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Airbnb

Hotelgewerbe - bedenkliche Parallelwelt Airbnb

(m.g.) Die touristische Bilanz in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis zeigt sich im vergangenen Jahr widersprüchlich. Laut den Zahlen des Statistischen Landesamtes IT NRW sind die Übernachtungen im Vergleich zu 2017 um 1,4 Prozent zurückgegangen, während die Zahl der Gäste um 3,1 Prozent angestiegen ist. Also mehr Gäste bei weniger Übernachtungen. Die Schuldigen sind unschwer auszumachen. Sie heißen Airbnb & Co.

 Immer mehr Reisende nutzen Online-Plattformen, um Unterkünfte in ihren Reiseorten zu finden. Auf der Strecke bleiben Hotels oder Pensionen. Allein in Bonn bieten weit über 1.000 Bewohner ihre Räumlichkeiten über Airbnb zur Übernachtung in Form von Homesharing an. BONNDIREKT sprach mit Michael Schlößer. Er vertritt die DEHOGA in Bonn, den Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband für das Gastgewerbe.

 Dorn im Auge

„Airbnb ist uns ein Dorn im Auge, der einen immer größeren wirtschaftliche Schaden anrichtet“, so Schlößer. Durch Plattformen wie Airbnb sei eine Parallelwelt entstanden, in der kostengünstiger gewirtschaftet werden könne als in der Welt des Hotelgewerbes. „Die Anbieter auf Airbnb sind völlig frei von Auflagen, wie zum Beispiel Brandschutz oder Beherbergungssteuer. Das macht uns Hoteliers zu schaffen und entzieht der Stadt Bonn Wohnraum“, sagt Schlößer.

 Daher fordert der DEHOGA NRW fairere Rahmenbedingungen, um seine Potenziale noch besser auszuschöpfen. „Wenn der Beherbergungsmarkt durch Sharing-Angebote wie Airbnb & Co. aufgemischt wird, braucht es faire Wettbewerbsbedingungen für alle Teilnehmer. Zu den offiziellen Übernachtungszahlen gehören deshalb die von Airbnb & Co. genauso addiert, um den Gesamtmarkt der Übernachtungen zu bestimmen“, betont Bernd Niemeier, Präsident des DEHOGA Nordrhein-Westfalen.

 Sharer müssen Steuern zahlen

„Zudem muss gesichert sein, dass sich die „Sharer“ wie unsere Betriebe auch an bestehende Regeln halten. Es kann nicht sein, dass unsere Hoteliers strengstens reguliert sind, Statistiken pflegen, Arbeitsplätze schaffen und Steuern zahlen, wenn vor allen Dingen Steuerpflichten zwar für „Plattform-Gastgeber“ gelten, aber nicht kontrolliert werden.“

 Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW) hatte Anfang des Jahres in Frage gestellt, ob Airbnb-Gastgeber regelmäßig die fälligen Steuern abführen. Dazu gehören die Einkommens-, die Umsatz- sowie beispielsweise die kommunalen Bettensteuern. Dessen Vorschlag, das Problem einzudämmen und den Staat vor Steuerausfällen zu schützen, könnte Einnahmen von bis zu 200 Millionen Euro bedeuten.

 Erst der Anfang

Und für Michael Schlößer ist das erst der Anfang. „Mittlerweile bewirbt Airbnb auf seinen Seiten auch den Business Bereich und spricht so Messegäste an. Darüber hinaus tritt die Plattform mehr und mehr als Reiseanbieter auf, indem touristische Attraktionen beworben werden. Das ist schon bedenklich“, meint Schlößer. „Außerdem habe ich gehört, dass Airbnb seinen Kunden attraktive Kredite anbietet, so dass diese ihre Immobilien renovieren und somit schöner präsentieren können.“

11.03.2019