Ein Ruck(es) geht durchs Land


Aschermittwoch alles vorbei?

Diesmal von unserem Karnevalsreporter A.Laaf

Ist Aschermittwoch alles vorbei? Nein, am Aschermittwoch geht es richtig wieder los. Nach einer diesmal langen Karnevalssession startet die Nachkarnevalszeit. Diese dauert eigentlich bis zur Eröffnung der nächsten Session am ‚Elften im Elften‘, wird aber durch immer mehr Veranstaltungen von ‚Sommer-Karneval‘ überlagert. Für echte Karnevalisten beginnt Aschermittwoch die Zeit von schwärmenden Erinnerungen an die letzten Wochen und physischer Erholung. Weniger Begeisterte freuen sich über das Ende des mitunter nervigen Spektakels mit vielen auch negativen Facetten. Beide eint allerdings, dass über Karneval in seiner heutigen Ausprägung immer mehr diskutiert wird.

„Die fünfte Jahreszeit hat mit all ihren Facetten die Bonner begeistert“, schrieb Karnevalsreporter Holger Willcke am 03.03.2019 im Bonner General-Anzeiger. Er macht dies an Details fest: Proklamation des Prinzenpaares und die Gesellschaftssitzungen wären fast alle ausverkauft gewesen. Und der Straßenkarneval habe sogar Menschen bewegt, die Karneval nicht unbedingt nahe ständen. Das mag ja teilweise stimmen, war aber immer so. Viele schauen sich einfach einen Umzug mit buntem Hut auf dem Kopf an, ohne ansonsten von organisierter Fröhlichkeit begeistert zu sein.

Andererseits gibt es immer mehr Zeitgenossen, denen der ursprüngliche Hintergrund des Karnevaltreibens ebenso unbekannt wie egal ist. Für sie sind Karnevalstage eine zusätzliche Gelegenheit für „Never-ending-Partys“ der verschärften Form, bei denen es in der Hauptsache um Saufen und sexistische Anmache geht. Diese Art von ‚Karneval‘ unterscheidet sich in keiner Weise vom ganzjährigen sonstigen hirnfreien Partyleben. 

Fakt ist: Der rheinische Karneval ist seit einigen Jahren einem starken Wandel unterzogen. Die verantwortlichen Funktionäre haben dies längst erkannt und versuchen mit einer gewissen Hilflosigkeit gegenzusteuern. Klassische Sitzungen mit klassischen Büttenreden werden immer weniger, die Sitzungen mutieren zu kölschen HipHop-Partys, auf denen das Jungvolk zu ‚kölscher Musik‘ von Gassenhauer-Brüllbands herum hopst. Diese Bands lassen sich die Eintönigkeit ihrer Musik auch noch heftig bezahlen, was sich wiederum in den Kassen der Karnevalsgesellschaften negativ auswirkt.

Aber: Dem Publikum gefällt der Wandel vom klassischen Sitzungs- zum Dauer-Party-Karneval offensichtlich und über musikalischen Geschmack lohnt es nicht zu streiten. Besteht die Zukunft des Karnevals aber nur noch in „Sex and drugs and Rock‘-Roll?“ Kann jetzt noch nicht behauptet werden, aber eine Tendenz scheint erkennbar, da hilft auch keine Schönschreiberei von Karnevalsreportern in lokalen Tageszeitungen. 

Das Lustigste an Karneval für Nicht-Karnevalisten sind natürlich die internen Intrigen und Streitereien übermotivierter Karnevalsfunktionäre, die durchaus über Unterhaltungswert verfügen. Ob das diesjährige Motto „Mir all sin Bönnsche“ über Aschermittwoch hinaus noch lange Bestand hat, werden die nächsten Wochen zum Beispiel beim Thema ‚Beethovenhalle“ zeigen. Den Rest wird man sich dann wieder ‚schön‘ trinken.

Schon seit Jahren fällt auf, dass es in kleineren Städten und Gemeinden noch eine ursprünglichere Form des Karnevals gibt, die ehrlicher wirkt und noch nicht im Partysumpf verkommen ist. Mit weniger finanziellen Mitteln und eigenen Kräften geht es also auch, aber wie lange noch? 

In Bonn startete dieses Jahr auch noch ein „klimaneutraler Rosenmontagszug“. Wie bitte? Hat die teilweise völlig durchgeknallte Umweltdiskussion demnächst auch den Karneval im Griff? Könnte sein! Lesen Sie hierzu mal den BONNDIREKT-Artikel „ „Erster klimaneutraler Karnevalszug der Welt“. Der stellt nicht unbedingt die einhellige Meinung unserer Redaktion dar, regt aber vielleicht zu weiterer Diskussion an.

Und was ist mit dem alternativen Karneval?

