Ein Ruck(es) geht durchs Land


Das umstrittene Phänomen

Die in dieser Woche eröffnete Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle zum Phänomen ‚Michael Jackson‘ hat schon vor der Eröffnung wegen erhobener Missbrauchsvorwürfe gegen den „King of Pop“ für Aufmerksamkeit und Aufregung gesorgt. Auch wenn diese Vorwürfe nicht unbedingt neu sind, sie werden durch die Dokumentation „Leaving Neverland“ wieder ins Rampenlicht geführt.

In einem aktualisierten zeitlichen Umfeld und trotz schon vorher kontrovers geführter Diskussion die Ausstellung „Michael Jackson: On the Wall“ dennoch zu präsentieren, kann der Bundeskunsthalle in Bonn nicht hoch genug angerechnet werden.

Auf diese Weise schafft  sie es glaubhaft, sich nicht von außen durch Bevormunder, Vorverurteiler und wie auch immer geartete Moralisten unter Druck setzen zu lassen. Letztlich geht es um die Kunst und deren unabhängige Darstellung durch eine dafür vorgesehene ‚neutrale‘ Institution. Zumal es Intendant Rein Wolfs und den leitenden Verantwortlichen gelungen ist, eine seriöse Plattform für weitere Diskussionen und zur Auseinandersetzung um das Missbrauchsthema zu schaffen.

Keine „Jackson-Hommage“

Es geht also nicht um eine unkritische Jackson-Hommage unter Außerachtlassung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe, sondern um Ansichten und Darstellungen zeitgenössischer Künstler gegenüber der Person Jackson, dessen Einfluss auf ein breites künstlerisches Spektrum unbestritten ist und ihn so – wie Rein Wolfs betonte – zur Ikone der Popmusik werden ließ.

Auch musikalisch strittig

Unabhängig davon ist, ob man nun zu den Fans seiner Sanges- und Tanzkunst zählt oder nicht. Musikkritiker und auch aktive Musiker stufen seine Songs häufig eher stirnrunzelnd ein: Die Musik lebt von einer gewissen rhythmischen Effekthascherei, wenig Notenkunst und noch weniger Harmonielehre. Seine tänzerischen Fähigkeiten mögen da höher einzuschätzen sein.  Der Erfolg dieser Performance indes war einzigartig.

Auch die Jackson darstellenden und ausgestellten Arbeiten bekannter oder weniger bekannten Künstler*innen aus mehreren Künstlergenerationen wirken teilweise befremdlich, manche vielleicht sogar abstoßend. Gezeigt werden soll aber der Einfluss Jacksons in der damaligen Popkultur (Musik, Musikvideo, Tanz, Choreografie, Mode). Unter dieser Sichtweise ist ein Besuch in der Bundeskunsthalle ein absolutes „must“ für kritische Kunstfreunde.

Zwei Zitate zur Ausstellung:

„Wir können es uns nicht erlauben, diesen Teil der Kulturgeschichte auszuradieren (...) wir sehen die Ausstellung als Plattform für moralisch-ethische Fragen.“ (Rein Wolfs, Intendant der Bundeskunsthalle)

„Es ist bestürzend zu hören, was da passiert sein könnte. Aber wir müssen die Diskussion führen – seriös und mit Respekt (...) Die Dokumentation verändert die Parameter – man muss darüber nachdenken, was das mit einem selbst macht.“ (Nicholas Cullinan, Direktor der National Portrait Gallery, Entwickler und Kurator der Ausstellung).