Ruck(es) Kolumnen


Bon(n)bons

Auf meiner ständigen und verzweifelten Suche nach positiven Meldungen aus Bonn bin ich immerhin in Bad Godesberg fündig geworden. Dort läuft nächste Woche das wieder aufgelebte Programm ‚Musik im Park‘ an. Und wer hat’s möglich gemacht? Die Verwaltung? Natürlich nicht, es war eine private Initiative, ein Verein mit dem Namen ‚Bürger.Bad.Godesberg‘ e.V.

Über viele Jahre waren die kostenfreien Musikkonzerte eine Institution im Stadtpark von Bad Godesberg. Dort traten u.a. ‚Brings‘ und ‚BAP‘ auf.

Irgendwann wurden die städtischen Fördergelder eingestellt. 2012 fand ein Wiederbelebungsversuch in Sachen ‚Musik im Park‘ statt, der aber keinen Erfolg brachte. Die jetzt gestartete neue Reihe in 2019 wird von Telekom und Volksbank KölnBonn e.G. unterstützt.

Eine ‚halbe‘ positive Meldung aus Bonn gibt’s auch: Das Euro Theater Central hat eine neue Spielstätte! Künftig wird es Aufführungen in der Budapester Straße 19 gegenüber dem Stadthaus geben. Den Verkauf des entsprechenden Gebäudes beschloss der Stadtrat in seiner Sitzung am 14. Mai. So wird es auch weiterhin an zentraler Stelle in Bonn ein mehrsprachiges Theater geben, was für die hoch subventionierte offizielle und etablierte Bonner Kulturlandschaft eine wünschenswerte Ergänzung darstellt. Die Eröffnung der neuen Spielstätte ist für Anfang 2020 angestrebt, das notwendige Kapital soll jetzt eine Crowdfunding-Aktion bringen.

Sollte es allerdings gelingen, dem Central Theater auch wieder einen jährlichen städtischen Zuschuss zu vermitteln, der den ungefähren täglichen Zinssatz der von der Stadt vergurkten Beethovenhallen-Renovierung nicht einmal übersteigen würde, könnte die Bonner Mangel-Verwaltung ja mal wieder etwas Positives verkünden. Damit ist im Moment allerdings kaum zu rechnen.

Und sonst?

Stattdessen werden weitere städtische Gelder mal wieder ohne Sachverstand in ein so genanntes Parkleitsystem gepumpt, welches diesem Namen nicht gerecht wird und das in der Realität lediglich die Aufstockung eines neuen Schilderwaldes darstellt. Das geht dann so: Da gibt es mal wieder irgendeinen Bundes-Fördertopf mit Millionen drin und die Stadt legt schnell noch einen Millionenbetrag hinzu. Es ist ja genug Geld da, zumindest für ‚Etikettenpolitik‘ ohne Sinn und Verstand, mit der sich dann der ständig freundlich grinsende und Kunstrasenplätze eröffnende Oberbürgermeister schmücken kann.

O-Ton Sridharan: „Das Projekt ist ein weiterer Baustein auf dem Weg Bonns zu besserer Luft und zur „Smartest City“ in NRW. Mit dem neuen Parkleitsystem wird es uns möglich sein, den Verkehr intelligenter und smarter zu führen. Autofahrer werden zielgerichtet zu freien Stellplätzen in Parkhäusern und auf Parkplätzen gelotst. Diese Informationen werden auch bei Open Data bereitgestellt. Damit verkürzt sich die Parkplatzsuche, und dadurch werden Schadstoffemissionen verringert".

Ich weiß nicht, wer dem Bonner Oberbürgermeister diesen unsinnigen Text aufgeschrieben hat, aber: Unsinn bleibt Unsinn, egal wem er eingefallen ist, aber es ist nicht egal, wer ihn verkündet. Kaum ein Autofahrer fährt Umwege, um zu einem entfernter liegenden Parkhaus zu gelangen, um dann zu Fuß oder zwei bis drei ÖPNV-Haltestellen lang zu seinem gewünschten Punkt zu gelangen. Lieber stellen sich Autofahrer zwanzig Minuten in eine Warteschlange, die ins besetzte Parkhaus führt. Das kann man schlecht finden, ist aber so. Und wieso der Umwegverkehr ins noch freie und weiter entfernte Parkhaus weniger CO2-Ausstoss verursacht, bleibt der Logik des OB überlassen.

Sollte sich Ashok Sridharan sein Statement zum Parkleitsystem aber selber ausgedacht haben, zeigt er auch ein weiteres Mal, dass er einen Job betreibt, von dem er in vielen Teilbereichen nur begrenzt Ahnung hat oder einfach schlecht beraten wird.