Bonn Rhein-Sieg


Euskirchener Einzelhandel muss den Umbruch meistern

(m.g.) Auch der Euskirchener Einzelhandel bekommt die Auswirkungen des zunehmenden Online-Handels zu spüren. Und schon heißt es in den Medien, dass der Leerstand in der Euskirchener Innenstadt immer schlimmere Ausmaße annehme. „Das stimmt so nicht“, dementiert Christian Lange, Ausschussvorsitzender für Euskirchen beim Einzelhandelsverband Bonn-Rhein-Sieg-Euskirchen und Geschäftsführer des Schuhhauses Lange. Die Situation verändere sich. Und dem müsse sich der Einzelhandel anpassen.

 „Ja, wir haben Leerstände. Das betrifft jedoch in erster Linie die Randbezirke der Stadt“, so Langen. „Auch die Straßen Vuvenstraße und Annaturmstraße sind ein Problem.“ Und wenn sich dort ein neues Geschäft ansiedelt, handelt es sich meistens um Friseursalons oder kleine Caféhäuser. Und das schrecke potenzielle Kunden des Einzelhandels ab. „Das veränderte Kaufverhalten zeigt sich auch im Laufverhalten der Kunden. Sie wollen kurze Wege, und das schadet natürlich den Geschäften in den Randbereichen.“

 „Daher sieht Zentrum mit seiner 1-A-Lage dagegen noch gut aus“, so Langen. Aber auch hier verändern sich die Strukturen. „Nachdem die Gastronomie in der Vergangenheit nach und nach weniger wurde, kommt sie mittlerweile zurück, aber in einer neuen Form“, beobachtet Langen. „Die eher teuren Restaurant sind verschwunden und werden jetzt durch günstige und billigere Snackangebote ersetzt. Und das scheint bei den Leuten anzukommen, also müssen wir Einzelhändler uns das zu Nutzen machen“, meint der Ausschussvorsitzende.

 Und das am besten in Kombination mit einer besseren Onlinepräsenz der Geschäfte. So setzt Lange selbst für sein Geschäft auf das Angebot Omnichannel, das den Online- und Offline Handel verbindet. „Wir verkaufen jeden Tag rund ein Dutzend Paar Schuhe über das Internet, doch zu 99,9 Prozent der Fälle handelt es sich dabei um Kunden von außerhalb“, sagt Lange. Gut für den stationären Handel in Euskirchen bewertet Lange den Regionalplan der Kölner Bezirksregierung mit dem Titel Region+.

 Demnach sollen die Kommunen mit einer Zugfahrt-Entfernung von 45 Minuten ab den Hauptbahnhöfen Köln und Bonn die Großstädte entlasten. Der führt zu mehr Zuzug aus den Städten Köln und Bonn, wo die hohen Mieten immer mehr Menschen abschrecken. „Das spüren wir jetzt schon in Euskirchen. Des Öfteren begrüßen wir Kunden in unserem Laden, die neu zugezogen sind.“ Das bedeute aber nicht, dass die Euskirchener Händler die Hände in den Schoss legen und einfach abwarten können. „Wir müssen uns anpassen, nicht nur online. Die Leute mögen die Individualität unserer City, die gilt es auszuarbeiten. Ansonsten haben wir Leerstand durch Stillstand“, warnt Lange.

09.04.2019