden pro Jahr rund 750 Millionen Packungen verschreibungspflichtiger Arzneimittel in öffentlichen Apotheken abgegeben. Rund 22.000 Hersteller, Apotheken, Großhändler und Kliniken wurden an das securPharm-System angebunden. Diese haben mit erheblichem finanziellem und personellem Aufwand die technischen Voraussetzungen für die Einführung der zusätzlichen Sicherheitsmerkmale geschaffen.

 Die Bonner werden von der Umstellung zunächst wenig spüren. Denn die Lager der Hersteller und Händler sind voll mit bereits hergestellten Pillen und Salben. Solange diese ihr Haltbarkeitsdatum noch nicht überschritten haben, werden sie verkauft. Erst nach und nach erreicht dann die neue Produktion auch den Verbraucher.

08.02.2019