Bonn Rhein-Sieg


Der Bahndamm an der Kaiserstraße. Foto: BONNDIREKT

Bahn verspritzt Glyphosat – Bonner Anwohner in Angst

(m.g.) Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat ist schon seit einiger Zeit umstritten. Gegner sagen, das Unkrautvernichtungsmittel könnte krebserregend sein, weshalb es nicht mehr benutzt werden sollte. In Deutschland ist die Deutsche Bahn der größte Einzelverbraucher von Glyphosat. Sie nutzt es, um das Schotterbett der Gleise von Unkraut und Pflanzen zu befreien, die den Schienenverkehr gefährden oder behindern könnten. Das betrifft natürlich auch Bonn, und eine Bonnerin begehrt nun dagegen auf. 

In einem Bereich von knapp sieben Metern rings um die Bahntrasse verspritzt die Deutsche Bahn das Pflanzenschutzmittel. Dafür setzt sie einmal im Jahr spezielle Spritzzüge ein, bundesweit. Eine Anwohnerin in der Bonner Südstadt, die namentlich nicht genannt werden will, hat eines Nachts diesen Spritzzug auf dem Bahndamm in direkter Nachbarschaft zu ihrem Heim gesehen. „Das sah wirklich gespenstisch aus“, so die Anwohnerin. 

Sie wollte mehr wissen und hat bei der Deutschen Bahn nachgefragt. Diese habe ihr bestätigt, dass auf dem Bahnabschnitt Glyphosat verspritzt wird. Und auch das Pestizid Flazasulfuron werde verwendet. „Und nach meinen Informationen ist das auch nicht ungefährlich.“ 

Jetzt macht sie sich Sorgen. „Die Bahn fährt praktisch durch unseren Garten und meine Kinder spielen dort. Letztens haben wir gegrillt und mit Hölzern aus der Nähe des Bahnstrecke Marshmallows gegrillt. Da wussten wir noch nichts von den Pflanzenschutzmitteln. Jetzt haben wir Angst um die Gesundheit unserer Kinder. Und auch kein Mensch in der Nachbarschaft wusste davon.“ 

Sie sei enttäuscht von der Stadt. „Die hätte uns doch über den Spritzzug informieren können. Wann er kommt und wie lange man sich nach dem Spritzen von der Bahnstrecke fernhalten soll“, so die Anwohnerin. Außerdem sei sie verwundert, dass die Untere Wasserbehörde noch nicht einmal einen Antrag gestellt hat, dass die Bahn in den bewohnten Gebieten in Bonn auf das Verspritzen der Unkrautvernichtungsmittel verzichtet. 

Im Jahr 2017 wurde nach Angaben der Deutschen Bahn bundesweit eine Wirkstoffmenge von 67 Tonnen eingesetzt - dies entspricht 1,2 Kilogramm pro Kilometer Gleis. Allein in NRW verlaufen 4.698 Kilometer Schienengleise, so dass in dem Bundesland 5.637,6 Kilogramm Glyphosat in einem Jahr verspritzt wurde. Und das alles völlig legal. 

Denn Glyphosat ist auf EU-Ebene noch bis Ende 2022 genehmigt. Der damalige Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hatte 2017 für eine erneute Genehmigung des Wirkstoffes gestimmt. Und das gegen die Abmachung der damaligen Bundesregierung. Solange der Wirkstoff Glyphosat in der EU genehmigt ist, ist es der Bundesregierung nicht möglich, seinen Einsatz komplett zu verhindern. BONNDIREKT wird sich mit dem Thema weiter beschäftigen.

29.05.2019