Ein Ruck(es) geht durchs Land


Ein Mann, ein Wort, eine Führung!

Wie sieht das eigentlich in der Praxis aus, wenn ein Oberbürgermeister ein Thema zur sogenannten ‚Chefsache‘ erklärt? Geht das dann schneller, werden vorherige Fehler korrigiert und die Sache funktioniert anschließend?

Der Bonner OB Sridharan hat schon einige Themen zur Chefsache erklärt, jetzt zählt auch das Trümmergelände der Beethovenhalle dazu. Zu dieser ‚Führung‘ musste er aber wie ein Dackel zur Wildschweinjagd getragen werden. Eigentlich wollte er die Oberaufsicht vom erkrankten Stadtdirektor Fuchs auf den Baudezernenten Wiesner übertragen. Unter dem Druck seiner Freunde und natürlich seiner Gegner kümmert er sich jetzt selbst. Aber wie?

Die Begriffe ‚Chefsache‘ und ‚Führung‘ hat er irgendwie durcheinander geworfen. Unter Führung versteht Sridharan folgendes: Jetzt will er allen Ernstes geführte Baustellen-Besichtigungstermine für die Öffentlichkeit anbieten, damit diese sich ein Bild oder auch Fotos von dem desaströsen Zustand des Projektes machen können. Warum eigentlich nicht? Diese Fotos kann man ja verwahren und sich bei der nächsten Kommunal- und Oberbürgermeister-Wahl daran erinnern. Könnte es sein, dass dies bei der Wahlentscheidung im nächsten Jahr einen gewissen Einfluss ausüben würde?

In den kommunalpolitischen Kulissen wurden jüngst schon einige Vorentscheidungen getroffen. Die Parteien haben mit der Aufstellung von Kandidat*innen begonnen. Zu Begeisterungsstürmen besteht allerdings kein Anlass und das wird wohl auch so bleiben. Einige Altvordere treten den Rückzug an, der lebenslange Fraktionsgeschäftsführer der GRÜNEN im Bonner Rat zählt leider nicht dazu. Zu befürchten ist, dass das mittelmäßige Gros der Ratsmitglieder wieder antritt und was von neuen und jungen Gesichtern zu halten ist, weiß man meistens erst, wenn die Wahlperiode schon zur Hälfte vorbei ist. Politik ist schließlich kein Ausbildungsberuf und jeder, dem langweilig ist und noch ein paar Nebeneinkünfte gebrauchen kann, ist herzlich eingeladen.

OB Sridharan hat seine Bereitschaft zur Wiederwahl ebenfalls angekündigt und leistet zumindest bei seiner eigenen PR-Kampagne mit einer Flut von Grußworten in der Stadt, im Land und sogar international wahrlich Großes. Wie er da auch noch Zeit findet, als Baustellenführer mit Bauhelm auf dem Kopf über das Beethoven-Trümmergelände zu führen, ringt mir Bewunderung ab. Eigentlich braucht niemand einen solchen ‚Katastrophen-Tourismus‘ oder können Sie sich vorstellen, dass der Regierende Bürgermeister von Berlin eigene Führungen über den Berliner Geister-Flughafen anbietet?

Sridharans Wiederwahl ist jetzt schon sicher. Seine eigene Parteigefolgschaft kann sich ja schlecht gegen ihn stellen, obwohl er diese auch nicht begeistert und die unter  Kompetenzschwund leidende SPD wird sich wohl für eine Frau als Kandidatin entscheiden, die zwar in Bonn wohnt, aber außerhalb Bonns im öffentlichen Dienst arbeitet und die in der Bonner Öffentlichkeit kaum jemand kennt. Bliebe noch der grüne Kandidat von der letzten OB-Wahl. Aber der hat ja ‚lebenslänglich‘ als Fraktionsgeschäftsführer.

In der Bonn benachbarten „Wohlfühl“-Gemeinde Wachtberg hingegen könnte es bei der nächsten Bürgermeisterwahl – wie beim letzten Mal – wieder eine Überraschung geben. Darüber demnächst mehr an dieser Stelle.