Ein Ruck(es) geht durchs Land


Immer die Radfahrer?

Tägliche Horrormeldungen über Verkehrszusammenbrüche auf Straßen und Schienen, Verbalattacken gegen Autofahrer, permanente Vorwürfe an Betreiber von Nahverkehrsunternehmen: Die Hardcore-Vertreter aus der strampelnden Zweirad-Lobby geben Vollgas. Das ist grundsätzlich nicht verkehrt, es gibt eine Menge richtiger Forderungen zur Förderung des Radverkehrs, aber es gibt leider auch viele einseitige Betrachtungsweisen.

Das Ergebnis eines ‚Fahrradklimatests‘ aus dem Herbst 2018 präsentierten vergangene Woche der ADFC Bonn/Rhein-Sieg-Kreis zusammen mit dem Rhein-Sieg-Kreis. Schwachpunkte der Vorstellung: Die Umfrage ist in keiner Weise repräsentativ, sie ist nicht mehr aktuell und die Ergebnisse sind – im Sinne der Fahrradlobby – eher niederschmetternd. Detaillierte Antworten hierzu lesen Sie auf BONNDIREKT unter der Überschrift: „Unzufriedenheit bei Radfahrern?“

Unzufrieden können auch schon länger die Autofahrer sein. Im Rahmen der besonders in Deutschland auf Hochtouren laufenden Klimadiskussion sind sie meist – ob zu Recht oder zu Unrecht – die Prügelknaben der Nation. Bei der Umfrage zum ‚Fahrradklimatest‘ ging es aber mal nicht primär um Co2-Ausstoß, sondern um die Wege-Infrastruktur für Radfahrer.

Worum es überhaupt nicht ging, war das ‚Verhaltensklima‘ im täglichen Straßenverkehr zwischen Auto- und Radfahrern. Genau dort liegt aber vieles bei Beiden im Argen. Es gibt sicherlich einen erheblichen Anteil gedanken- und rücksichtsloser Autofahrer gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern, aber der Prozentsatz rücksichtsloser Radfahrer kann sich ebenfalls (negativ) sehen lassen.

Motto: Niemals anhalten!

Zwischen vor einer Ampel wartenden Autos bis zum Ampelmast vordrängeln, dann bei ‚Rot‘ weiter fahren. Oder bei ‚Rot‘ über den Fußgängerüberweg, auf Gehwegen Fußgänger bedrängen und umnieten, in der Fußgängerzone mit überhöhtem Tempo unterwegs sein, die Räder an alles und jedes festbinden, im Dunkeln ohne jede Beleuchtung unterwegs und am schlimmsten sind Rennradfahrer, die als strampelnde Litfaßsäulen alleine oder im Pulk Landstraßen zu ihrem Privatbesitz erklärt haben.

Ja, die Zahl der Zweiradtreter-Rüpel ist beträchtlich und sie steigt und steigt. Woran liegt es? Unbestrittene Benachteiligungen des Radverkehrs lassen sich nicht durch aggressives Verhalten kompensieren, damit erreicht man letztlich das Gegenteil.

Die permanenten und teilweise oberlehrerhaften Statements der Fahrrad-Lobby wären umso glaubwürdiger, wenn sie von intensiven Programmen und Rollenspielen zur Verkehrserziehung für die eigene Klientel begleitet würden. Und so lange es keine Kennzeichnungs- und Versicherungspflicht und eventuell auch eine entsprechende zweckgebundene Fahrradsteuer gibt, werden wir uns weiter im täglichen Krieg auf dem Asphaltfeld befinden. Und demnächst kommen dann auch noch die E-Tretroller. Ohne Licht natürlich!