Ruck(es) Kolumnen


"Love it or leave it"

In der nächsten Woche startet der Karneval in seine diesjährige Schlussoffensive. Höhepunkt sind wie immer die Umzüge und der Rosenmontag ist für Karnevalisten so etwas wie Ostern für die Katholiken: Der wichtigste Tag im Jahr.

Das gilt für die Mitwirkenden ebenso wie für die Massen, die am Wegesrand stehen und einfach nur zuschauen. Aber bevor die Umzüge starten, erstürmen Karnevalsgesellschaften noch Rathäuser und setzen Bürgermeister ab, machen damit möglich, was bei Wahlen häufig nicht gelingt. Auf öffentlichen Plätzen werden Biwaks errichtet, damit niemand nüchtern bleibt und in den verbliebenen Kneipen wird das Mobilar ausgeräumt, Luftschlangen an die Decke gehangen und der Bierpreis für eine Woche um 20% erhöht.

An Weiberfastnacht ist besonders das weibliche Personal in den wenigen noch geöffneten Geschäften bunt kostümiert und wedelt und wibbelt schon am späten Vormittag mit einer lauwarmen Flasche vom feinsten Billigsekt durch die Gegend. Aus allen Lautsprechern ertönen immer die gleichen Karnevalslieder von immer den gleichen Musikgruppen und wer nicht gerade mit Bützen oder Trinken beschäftigt ist, singt einfach die anspruchsvollen Texte mit.

„Nä, wat es dat schön“, sagen die Karnevalsbegeisterten und es sei ihnen hier ausdrücklich gegönnt.

„Nix wie weg“, sagen dagegen Karnevalsmuffel, die eigentlich gar keine Muffel sind, aber eine andere Art von Fröhlichkeit  genießen.

Und so existiert schon seit vielen Jahren eine besondere Art von Flüchtlingsbewegung, die stetig wächst: Die Karnevals-Flüchtlinge entfliehen dem lauten Treiben, machen „über die Tage“ einen Wellness-Urlaub oder erholen sich anderweitig  in karnevalsfreien Zonen. Halbe Sachen bringen während der tollen Tage einfach keinen Genuss: Entweder man ist dabei oder bleibt weg, deshalb: „Love it or leave it“.

Wir von BONNDIREKT wünschen allen Karnevalisten viel Spaß und versprechen, euch diese Woche mit kritischen und satirischen Kommentaren in Ruhe zu lassen. Bei uns geht es erst nach Aschermittwoch wieder ‚rund‘. Ab diesem Termin sorgt ja traditionell die Kommunalpolitik wieder für Lachanfälle bei der Bevölkerung, während sich echte Karnevalisten auch mal erholen müssen und Kraft für die nächste Session sammeln.  

Zwei- bis dreimal "Alaaf" oder "Helau" oder "Helaaf" oder "Alau" oder "Aloha" oder was auch immer!