Der lebt und erfreut ein anderes Publikum, entwickelt sich dabei prächtig. In einem lesenswerten General-Anzeiger-Interview vom 04.03.2019 erklärt Fritz Litzmann alias Rainer Pause: „Karneval muss gar nicht richtig lustig sein“. Und sein Pink-Punk-Pantheon-Kollege Hermann Schwaderlappen alias Norbert Alich fügt hinzu: „Der Bonner Karneval zeichnet sich dadurch aus, dass er stattfindet, ohne dass man viel Spaß dabei hat“.

Dem ist bis zur nächsten Session nichts mehr hinzu zu fügen und wenn Sie mich fragen, wo ich dieses Jahr Karneval verbracht habe, antworte ich Ihnen: „In Frankreich“.

Jeder Jeck ist eben anders.

 

Wie jeden Mittwoch noch drei Freizeittipps der nicht alltäglichen Art.

 

DREHWERK WACHTBERG-ADENDORF

Schon lange kein ‚Geheimtipp‘ mehr, aber umso mehr eine tolle Adresse für Qualitäts-Entertainment im Kino und auf der Bühne ist das DREHWERK17/19 in Wachtberg-Adendorf. Dort startet nächsten Mittwoch (13.03.2019) die neue Livemusik-Reihe „TonArt“ mit einer ‚Knaller-Gruppe‘:

Maître Sardou & Les Bluesbarbers

Was passiert, wenn ein gebürtiger Franzose jahrelang in Köln musikalisch herumturnt: Es entsteht eine Band mit dem Namen „Maître Sardou & Les Bluesbarbers“. Und was liefert der ‚eingekölschte Franzus“ musikalisch ab?  Eigenkompositionen und kölsche Interpretationen von Soul- und Bluesklassikern wie “Rock me Baby“(übersetzt: „Nimm mich Baby”), “Hold On I´m Coming(„Halt durch ich kumme”), “Mustang Sally“(„Do kütt Sally”). Da vermischt sich traditioneller Blues mit Spiel- Liebes- und Lebenslust. Ein Abend, den man nicht vergessen wird.

Termin: 13.März 2019 / Beginn: 20:00 Uhr / Eintritt: 10 €

DREHWERK 17/19, Töpferstr. 17-19, 53343 Wachtberg-Adendorf

 

VILLA HAMMERSCHMIDT BONN 

Einen exklusiven Blick in die Villa Hammerschmidt, den Bonner Dienstsitz des Bundespräsidenten, können Interessierte im Rahmen der Tour "Auf den Spuren der Bonner Demokratie" werfen. Die Tour im ehemaligen Parlaments- und Regierungsviertel folgt den Spuren der jungen Bonner Demokratie. Auf dem Rundgang zeigen die Gästeführerinnen und Gästeführer nicht nur die steinernen Zeugen der Ära, die einen Wendepunkt in der Geschichte Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg markieren.

Dazu gehören das Bundeshaus mit Bundesrat und Plenarsaal des Deutschen Bundestages, das ehemalige Abgeordnetenhochhaus "Langer Eugen", das Bundeskanzleramt, Palais Schaumburg und Museum Koenig. Teilnehmer*innen erfahren auch, wie zukunftsweisend die Gebäude heute genutzt werden. Highlight der Tour ist die Besichtigung der Villa Hammerschmidt, Bonner Amtssitz des Bundespräsidenten, im Volksmund auch das "Weiße Haus von Bonn" genannt.

Für die Führungen muss man sich bis spätesten 14 Tage vor Termin anmelden. Bei der Bonn-Information sind noch Karten für die Führung am Freitag, 12. April 2019, erhältlich. Die Tour beginnt um 13 Uhr. Aus Sicherheitsgründen ist eine namentliche Anmeldung mit Angabe des vollständigen Namens, Geburtstag und Geburtsort zwingend erforderlich. Anfragen, Reservierungen und weitere Informationen können auch gerne per Mail an bonninformation@remove-this.bonn.de oder telefonisch unter 0228 - 77 50 00 gerichtet werden. In Ausnahmefällen und bei erhöhten Sicherheitsanforderungen kann die Besichtigung entfallen.

Treffpunkt ist der Haupteingang der Villa Hammerschmidt, Adenauerallee 135 (U-Bahn-Haltestelle: Museum Koenig). Die Führung dauert rund zwei Stunden. Erwachsene zahlen 13,00 Euro, ermäßigt 9,00 Euro.

 

ANTIKMARKT MECKENHEIM

Im neuen Ambiente der Jungholzhalle in Meckenheim startet kommenden Sonntag die diesjährige „Indoor“-Saison von RHEIN-ANTIK. In der modernen Jungholzhalle kann man in aller Muße nach qualitativ hochwertigen Antiquitäten stöbern, witterungsunabhängig und begleitet von einem attraktiven Getränke- und Kuchenbüffet.

Termin: Sonntag 10.03.2019 von 11.00-18.00 Uhr. Eintritt: € 3,00