Ruck(es) Kolumnen


Politisch korrekt ist häufig unkorrekt

Darf man das sagen oder nicht? Wie, was darf man? Wann? Wo? „Das sagt man nicht! Das ist nicht korrekt“. Was aber ist nicht korrekt und wer ist „man“?

In einer Welt, die zunehmend auf vielen Gebieten - so auch in der Sprache - auseinander driftet, in der banale Kommunikation nur durch leere Handyakkus zu stoppen ist, in einer solchen Welt tummeln sich immer mehr Gutmenschen mit erhobenem Zeigefinger, gedanklicher Bevormundung und schreiben uns gerne vor, was wir wie zu formulieren haben.

Die Sprach- und Denkgängelei bezieht sich dabei häufig auf Begriffe aus früheren Zeiten, die zwar nicht rassistisch gemeint waren, aber heutzutage in diese Ecke gestellt werden. Ein ‚Mohrenkopf‘ gilt inzwischen als übles Schimpfwort und die ursprünglich gleichnamigen, mit Schokolade überzogenen klebrig-süßen Schaumwaffeln werden jetzt ‚Schaumküsse‘ oder (noch schlimmer) ‚Schoko-Strolche‘ genannt.

„Lumumba“ wurde vor Jahren ein übler Cocktail aus Kakao mit Rum und Schlagsahne genannt, der kaum noch in einer Bar, inzwischen aber auf Jahr- und Weihnachtsmärkten als schnelle ‚Druckbetankung‘ angeboten wird. Lumumba hieß auch der erste Ministerpräsident im zentral-afrikanischen Kongo, der 1961 mit Wissen des belgischen Königs und westlicher Geheimdienste ermordet wurde. Sind deshalb Weihnachtsmarktbesucher mit dem Lumumba-Glas in der Hand alle Rassisten? Das braune Gesöff wird übrigens in Nordfriesland 'Tote Tante' genannt. Was sagt denn da die stets verbal-militante Gender-Bewegung? Warum fordert sie keine Umbenennung in 'Toter Onkel'?

Wie lautet eigentlich der korrekte Begriff für Menschen mit nicht-weißer Hautfarbe? ‚Farbig‘ doch wohl nicht, das können auch Leute mit Bluthochdruck sein. Und wieso fühlen wie uns nicht von dem alten Lügner und Geschichtenerzähler Karl May beleidigt, in dessen Indianerromanen immer ‚Bleichgesichter‘ herum liefen? Der US-Schauspieler Eddy Murphy nennt in einigen Filmen seinen nicht-schwarzen Cop-Kollegen ‚Weißbrot‘. Na und? Wer es nicht witzig findet, lacht eben nicht. Aber was hat das mit Rassismus zu tun?

Schnitzel mit Zigeunersoße gibt’s auch nicht mehr. Das ist zwar kein kulinarischer Verlust, aber kein Gerüstbauer wird zukünftig in der Mittagspause an der Frittenbude deshalb ein ‚Sinti- und Roma-Schnitzel‘ bestellen.

Warum gehen mehr Migranten zu Dieter Bohlens Gesangs-Mülloper ‚DSDS‘ als auf deutsche Schauspielschulen? Dürfen nur türkische Comedians Türkenwitze erzählen? Ist es rassistisch, wenn sich weiße Othello-Darsteller schwarz schminken?

Alles verklemmter und humorloser Quatsch, behaupten Freigeister. Sprachverbote und Zensur vergiften die geistige Atmosphäre, lähmen Diskussionen und Unterhaltsamkeiten. Statt zu Offenheit und Toleranz führen angebliche politische Korrektheit und Sprachüberwachung zu Verbissenheit und Duckmäusertum.

Fazit: Wir brauchen keine selbstgerechten Sprachpolizisten,  die uns eine klinisch saubere und angeblich vorurteilsfreie Umgangssprache diktieren wollen. Der Zeitgeist, der immer weniger Geist in die Zeit bringt, beschert uns dafür aber immer mehr Figuren und Gruppierungen, die auch in diesem Thema hirnfrei aktiv werden. Da drehe ich den Spieß mal um und sage denen ebenfalls selbstgerecht:

„Setzen, Maul halten“!