Bonn Rhein-Sieg


Auch am Kaiserplatz ist noch Platz.

Leere Ladenlokale – Besitzer sind selbst schuld

(m.g.) Leerstände in deutschen Innenstädten sind ein Problem und nicht schön. So auch in der Bonner City. In der Kaiserpassage herrscht zum Teil gespenstige Stille. Gerade sind dort drei weitere Geschäfte verschwunden. Das Viktoriakarree gammelt weiter vor sich hin, und auch in der Wenzelgasse klaffen Lücken in den Geschäftsreihen. Das muss nicht sein. BONNDIREKT sprach mit dem Bonner Gewerbemakler Günter Udelhofen, und der findet klare Worte.

 „In den 80er und 90er Jahren war es kein Problem, ein Ladenlokal in der Bonner Innenstadt zu vermieten“, weiß Udelhofen. „Und der Preis spielte keine Rolle. Wir fanden bereits zwei bis drei Monate vor der Schließung eines Geschäfts einen Nachfolger. Die Nachfrage war hoch. Und in dieser Zeit sind die Besitzer der Immobilien im Geiste hängen geblieben“, moniert der Experte.

Aber die Zeiten hätten sich geändert, sprich das Kaufverhalten der Kunden. „Die Leute wollen billig. Und viele kaufen mittlerweile im Internet ihre Waren. Das macht es für den mittelständischen Ladenbesitzer schwer. Und in Bonn kommt für sie das hohe Mietniveau noch erschwerend hinzu“, weiß Udelhofen. Hier nimmt der Gewerbemakler die Immobilienbesitzer mit in die Verantwortung.

 „Für sie gilt es, einzusehen, dass sie ihre Immobilien billiger anbieten müssen. Sie müssen ihre Mieter leben lassen. Und das bedeutet heutzutage, dass sie ihre Ladenlokale rund 20 Prozent billiger anbieten sollten. Sie haben hier eine klare gesellschaftliche Verantwortung“, echauffiert sich Udelhofen. Stattdessen würden sie klagen, dass sie keine Vermieter finden, oder sie vermieten an Billigketten. „Und die verschandeln die Innenstadt und vertreiben die Besucher.“ Leben und leben lassen, lautet seine Empfehlung. Das sei gut für beide Seiten und dann komme auch wieder Schwung in die City.

 Jannis Vassiliou, Vorsitzender des Einzelhandelsverbands Bonn/Rhein-Sieg/Euskirchen, bestätigt, dass die Bonner Einzelhändler unter den Mieten leiden. „Sie sind hoch. Ich will den Besitzern aber keine Vorwürfe machen. Im Moment beobachten wir, dass das Mietniveau stagniert und erwarten sogar, dass es bald sinken wird.“

19.02.2019