Bonn Rhein-Sieg


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Brexit – Unternehmen der Region stark verunsichert

(m.g.) Bereits vor dem Brexit trübt die Diskussionen um den Ausstieg Großbritanniens aus der EU die Geschäfte Bonner Unternehmen mit dem Vereinigten Königreich ein. Das teilte jetzt die Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg mit. In einer aktuellen Umfrage bewerten 54,2 Prozent der befragten Unternehmen im IHK-Bezirk Bonn/Rhein-Sieg die Geschäftssituation mit dem Vereinigten Königreich als „schlecht“, lediglich 12,5 Prozent schätzten ihre Geschäftssituation auf der Insel als „gut“ ein.

 „Die Ergebnisse spiegeln sehr stark die politischen und in der Folge auch wirtschaftlichen Unsicherheiten wider“, sagt Armin Heider, Bereichsleiter der IHK Bonn/Rhein-Sieg. Denn im Gegensatz zu der Einschätzung Großbritanniens gaben 39,4 Prozent der Befragten in der Region an, dass die aktuelle Geschäftssituation in der Eurozone gut ist, weitere 51,5 Prozent beurteilen sie als befriedigend. Lediglich drei Prozent bewerten sie als schlecht. „Die Eurozone bietet für Unternehmen der Region Bonn/Rhein-Sieg aktuell das weltweit beste Geschäftsumfeld, gefolgt von Kanada und der sonstigen EU als auch Schweiz und Norwegen“, so Heider. „Dies verdeutlicht nicht nur die enorme Bedeutung des Binnenmarktes, sondern auch den positiven Beitrag der gemeinsamen Währung für ein gutes Geschäftsumfeld.“

 Die Beurteilung der Geschäftssituation im Vereinigten Königreich habe sich binnen eines Jahres bundesweit nahezu komplett gedreht. Während im letzten Jahr 62 Prozent der Befragten angaben, die Situation auf der Insel wäre befriedigend, sagen aktuell 62 Prozent sie sei schlecht. Auch die Zukunftsaussichten werden nunmehr von 52 Prozent als schlechter eingeschätzt, im Vorjahr waren es 40 Prozent.

 Die größten Befürchtungen der Verschlechterungen beziehen sich auf die Zollbürokratie (59,1 Prozent), rechtliche Unsicherheiten (40,9 Prozent) und die Zunahme tarifärer Handelshemmnisse (36,4 Prozent). Weiterhin spielen Wechselkursrisiken und die Zunahme nicht-tarifärer Handelshemmnisse eine Rolle (31,8 und 27,2 Prozent). Die Geschäftsbeziehungen der Unternehmen aus der Region Bonn/Rhein-Sieg zum Vereinigten Königreich stellen sich mannigfaltig dar: 54,8 Prozent exportieren Waren oder erbringen Dienstleistungen, 19,4 Prozent importieren Waren/Dienstleistungen, 22,6 Prozent unterhalten eine Niederlassung/Büro, 12,9 Prozent beschäftigen britische Staatsbürger in der Region und 9,7 Prozent beschäftigen deutsche Arbeitnehmer im Vereinigten Königreich.

 „Die Herausforderungen im Umgang mit dem Brexit sind von daher für jedes Unternehmen anders gelagert, ein ‚Universalrezept‘ zur Bewältigung der Unsicherheit ist insofern nicht gegeben“, so Heider. Eine individuelle Vorbereitung sei mittlerweile unumgänglich geworden, da weniger als ein Monat bis zum – geplanten - Austritt am 29. März 2019 verbleibt und lediglich 31,8 Prozent der Befragten angaben, gut auf den Brexit vorbereitet zu sein.

12.03.2019