Bonn Rhein-Sieg


Foto: bonndirekt

Kleine oder große Ladenlokale? Beides geht, aber Stadt will nicht

(m.g.) Immer wieder verabschieden sich Filialen aus der Bonner Fußgängerzone, wie zuletzt H&M. Und auch ein bekannter Burger Brutzler schloss eine seiner Filialen in der City. Zu klein und eng sei das Ladenlokal, heißt es seitens des Betreibers, um ein modernes Verkaufskonzept umzusetzen. Mehr Ladenfläche muss her, sagen die einen. Nein, sagen die anderen. Dabei könnten in Bonn beide Modelle gleichzeitig nebeneinander existieren. Mit ihrem aktuellen Konzept für das Viktoriakarree verhindert die Stadt jedoch eine solche Möglichkeit.

 Die privaten Einzelhändler Bonns sind zum großen Teil keine Freunde von riesigen Ladenlokalen, im Gegensatz zu den Filialisten, mit ihren großflächigen Verkaufskonzepten. „Die Bonner Innenstadt lebt von ihrem individuellen Charme“, sagt Jannis Ch. Vassiliou, Vorsitzender des Einzelhandelsverbands Bonn Rhein-Sieg Euskirchen. Und dieser persönliche Charakter der Fußgängerzone würde durch die großflächigen Ladenlokale der Filialisten gefährdet.

 Keine uniformierten Innenstädte

„Wir haben in der City so viele schöne historische Gebäude, in denen Einzelhändler ihre Geschäfte haben. Und dann sehe ich, wie zum Beispiel in der Sternstraße drei solcher Ladenlokale zu einem verschmolzen werden, indem Wände durchbrochen und Stützpfeiler eingebaut werden. Nur um einem Filialisten Platz zu verschaffen.“ Das führe zu uniformierten Stadtkernen. „Dann sehen alle Innenstädte Deutschlands gleich aus. Und so ist dann auch das Einkaufserlebnis in Bonn das gleiche wie in Stuttgart, Husum oder Füssen. Und das kann es sich nicht sein“, so Vassiliou. Die Bonner City sei gerade wegen ihres individuellen Charakters attraktiv. Und der müsse erhalten bleiben. Was aber nicht heißen würde, dass Bonn auf großflächige Verkaufsflächen verzichten muss.

 Das sieht Bonner Gewerbemakler Günter Udelhofen auch so. „Wir haben das Viktoriakarree. Es ist perfekt dafür geeignet, um großflächige Verkaufskonzepte umzusetzen, wie es der Inverstor Signa auch vorhatte. Aber diese aberwitzige Bürgerwerkstatt, hat dem Ganzen ein Strich durch die Rechnung gemacht. Und jetzt gammelt es vor sich hin.“ Auf diese Weise hätten der kleinteilige Einzelhandel in der Fußgängerzone und das Großflächenkonzept in direkter Nachbarschaft nebeneinander existieren können. „Und beide Seiten hätten davon profitiert“, ist sich Udelhofen sicher.

 Absage an Nebeneinander

Am Dienstag hat die Stadt bekannt gegeben, dass das Konzept, das die Empfehlungskommission im Rahmen der Bürgerwerkstatt für das Viktoriakarre vorgelegt hatte, fortentwickelt werden soll. Und dadurch wird ein Nebeneinander von Kleinteiligkeit und Großflächigkeit eine Absage erteilt. Denn im Kern sieht das Konzept eine kleinteilige Nutzung des Viktoriakarrees vor. Beschließt die Stadt am 14. Mai, dieses Konzept umzusetzen, wäre eine großflächiges Verkaufskonzept für die Innenstadt damit vom Tisch. Dennoch begrüßt Jannis Ch. Vassiliou die Initiative der Stadt. „Das Viktoriakarree liegt direkt hinter unserem historischen Rathaus im Herzen der Stadt. Es ist sehr schade, dass es so lange ungenutzt leer steht und verfällt. Es ist gut, wenn hier wieder Leben reinkommt.“

01.03.2019