Kultur


Kunstmuseum Bonn: VIDEONALE.17

Ausgewählt aus über 1.100 Wettbewerbseinsendungen aus 66 Ländern, werfen die Werke der VIDEONALE.17 Schlaglichter auf diese Fragen unter dem Thema REFRACTED REALITIES (Gebrochene Wirklichkeiten).

(e.b.) -  „We dialogue, therefore we are (Wir sind im Gespräch, also sind wir)“, konstatiert der Philosoph Raymond Tallis in Johan Grimonprez‘ Videoarbeit Raymond Tallis - on tickling (2017), einer von 29 Arbeiten, die im Rahmen der VIDEONALE.17 gezeigt werden. Tallis bezieht sich mit seinem Statement auf René Descartes‘ „Ich denke, also bin ich.“ Gleichzeitig stößt er damit auch zentrale Fragen an, die die Ausstellung untersucht: Wie sind wir heute eigentlich miteinander im Gespräch? Wer spricht zu wem und über welche Medien? Über welche Realität(en) sprechen wir und wie (an)erkenne ich die Realität meines Gegenübers?

Mit „Refraktion“ wird die Brechung von Lichtwellen bezeichnet, wenn Licht von einem Medium auf ein anderes übergeht: Durch die Brechung verändert sich die Wahrnehmung dessen, was durch das Licht sichtbar gemacht wird. Das Wissen um das Phänomen der Refraktion fordert uns auf, Ausgangs- und Endpunkt unserer Wahrnehmung mit der Realität abzugleichen, unseren Blick zu korrigieren und das Objekt der Anschauung klar zu fokussieren.
„Refraktion“ im übertragenen Sinne meint also ein kritisches Reflektieren über die Mittel und Wege der Sichtbarmachung und folglich die Option einer Reartikulation unserer Sicht auf die Dinge, wie sie sind, waren oder vermeintlich immer schon gewesen sind. Das technische Medium der Kameralinse, das sich regelmäßig zwischen uns und unsere Wahrnehmung schaltet, nimmt in diesem Kontext eine besondere Rolle ein, als es den Grad der Refraktion entscheidend beeinflusst. Es vermag, die Wellen in eine Richtung zu bündeln oder aber sie abzulenken und neu auszurichten. Es kann der alten Erzählung neue Bilder hinzufügen oder eine neue Erzählung mit neuen Bildern etablieren.

Welche Möglichkeiten haben die Medien im Allgemeinen und die künstlerischen Medien im Besonderen, um sich kritisch mit der eigenen Dominanz auseinanderzusetzen? Welche künstlerischen Strategien werden aktuell entwickelt, um alternative Blicke zu ermöglichen und neue Perspektiven zu integrieren? Welche Bildsprachen bieten sich hierfür an? Und wie können wir diese nutzen, um wieder neu ins Gespräch darüber zu kommen, wie wir die Dinge sehen, sahen oder immer schon gesehen haben?

Die Ausstellung läuft vom 21. Februar bis zum 14. April 2019.

Kunstmuseum Bonn / Friedrich-Ebert-Allee 2 / 53113 Bonn