Bonn Rhein-Sieg


Unzufriedenheit bei Radfahrern?

Ergebnisse des Fahrradklimatests

(p.s./e.r.) - Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz haben der Rhein-Sieg-Kreis und der ADFC Bonn/Rhein-Sieg jetzt die Ergebnisse des Fahrradklimatests aus dem Herbst 2018 für den Rhein-Sieg-Kreis vorgestellt.

Der Fahrradklimatest ist eine bundesweit durchgeführte Befragung der Radfahrenden, gefördert vom Bundesverkehrsministerium. Die Befragten bewerten dabei ihre Stadt oder Gemeinde hinsichtlich 27 fahrradbezogener Kriterien auf einer Schulnotenskala von 1-6. Die Kommunen wurden in fünf Gruppen entsprechend ihrer Einwohnerzahlen eingeteilt, um eine bessere Vergleichbarkeit zu gewährleisten. 

„Die um 40% gestiegene Teilnehmerzahl zeigt das wachsende Interesse am Thema Radfahren. Auch wenn die Ergebnisse nicht repräsentativ sind, nehmen wir sie sehr ernst“, sagte Landrat Sebastian Schuster. Er ist sich aber sicher, dass in den kommenden Jahren wieder bessere Ergebnisse erreicht werden können. So geht z.B. nach Jahren der Planung in wenigen Wochen das linksrheinische Fahrradverleihsystem der RVK in Betrieb.

Der Rhein-Sieg-Kreis kommt nun insgesamt auf eine Durchschnittsnote von 4,10 (2016: 3,92) und liegt damit etwas schwächer als der ebenfalls rückläufige Bundestrend. „Das Ergebnis ist aus Sicht des ADFC alarmierend“, findet die  Vorsitzende des ADFC Bonn/Rhein-Sieg. Keine Kommune konnte sich verbessern. In zahlreichen Städten und Gemeinden des Rhein-Sieg-Kreises ist das Ergebnis zum Teil deutlich schlechter als noch vor zwei Jahren.

Der verkehrspolitische Sprecher des ADFC für den rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis, erläuterte: „Für mich zeigt sich darin, dass die Infrastruktur mit den steigenden Bedürfnissen von immer mehr und schneller fahrenden Radlerinnen und Radlern nicht Schritt hält.“ Radschnellwege beispielsweise stünden immer stärker im Fokus der politischen Diskussion, doch aktuell gebe es für die Radfahrenden in der Realität noch keine Umsetzung.

Meckenheim gewinnt

Die Bewertung in den einzelnen Kommunen des Kreises fällt unterschiedlich aus:

In der Gruppe der Städte mit 20.000 bis 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern belegt Meckenheim im bundesweiten Vergleich mit der Gesamtnote 2,96 den vierten Platz. Gewinner ist die Stadt Baunatal in Nordhessen mit der Note 2,67. Mit Abstand folgen Lohmar (3,66; Platz 75 von 311), Niederkassel (3,87; Platz 147 von 311) und Swisttal aus der Gruppe der kleineren Gemeinden (3,86; Platz 104 von 186).

Alle anderen Kommunen haben ein vergleichsweise schlechtes Ergebnis. Auffallend sind die starken Verluste in Troisdorf (4,1, -0,6) und in den beiden Siebengebirgsstädten Königswinter (4,5, -0,6) und Bad Honnef (4,5, -0,4). 

Das Meckenheimer Ergebnis zeigt für den ADFC erneut eindrucksvoll, was möglich ist, wenn es eine Kommune mit der Fahrradförderung ernst meint.

Stärken und Schwächen im Rhein-Sieg-Kreis

Im Durchschnitt die besten Noten erhielten die Kreiskommunen bei der Bewertung der Innenstadt-Erreichbarkeit (3,1), der Fahrrad-Wegweisung (3,1) bei der Ermöglichung zügigen Radfahrens (3,3) sowie bei der Öffnung von Einbahnstraße (3,3).

Die schlechtesten Noten erhielten die Kreiskommunen wie vor zwei Jahren bei öffentlichen Leihradsystemen (5,1) sowie bei der Falschparkerkontrolle auf Radwegen und der Führung an Baustellen (jeweils 4,7). Die spezifischen Schwächen der Kreiskommunen liegen weiterhin bei der Fahrradförderung in jüngster Zeit, bei der Reinigung der Radwege und bei der Fahrradmitnahme im ÖPNV, die im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands jeweils 0,4 Notenstufen schwächer bewertet wurden.

Bei einigen Punkten wird es allerdings Schwierigkeiten geben, bessere Noten zu erreichen. „Im Gegensatz zu anderen Regionen ist unser ÖPNV sehr gut ausgelastet – in Spitzenzeiten bereits jetzt überlastet. Grundsätzlich haben Fahrgäste, Mobilitätseingeschränkte sowie Eltern mit Kinderwagen in Bus und Bahn Vorrang vor dem Fahrrad“, warb Landrat Sebastian Schuster um Verständnis gegenüber dem ADFC.

Stellenwert des Fahrradklimatests

Was bringt ein solcher Test? Schon der Name ist schwammig und unpräzise und repräsentativ ist die Befragung bisher in keiner Weise. Sie ist sehr subjektiv, bei den befragten Radfahrern dürfte es sich in erster Linie um engagierte Vertreter des Radverkehrs handeln, davon viele mit einem einseitigen 'Tunnenblick' auf die schwierigen Verkehrsverhältnisse. Lesen Sie hierzu den Wochenrückblick-Newsletter unter der Überschrift "Ja, wo fahren sie denn?", der sich mit zusätzlichen Aspekten des Problems 'Radfahren' beschäftigt.