Ruck(es) Kolumnen


Fliegenschiss im Internet

Lassen wir mal die Nebenwirkungen des florierenden Internethandels wie Umweltbelastung, Nicht-Steuern zahlende Versandhändler und tariflich ausgebeutete Zusteller beiseite, so bleibt immer noch genügend Kritik an dieser Art von Geschäftsgebaren.

Okay, natürlich kann jeder kaufen, wo er will und was er will und in der Regel läuft das online-Geschäft für den Endkonsumenten auch problemlos ab. Es gibt aber Ausnahmen und für eine Gruppe von unkritischen Konsumenten empfinde ich kein Mitleid, sondern nur Schadenfreude: Das sind Leute, die sich aus Preisgier und Bequemlichkeit bei nebulösen Start-up-Unternehmern und Internetlieferanten irgendeinen Konsumscheiß bestellen, weil er angeblich preisgünstig und trendy ist.

Aktuell berichtet der GA in seiner Wochenendausgabe über einen Bonner Mode- und Spirituosenhändler, der bestellte und bezahlte Ware nicht liefert und gegen den seit mehreren Wochen staatsanwaltliche Ermittlungen wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung laufen.

Nun bleibt es natürlich jedem Einzelnen überlassen, sich eine modische Fliege und eine Flasche Schnaps zu bestellen. Ich frage mich aber: Wer macht so etwas und wie behämmert muss man eigentlich sein, so etwas zu tun? Das Ergebnis im speziellen Fall ist „Fliegenschiss im Internet“ oder besser „Beschiss“.

Könnte es sein, dass jeder, der aus Preis- oder sonstigen Gründen gegen Vorkasse(!) Ware bestellt, aber nichts geliefert bekommt, einfach nur ein naiver Dummkopf ist, der den Verlust seines Geldes letztlich verdient hat?

Getoppt wird die Dämlichkeit noch von Schwachköpfen, die glauben mit einer Finanzeinlage solchen Digital-Hasardeuren erst einmal zu einem Startkapital verhelfen zu müssen mit Geld,  was eine solide Bank mit ihrer Erfahrung offensichtlich niemals ausgezahlt hätte. Solche Leute haben es geradezu verdient, finanzielle Verluste zu erleiden.

Beim konventionellen und stationären Einzelhandel passiert so etwas nicht. Da bezahlt man erst, wenn die Ware auf dem Tisch steht. Und Geld leihen muss ich meinem Schnapshändler auch nicht, damit er mir den Fusel zum Billigpreis anbieten kann. 

Ja, es sind schon wirre Zeiten, in denen wir leben und es wird immer wirrer, aber Hauptsache es ist „trendy“.

Mein Tipp: Kaufen Sie mal eine Woche nichts im Internet, stellen Sie eine Woche lang ihr Handy ab und gucken eine Woche lang nicht auf den Fernseher. Sie werden eine ganz neue Lebensqualität entdecken, auch ohne Schnaps und Fliegenschiss aus dem Internet.