Bonn Rhein-Sieg


Foto: BARMER

Alpha Ärzte? - nicht gut für Bonner Apotheker

(m.g.) Im Rhein-Main-Gebiet ist seit einiger Zeit die Firma Alpha-Ärzte aktiv. Sie bietet dort einen privatärztlichen Haus- und Notdienst an. Eine umstrittene Dienstleistung. Kritiker sehen hier eher ein Geschäftsmodel, das am Rande der Legalität kratzt. Und auch den Apothekern vor Ort dürfte die medizinische Dienstleistung nicht gefallen, da die Ärzte Medikamente laut der Firma meistens bereits im Gepäck haben. BONNDIREKT hat bei der Firma Alpha-Ärzte nachgefragt. Ein Sprecher bestätigte, dass sie in Zukunft auch in Bonn aktiv werden will.

 Weitere Informationen wollte der Sprecher nicht geben und verwies auf die Internetseite des Unternehmens. Demnach kommen die Ärzte auf Wunsch „nach Hause, an den Arbeitsplatz oder ins Hotel“. Ein weiterer Service: „Die Ärzte haben Arzneimittel dabei. Die Versorgung finde meist vor Ort statt. „In der Regel können unsere Ärzte Ihnen so den Weg in die Apotheke oder Notapotheke ersparen. Sollte ein benötigtes Medikament nicht vorhanden sein, stellen wir Ihnen ein Rezept aus“, heißt es weiter. Ein Hausbesuch kostet 180 Euro und ist daher in erster Linie für Privatpatienten interessant. Denn Privatversicherungen erstatteten die Besuche in der Regel, teilt die Firma auf ihrer Internetseite mit.

 Kassenärztlichen Vereinigung sieht das Model kritisch

Eine Versorgungslücke wird hier bestimmt nicht geschlossen. „Im Grundsatz sehen wir das Geschäftsmodel der Alpha Ärzte kritisch“, sagt Christopher Schneider, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein gegenüber BONNDIREKT. „Für die ambulante Akutversorgung nachts, abends und am Wochenende stehen den Bürgerinnen und Bürgern die flächendeckenden Strukturen des ambulanten Notdienstes zur Verfügung – an vielen Orten in Form von zentralen Notdienstpraxen mit einer unmittelbaren Anbindung an ein Krankenhaus. Bettlägerige Patienten können auch außerhalb der Sprechstundenzeiten zudem über die kostenlose Arztrufnummer 116 117 einen ärztlichen Hausbesuch erhalten, sofern dieser medizinisch notwendig ist. Separate und zusätzliche Strukturen, die rein privatärztlich organisiert sind, braucht es nach unserer Auffassung nicht. Zumal ein solches Angebot vermutlich vor allem Patienten anspricht, das sich die privatärztliche Versorgung leisten können – das befeuert die Diskussion über eine vermeintliche „Zwei-Klassen-Medizin“ in Deutschland und entspricht exakt unserer Befürchtung bei der Einführung einer Bürgerversicherung: Solvente Patientinnen und Patienten würden mit Zusatzversicherungen ihre Versorgung optimieren, während das Niveau der „Basis“-Versorgung sinkt.“

 Keine Klarheit bei den Ärzten

Außerdem ist nicht klar, was für Ärzte das sind, die für die Alpha Ärzte tätig sind. Und hier kommen Fragen auf. Denn nach der ärztlichen Berufsordnung müssen Ärzte, die Hausbesuche durchführen, niedergelassen sein. Die Ausübung ärztlicher Tätigkeit im Umherziehen ist somit nicht rechtens und verstößt gegen Paragraf 3 des Heilpraktiker Gesetzes. Auf der Internetseite ist nicht zu erkennen, ob die Ärzte der Firma niedergelassen sind.

 Und auch mit den Medikamenten, welche die Alpha-Ärzte angeblich „in kleiner Stückzahl“ mit sich führen, ist das so eine Sache. Dadurch könnte der Paragraf 43 des Arzneimittelgesetz betroffen sein. Dieser behält die Medikamentenabgabe Apotheken vor. Auch für den Hausbesuch ist nicht vorgesehen, dass der Arzt ganze Packungen apotheken- oder rezeptpflichtiger Medikamente an den Patienten abgibt. So könnte sich das Angebot der Alpha-Ärzte als ein neuer Vertriebsweg für Medikamente der „Apotheke“ ihrer Firma entpuppen. Zum Leidwesen der örtlichen Apotheker.

16.04.2019