Ein Ruck(es) geht durchs Land


'Netzwerk-Institutionen'

Mitgliedschaften von Städten in irgendwelchen ‚Netzwerk-Institutionen‘ sind so wichtig wie Zertifikate auf Fischsuppen und Bohnerwachsseifen oder bronzene Kammerpreismünzen auf Weinflaschen. Sie sagen nicht viel aus, der Informationswert ist mehr als bescheiden, sie sind aber dekorativ und irgendwelche – mitunter zweifelhafte  - Institutionen und Figuren verdienen damit auch noch viel Geld. 

Und was im Supermarkt der Einnebelung von Konsumenten dient, eignet sich bei prestigegeilen Städten wie Bonn vortrefflich zur Ablenkung viel wichtigerer und realer Probleme sowie zur Übertünschung von Unzulänglichkeiten und Inkompetenzen von Verantwortlichen in Politik und Verwaltung. Als hätte Bonn nicht ganz andere Sorgen, liest man jetzt:

„Die Stadt Bonn ist als erste Stadt aus NRW dem Netzwerk Bio-Städte beigetreten. Den Beitritt hatte der Rat in seiner Februar-Sitzung beschlossen. Bei der zweiten Bio-Messe am Montag, 25. März 2019, hat Bürgermeister Reinhard Limbach die Mitgliedsurkunde für die Stadt Bonn entgegengenommen. Auf der Erzeugerseite hat die Stadt Verantwortung zur Förderung des Ökolandbaus übernommen“.

Der Rat hatte im Februar 2019 beschlossen, dass die verpachteten städtischen landwirtschaftlichen Flächen vorrangig ökologisch bewirtschaftet werden sollen. Da sind wir aber alle mehr als zufrieden und manche fragen sich, ob das nichts als „Politik für die Litfaß-Säule“ ist?

Zweifelhafte Rankings

Es gibt auch viele Rankings, in denen sich Bonn gerne als erfolgreiche Stadt darstellt. Das mag in einigen Bereichen sogar stimmen. Und auch in dem nach oben und unten offenen Ranking peinlicher kommunaler Fehlleistungen liegt Bonn gegenwärtig auf einem sicheren dritten Platz. Nach dem Berliner Flughafen, der Elbphilharmonie hat das Desaster um die Beethovenhalle der Stadt Bonn wieder nationale und demnächst auch internationale Aufmerksamkeit verschafft.

Zu den verdienstvollen Machern dieser zweifelhaften Spitzenposition zählen natürlich in erster Linie die Bonner Führungskräfte in Politik und Verwaltung, die sich bildreich, aber nicht wortreich selber in Szene setzen. Ärgerlich für den General-Anzeiger ist dabei, dass man der früheren Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann nicht auch noch dieses ‚Bon(n)bon' ans Hemd kleben kann. So freuen wir uns einfach auf die demnächst startende Berichtsserie im GA „Die Beethovenfalle“, in der Hauptrolle u.a. OB Ashok Sridharan(CDU) und Thomas Schmidt (GRÜNE).   

Braucht Bonn diese plakative Politik? Nein, die Bürger*innen brauchen das nicht und sie brauchen auch nicht mehr unbedingt diese städtischen Führungskräfte. Wann sind die nächsten Wahlen? Ach ja, im Oktober 2020.

Schon mal vormerken!