Ein Ruck(es) geht durchs Land


Platz da? oder Platz da!

Es wird immer enger auf Straßen, Rad- und Gehwegen. Jetzt kommen bald auch noch Elektrotretroller als Heilsbringer für eine neue Mobilität. Und selbst wenn sie einen marginalen  Beitrag zum Klimaschutz leisten sollten, für das Klima der Verkehrsteilnehmer untereinander werden sie mit Sicherheit nicht sorgen.

Sie sind klein, vergleichsweise günstig und überbrücken so beinahe ideal die letzte Meile. Experten, die es ja zu jedem Thema gibt, vermuten, dass viele Menschen in den Städten beim Arbeitsweg zugunsten des Tretrollers auf das Auto zu verzichten würden. Tatsächlich kennt man ja Bilder von dynamischen Jungmanagern in Kalifornien und New York, die im Armani-Anzug, mit wehender Krawatte und umgehängten Business-Bag über Straßen und Bürgersteige düsen. Eine etwas schräge Szenerie, die aber dort keinen aufregt oder stört. So locker funktioniert das in Deutschland nicht. Als erstes muss da mal eine gesetzliche Verordnung her, zu der sich die hohe Politik zusammenraufen muss.

Das sieht dann so aus:

"Elektrokleinstfahrzeuge", die maximal 20 km/h schnell sind und eine Lenk- oder Haltestange haben, werden erlaubt. Exemplare, die schneller als 12 km/h fahren können, müssen auf den Radweg - die langsameren auf den Gehweg, so die Pläne von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), gegen die es natürlich sofort Widerstand von den Landesverkehrsministern gibt. Und dieser Widerstand geht kreuz und quer durch politische Farben und Bundesländer. Da werden – auch wegen der Geräuscharmut der E-Roller – Konflikte mit Fußgängern vermutet und auf Geh- und Radwegen tummeln sich ja auch noch normale Radfahrer, E-Bikes, Rollatoren, online-skates, Rollschuhfahrer, Skiroller, Kinderwagen etc. Es gibt sogar Rennradfahrer, die den Radweg benutzen und nicht zu zweit oder mehr nebeneinander auf der Straße fahren und dort gerne Autofahrer provozieren.

Ach, die Autofahrer, die gibt es ja auch noch: Die wünschen sich manche inzwischen schlicht verboten, lediglich zur Errichtung der Kfz-Steuer sind sie noch zu gebrauchen und mit diesen Einnahmen kann man ja auch gut den Ausbau von Rad- und Rollerwegen finanzieren.

Und es gibt noch andere Aspekte: Wie sieht es eigentlich mit einer Versicherungspflicht für Zweiräder aus, die nicht von Verbrennungsmotoren angetrieben werden? Zu Zusammenstößen und Ärger wird es auf den demnächst noch stärker frequentierten Nebenwegen ohnehin kommen, weil trotz aller Verkehrsregeln sich ja kaum jemand an diese Regeln halten wird.

 "Die Fußgänger dürfen nicht unter die Räder kommen", sagt die saarländische Verkehrsministerin. Ein schöner Spruch und richtig ist er auch, denn genau dies wird passieren. Der Bundesverkehrsminister scheuert – Pardon – steuert auch einen Spruch zum Thema bei: „Man kann es nicht jedem recht machen". Da hat der Mann auch mal Recht.

Und in Bonn: Da mach ich mir keine Sorgen. Der Oberbürgermeister wird das heikle Thema bestimmt bald zur „Chefsache“ machen. Damit ist es zwar nicht gelöst, gerät aber schneller in Vergessenheit bei den Bürger*innen.


Wie jeden Mittwoch noch Freizeittipps der nicht alltäglichen Art für die kommenden Tage. Diesmal im Rathaus in Wachtberg-Berkum und in der Bonner Bundeszentrale für politische Bildung. 

