Ein Ruck(es) geht durchs Land


Zum Brüllen, meine Damen!

Gestern war ‚Weltfrauentag‘. 2003 bekam ich eine Anfrage vom Kölner Stadt-Anzeiger, einen Beitrag zum bevorstehenden Weltfrauentag zu schreiben. Daraus wurde eine satirische Würdigung dieses Tages, der zur damaligen Zeit noch nicht über die aktuelle Popularität verfügte. Die Reaktion auf den Artikel vor 16 Jahren war auch von vielen engagierten Frauen ziemlich locker und machte Freude. Ob das heute immer noch so ist?

1914 stand der ‚Internationale Frauentag‘ zum ersten Mal mit der Forderung ‚Frieden und Brot‘ in den Terminkalendern. Frauen engagierten sich gegen den ersten Weltkrieg, während Männer Schützengräben aushoben. Danach ging es bergab mit dem Frauentag. Erst in den Siebzigern wurde er von Gewerkschafterinnen und Politikerinnen wiederbelebt.

Inzwischen mutiert der 8.März teilweise vom Kampf- zum Krampftag mit aktionistischem Trallala, was der eigentlichen Thematik nicht dient. So stellte der Immobilienfilialist Engel & Völkers - so etwas wie McDonalds unter den Maklern - ein Foto mit fünf männlichen Vorstandsmitgliedern ins Netz, die sich im Anzug über ihre weiblichen Vorbilder unterhielten. Frauen kommen dabei nicht zu Wort. Tenor: Der Weltfrauentag ist eben zu wichtig, als dass Mann ihn den Frauen überlassen könnte! Der Schuss ging für die Maklerfirma mächtig nach hinten los, der ’shitstorm‘ im Netz war beträchtlich und E & V sah sich im Erklärungsnotstand.

Und was machen die Frauen am Weltfrauentag? In Bonn gab es an diesem Tag ein ‚StreikCafé‘ auf dem Marktplatz, es gab markige Aufrufe: „Wir rufen weltweit alle Frauen und Queers dazu auf, um 17 Uhr (Ortszeit) gemeinsam mit uns zu schreien“. Es gab Aufforderungen nicht zur Arbeit gehen, die Hausarbeit liegen zu lassen, andere nicht zu umsorgen und nicht zur Schule, Berufsschule oder Hochschule zu gehen.

Etwas über 200 Personen folgten der Schrei-Aufforderung und brüllten 100 Sekunden lang für 100 Jahre Weltfrauentag. Dazu verkündete eine der Initiatorinnen: „Wenn Frauen zusammenhalten, können wir die Welt verändern. Denn wenn wir streiken, steht die Welt still“.

Na ja, die dreht sich einfach weiter, trotz der zwischen Larmoyanz und Militanz angesiedelten Veranstaltungen. Dazu passt dann auch noch der niedliche Hinweis engagierter Frauen zum Tag: „Eure Männer, Kollegen und Freunde sind solidarisch mit dem Frauen-Streik? Sie haben Lust, unser Vorhaben zu unterstützen? Dann bittet Sie um einen selbstgebackenen Kuchen oder darum, eine Spülschicht bei unserem Café zu übernehmen“. Wenn die Männer da mal nicht überfordert werden.

So weit, so schräg, aber auch unterhaltsam. Bei so viel Lärm, wenig Substanz, und einer eher spärlichen, überschaubaren Schar von Aktivistinnen fragt Mann sich: Ist der Weltfrauentag inzwischen so etwas wie ‚Weiberfastnacht für Linksintellektuelle‘?

Das fortwährende Bemühen bestimmter Frauenkreise, mit den sonst Männern vorgeworfenen Mitteln und Strategien ihre eigenen Interessen zu realisieren, ist in dieser Form zum Scheitern verurteilt. Mit dem Teufel treiben auch Frauen nicht den Belzebub aus: „Männer sind Schweine“ und „Frauen sind die besseren Menschen“ und was Mann sonst noch lesen muss? Wenn’s denn so ist, fordere ich einen Gleichstellungsbeauftragten für den Mann und auch Männerparkplätze müssen natürlich her: Es gibt schließlich viele Männer, die genauso schlecht ihr Auto parken wie Frauen, haha!  

Wirklich emanzipierte Frauen brauchen keinen zirzensischen Weltfrauentag, um auf die immer noch existierenden Missstände bei der Gleichstellung hinzuweisen. Berechtigte Forderungen bringt man mit Hartnäckigkeit, Können, aber auch mit Gelassenheit und Humor besser ins Ziel.

Geschlechterkampf bzw. Geschlechterkrampf wird da nicht gebraucht!