Ein Ruck(es) geht durchs Land


Essen auf Rädern

Mal ehrlich, wann haben Sie sich zum letzten Mal eine Pizza nach Hause liefern lassen? Vorgestern, letzten Monat oder als es geschneit hatte? Lügen Sie jetzt nicht oder wollen Sie ernsthaft behaupten, Sie hätten es noch nie gemacht?

Wenn dem so ist und Sie sich noch nie von einem mobilem Buchweizen-Fladenkurier am Abend vor dem Hungertod retten mussten, dann nehme ich Sie jetzt (digital) in den Arm, denn wir sind dann schon zwei. Ich habe jedenfalls noch nie diesen fragwürdigen kulinarischen Service in Anspruch genommen, werde es auch zukünftig nicht tun, weil ich folgende Thesen vertrete:

# Wer zu dämlich ist, noch nicht einmal eine tiefgekühlte 99-Cent-Pizza ‚Margerita‘ vom Discounter in einen Backofen zu legen und für die Lieferung einer solchen lauwarmen ‚Wellpappe‘ durch einen Pizzadienst auch noch 10 € auf den Esstisch legt, dem gönne ich eigentlich durchgehend ein Hungergefühl. Wo sind wir eigentlich gelandet mit unserer Esskultur?

# Wer nicht kochen kann, dem ist eigentlich kein Vorwurf zu machen. Aber man kann so etwas lernen und mit dem Lernprozess beim Kochen erkennt man immer mehr, dass diese Tätigkeit mehr als Sättigungsbefriedigung darstellt. Kochen ist Lebensqualität mit positiven Nebenwirkungen wie Kommunikation, Geschmackslust und erst zuletzt Appetitbewältigung.

# Es gibt auch Online-Lieferdienste einer anderen Art: In Kochboxen wird das Essen zum Selberkochen an die Haustür gebracht. Das ist etwas für mehr oder weniger untalentierte Hobbyköche, die dann Speisen nach beigelegter Anleitung zubereiten können wie andere 'Malen nach Zahlen'. Was ist das? Kochen für Anfänger oder für Angeber?

# Und noch etwas: Für deutsche Finanzämter, die mit Steuereintreibung den Lebensstandard aller hier lebenden Menschen und deren Sozial- und Infrastrukturbedürfnisse finanzieren müssen, zählen lokale Hinterzimmer-Pizzadienste nicht unbedingt zu den kapitalen Unterstützern. Ein Schelm, wer sich dabei Böses denkt.

Wie kann ich mit diesem Beitrag etwas an der wachsenden kulinarischen Geschmacklosigkeit und dem Unvermögen besonders jüngerer Hunger-Generationen etwas ändern? Ich ändere damit nichts. Im Gegenteil: Marktforscher halten die hier beschriebenen Versorgungsmentalitäten für weiter erfolgreich und erwarten eine Ausdehnung dieses Marktes.

Na, das ist mir dann auch egal. Ich beende jetzt diesen Artikel. Schließlich kann ich kochen, habe kulinarischen Geschmack und muss jetzt mein handgeschnittenes Kalbsschnitzel ‚glutenfrei‘ panieren. Der 1999er-St. Emilion will auch vorsichtig geöffnet werden, damit er sich nicht erschreckt und der Probeschluck macht Laune beim Kochen.

Alles etwas teurer, aber von anderer Qualität. Soviel Snobismus muss sein!

 

Und am heutigen Mittwoch auch noch ein Freizeittipp der qualitativen  Art für Kurzentschlossene:

DREHWERK WACHTBERG-ADENDORF

Heute Abend startet auf der Bühne des DREHWERK17/19 in Wachtberg-Adendorf die neue Livemusik-Reihe „TonArt“ mit einer ‚Knaller-Gruppe‘:

"Maître Sardou & Les Bluesbarbers"

Was passiert, wenn ein gebürtigerranzose jahrelang in Köln musikalisch herumturnt: Es entsteht eine Band mit dem Namen „Maître Sardou & Les Bluesbarbers“. Und was liefert der ‚eingekölschte Franzus“ musikalisch ab?  Eigenkompositionen und kölsche Interpretationen von Soul- und Bluesklassikern wie “Rock me Baby“(übersetzt: „Nimm mich Baby”), “Hold On I´m Coming(„Halt durch ich kumme”), “Mustang Sally“(„Do kütt Sally”). Da vermischt sich traditioneller Blues mit Spiel- Liebes- und Lebenslust. Ein Abend, den man nicht vergessen wird. 

Einlass: 19:00 Uhr / Beginn: 20:00 Uhr / Eintritt: 10 €