Ruck(es) Kolumnen


Hübsch hässlich?

Sie werden immer mehr und die Meinungen darüber sind kontrovers: Es geht um Steingärten in vielen Orten des Rhein-Sieg-Kreises. Inzwischen beschäftigen sich auch die kommunale Politik und nicht nur Naturschützer mit dem Thema.

Über persönlichen Geschmack lässt sich natürlich nicht streiten und so kann man die zugeschotterten ‚Gärten‘ vor Eigenheimen in der Region hübsch oder hässlich finden. Für die Besitzer sind sie in erster Linie pflegeleicht, für andere sind sie ‚Gärten des Grauens‘. Dabei haben sie den Namen ‚Garten‘ eigentlich nicht verdient. Sie erinnern mitunter an Kriegsgräber-Gedenkstätten oder an versteinerte Verkehrskreisel.

Spaziert man z.B. durch ein bestimmtes Neubaugebiet in Wachtberg, entsteht der Eindruck einer Wanderung  durch entsprechende Ausstellungsflächen in Baumärkten. Auffallend ist, dass es häufig Neubausiedlungen sind, die zu wahren Steinwüsten verkommen. In den hässlichen Bahndammschotter vor dem Haus lässt sich dann zur Weihnachtszeit auch noch ein höchst geschmackvolles, bunt beleuchtetes Reh stellen, das ebenfalls aus dem Baumarkt stammt.

So weit, so schlecht: In unserer liberalen Gesellschaft hat eben jeder auch das Recht, sich mit seiner zur Schau getragenen Geschmacklosigkeit zu blamieren.

Schaden für die ohnehin gebeutelte Umwelt

Viel schwerwiegender stellen sich aber andere Einwände gegen die Steinwüsten dar: Es sind Umweltgründe. Die häufig über Tausende von Kilometern aus China oder Indien preisgünstig heran gekarrten Steine (Basalt, Marmor, Gletscherkies, Granit oder Quarz) lassen keinerlei Platz mehr für Vielfalt. Dabei haben Vorgärten und kleine Grünflächen eine besondere Bedeutung für Artenvielfalt und Klima, stellen Raum für Pflanzen, Insekten und Vögel dar. Die Pflanzen wiederum filtern Feinstaub aus der Luft, produzieren Sauerstoff und sorgen zusammen mit dem Boden für Abkühlung. Steinflächen hingegen heizen sich im Sommer stark auf, speichern die Wärme und geben sie wieder an ihre Umgebung ab.

Politik ist aufmerksam geworden

Kein Wunder, dass sich inzwischen auch kommunale und regionale Politik mit den ‚Gärten des Grauens‘ beschäftigt. Dies sogar über Parteigrenzen hinweg. Ansatz zur Verhinderung weiterer Steingärten ist u.a. das Baurecht.

In Hennef, Lohmar, Meckenheim, Rheinbach ist die aktuelle Diskussion auf gutem Weg und auch Wachtberg kommt bei diesem Thema allmählich in die Gänge. In Nordrhein-Westfalen haben bereits drei Städte ein Schotter-Vorgarten-Verbot ausgesprochen.

Wichtiger und sinnvoller wäre allerdings die Einsicht der Hausbesitzer, auf einen ‚Steinbruch‘ vor der eigenen Haustüre zu verzichten. Da ist allerdings auch zukünftig ohne öffentlichen Eingriff eher von Eigensinn und Bequemlichkeit auszugehen. Argumenten wie „Der Garten ist eine private Angelegenheit der Besitzer“ könnte man entgegnen, dass Eigentum auch verpflichtet, u.a. gegenüber dem Gemeinwohl.

Gibt es Alternativen? Natürlich! Wie wäre es denn mit folgendem ‚Kompromiss‘:

Der Vorgarten wird mit einer über zwei Meter hohen Plexiglaswand vollkommen dicht gemacht. Das Plexiglas ist mit einer einladenden bunten Fototapete eines blühenden Kleingartens beklebt. Hinter der Tapete lässt der Besitzer seinen Vorgarten zur Freude von Insekten, Vögeln etc. vollkommen verwildern. Er muss also nichts pflegen, hat keine Arbeit und darum ging es ihm ja.

Sie finden diese Idee bescheuert? Ist sie auch, aber vielleicht fällt Ihnen ja noch etwas Anderes zum Thema ein.