Ruck(es) Kolumnen


Neues Parkleitsystem für Bonn?

„Es ist ein zusätzliches Projekt für bessere Luft und ein weiterer Baustein auf dem Weg zur ‚Smartest City‘ in NRW: Bonn bekommt ein neues Parkleitsystem (PLS) im innenstadtnahen Bereich von Bonn und Beuel. Der Rat soll dem jetzt vorgelegten Planungskonzept, das federführend vom Tiefbauamt der Stadt Bonn betrieben wird, in seiner nächsten Sitzung am 14. Mai 2019 zustimmen“.

So klingt der Originalpressetext der Stadt Bonn, der natürlich in der verbliebenen Lokalpresse mehr oder weniger unverändert, unrecherchiert und mäßigem Sachverstand nachzulesen ist. Das fängt schon bei den Begriffen an: 

Bonn kann kein 'neues' Parkleitsystem erhalten, weil es noch nie eines hatte. Bonn hatte und hat bisher lediglich ein optisches Anzeigesystem für aktuelle Belegungen der Parkhäuser, die von der halbstädtischen Bonner City Parkraum betrieben werden. Andere Parkhausbetreiber hatten sich daran nicht beteiligt und ob sich dies zukünftig ändern wird, weiß noch niemand.

Unter Parkleitsystem versteht man eigentlich die Hinführung von Parkplatzsuchenden zu noch freien Plätzen. Dies macht aber nur Sinn, wenn es alternative Fahrtrouten gibt. In Bonn war der nicht unterbrochene Cityring jahrzehntelang Garant für einen kurzen Rundkurs der Autofahrer, die automatisch an den am Cityring liegenden Parkhäusern entlang fuhren und sich das Parkhaus auf diese Weise aussuchen konnten.

Gegenwärtig funktioniert aber auch die einfache Beleganzeige schon länger nicht mehr und so werden die Autos in verschiedene „Wartefallen“ geschickt. Bedeutet: Sie entdecken erst spät eine lange Schlange vor dem Parkhaus(z.B. Münsterplatz), wenn sie keine Möglichkeit mehr zur Umkehr haben. Warum die Anzeigetafeln nicht schnell repariert werden konnten, weiß auch der Oberbürgermeister nicht.

Ein Grund könnte sein, dass er das Problem mit den Parkhäusern noch nicht zur „Chefsache“ gemacht hat. Das macht er sonst gerne, wenn etwas nicht richtig in Politik und Verwaltung funktioniert. Damit hat er bisher zwar noch nicht viel verbessern können, aber es hört sich einfach besser an, als würde das Problem jetzt schneller gelöst.

„Mit dem neuen Parkleitsystem werden wir den Verkehr zielgerichtet zu freien Stellplätzen in Parkhäusern und auf Parkplätzen lenken können. Die Suche nach einem freien Parkplatz wird verkürzt, was wiederum zu weniger Schadstoffemmissionen führt. Die Technik hilft uns zu einer intelligenteren, also smarteren Verkehrsführung.“

Wie bitte? Unser smarter, also intelligenter OB dokumentiert mit einem solchen Satz unfreiwillig seine Ahnungslosigkeit zum Thema. Wieso entsteht denn weniger Schadstoffemmission, wenn die Autos zu anderen – in der Regel - weiter entfernt liegenden Parkhäusern umgeleitet werden?

Was passiert denn jetzt oder demnächst?

Sollte der Rat im Mai den städtischen Anteil am insgesamt rund 3,57 Millionen Euro teuren und vom Bund knapp zur Hälfte geförderten Parkleitsystem  bewilligen, wird irgendwann mal mit der Installation zu rechnen sein. Das macht aber nur Sinn, wenn sich alle Parkhäuser beteiligen und wenn der uneingeschränkte Individualverkehr in die Bonner Innenstadt weiter möglich ist. Genau dies möchten aber nicht wenige Gruppierungen aus der Kommunalpolitik verhindern.

Es wird also so bald mal wieder nichts passieren. Bis dahin gäbe es ja noch andere Verwendungsmöglichkeiten für die Parkhäuser. In der Münsterplatz-Garage könnte die vom Busbahnhof bzw. Kaiserplatz vertriebene Drogenszene ein trockenes Plätzchen finden, die Markt-Garage wäre freitags für die motorisierten Teilnehmer der ‚Friday-for-Future‘-Demonstranten reserviert und auf dem oberen Parkdeck der Stadthaus-Garage entsteht eine Zeltstadt mit Übernachtungsmöglichkeiten für Besucher des Bürgerbüros, die keinen online-Termin bekommen haben.

Es ist wie immer in Bonn: Alles wird besser, nichts wird gut!