Ruck(es) Kolumnen


Das Leitsystem als Leidsystem

Am Pfingstwochenende habe ich den Bonner General-Anzeiger gelesen und mich nach langer Zeit noch mal über einen Beitrag positiv amüsiert. Verfasser war Lokalchef Andreas Baumann, gemeinhin nicht als witziger Unterhaltungskünstler bekannt, aber sein Beitrag zum Zustand der Anzeigetafeln verfügbarer freier Innenstadt-Parkplätze war recht nett. Er hatte auch brav ‚Glosse‘ drüber geschrieben, weil man es sonst eventuell missverstanden hätte. Inhaltlich stimmte die Glosse zwar nicht ganz, deshalb sei hier einmal der wahre Hintergrund erzählt.

Ende der neunziger Jahre funktionierten die (alten) Anzeigetafeln überhaupt nicht mehr. Damals gehörte die Anlagentechnik dem Tiefbauamt der Stadt Bonn und die (halbstädtische) Betreibergesellschaft Bonner City Parkraum GmbH (BCP) zahlte dafür Geld an die Stadt Bonn. Weil die Tafeln aber über einen längeren Zeitraum einfach nicht repariert wurden, drohte der BCP-Geschäftsführer dem Leiter des Tiefbauamtes mit der Kündigung des Vertrags und der Ankündigung, neue Tafel auf Kosten der BCP zu installieren und auch selbst zu betreiben. Der Tiefbauamtsleiter war erzürnt, sah sich in seiner Verwaltungskompetenz eingeschränkt und kündigte Maßnahmen gegen den BCP-Geschäftsführer an. Dieser machte seine Drohungen in Absprache mit dem BCP-Aufsichtsratsvorsitzenden aber wahr und in kürzester Zeit standen die neuen Tafeln in der City. Sie funktionierten in Echtzeit, wurden von einem fähigen Mitarbeiter der BCP betrieben und alle waren letztlich zufrieden.

Woher ich das alles weiß, was Herr Baumann in seiner Glosse natürlich nicht wissen konnte? Ich sag es mal: Bei dem damaligen Leiter des Tiefbauamtes handelte es sich um Horst Schmitz, bei dem BCP-Aufsichtsratsvorsitzenden um Rüdiger van Dorp und der damalige BCP-Geschäftsführer hieß Erwin Ruckes.

Heute weiß offensichtlich niemand mehr so ganz genau, wem was gehört, wer für was zuständig ist und wie man so etwas zügig repariert. Wieso es nicht gelingt, ein solch simples Zahlenwerk in Echtzeit darzustellen, ist einfach unbegreiflich. Muss das jetzt unser formidabler Oberbürgermeister auch noch zur Chefsache machen?

Die Politik blickt ohnehin nicht durch, gibt aber gerne Millionen für ein neues Parkleitsystem aus, das den Namen nicht verdient. Die Autofahrer tragen unfreiwillig durch unnötige Staubildungen aufgrund falscher Zahlen zum Innenstadt-Verkehrsfrust bei und die Umweltkrieger sehen sich mal wieder bestätigt, dass das Auto in der City nichts zu suchen hat.

Was ist das jetzt in der Bonner City? Ein Irrenhaus? Ja, es ist ein Irrenhaus, weil genügend Irre mit Teilkompetenz glauben, mitreden zu können und zu müssen.

Übrigens, lieber Herr Baumann vom General-Anzeiger: Wenn Sie mal wieder – angeregt durch einen vorherigen BONNDIREKT-Artikel - was Lustiges schreiben, aber nicht ganz durchblicken oder auch nur ein unterhaltsames Thema suchen, dann melden Sie sich einfach bei mir. Ich mag den General-Anzeiger und wir brauchen in Bonn diese Tageszeitung. Nicht nur die alten Ausgaben als Unterlage zum Kartoffelschälen, sondern auch die frisch-frech-fröhlichen neuen Ausgaben.