RATHAUS WACHTBERG-BERKUM

 

Ausstellung: Begegnungen an der Peripherie 

(m.m.) - So abgelegen und klein war das Dorf, dass er selbst zum Fotoobjekt wurde. Ein Wanderer, hier? Das kann nur ein Dieb auf der Suche nach lohnenden Einbruchszielen sein! Das dachte sich wohl der Einwohner der wenige Seelen großen Ortschaft beim Anblick von Klaus Strack und zückte prompt die Kamera. So geschehen im äußersten Osten des Rhein-Sieg-Kreises.

Eigentlich war Strack derjenige, der auf Fotomotivsuche war. Zuhause in Siegburg, im Beruf Kämmerer der Gemeinde Eitorf und als langjähriger Sprecher aller Rhein-Sieg-Kreis-Kämmerer mit deren Städten und Kommunen vertraut, war dem passionierten Wanderer und Hobbyfotografen die Idee einer ganz besonderen Heimat-Tour gekommen.

Nicht die bekannten Sehenswürdigkeiten und touristisch beliebten Hotspots des Rhein-Sieg-Kreises wollte er erkunden, sondern entlang dessen Außengrenze das Gebiet umrunden und so neue Eindrücke, ein anderes Heimatgefühl gewinnen. Auch das Links- und das Rechtsrheinische wollte er bekannter machen, erzählte Strack am 03. April anlässlich der Eröffnung seiner Fotoausstellung im Wachtberger Rathaus.

Skurriles, Amüsantes und Liebenswertes

Ein ganzes Jahr und durch alle Jahreszeiten ist er gewandert, in der Regel wochentags, um einen Alltagseindruck zu bekommen. 328 Kilometer zählt die Außengrenze des Kreises. Da diese zumeist jedoch nicht direkt begehbar ist, oft durch Flüsse führt, und er sich auch schon mal verlaufen habe, seien insgesamt 391 Kilometer auf zumeist nicht markierten Wald- und Wirtschaftswegen zusammen gekommen, so Strack. Nicht wenige Male saß er in privaten Wohnzimmern bei Kaffee und Kuchen … denn Einkehrmöglichkeiten, das hatte Strack schon geahnt, gibt es in der Peripherie so gut wie keine. Diese Kontakte sind es auch, von denen er mit so viel Frohsinn erzählt, die widerspiegeln, was uns im Rhein-Sieg-Kreis ausmacht: „Wir leben in einer vielfältigen Gegend, die alles bietet, was man benötigt: tolle Infrastruktur, herrliche Landschaften, ein großes kulturelles Angebot, funktionierende Dorfgemeinschaften. Und dann gibt es da noch das Gefälle hin zu den Rändern. An denen war ich unterwegs. Hier ist einiges im Argen, aber auch vieles in Ordnung.“

Die Ausstellung im Wachtberger Rathaus, Rathausstraße 34, in Wachtberg-Berkum ist bis 30. April 2019 (Mo – Fr 08.00-12.00 Uhr, Mo 14.00-16.00 Uhr, Do 14.00-18.00 Uhr) zu sehen.

BUNDESZENTRALE POLITISCHE BILDUNG

Einen verkaufsoffenen Samstag veranstaltet die Bonner ‚Bundeszentrale für politische Bildung‘ am 13. April 2019 von 10-14 Uhr in der Adenauerallee 86.

Dort  finden sich Bücher, kostenlose Zeitschriften, Plakate, Landkarten und Multimedia-Angebote sowohl zu aktuellen gesellschaftlichen als auch historischen Themen, zu politischen Grundfragen sowie europäischen und internationalen Debatten.

Erstsemester-Studierenden mit gültiger Immatrikulationsbescheinigung schenkt die Bundeszentrale einen ‚Ersti-Beutel‘ für einen guten Start ins Uni-Leben. Das gesamte Veranstaltungsprogramm der bpb finden Sie unter: www.bpb.de/veranstaltungen/

Bundeszentrale für politische Bildung / Adenauerallee 86 / 53113 Bonn