Bonn Rhein-Sieg


Foto: Stadtwerke Bonn

Preisentwicklung Jobticket Quelle: BONNDIREKT

ÖPNV – Bonn gehört zu den teuersten Städten Deutschlands

(m.g.) Fahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr sind in Nordrhein-Westfalen bis zu 78 Prozent teurer als in anderen Bundesländern, wie der ADAC heute mitteilte. Bonn mischt ganz oben mit und belegt gleich in mehreren Preiskategorien traurige Spitzenplätze. Das ist das Ergebnis des ADAC Preisvergleichs zum ÖPNV in 21 deutschen Städten mit mehr als 300.000 Einwohnern. Bei vier der sieben relevantesten Ticketarten im jeweiligen Stadtgebiet sind NRW-Metropolen trauriger Spitzenreiter. „Eine derartige Preisgestaltung macht alle Anstrengungen für eine Verkehrswende in den Städten zunichte. So wird der Umstieg vom Auto auf den ÖPNV ganz sicher nicht attraktiver“, kritisiert Dr. Roman Suthold, Mobilitätsexperte des ADAC in NRW.   

Eine Tageskarte für Erwachsene kostet in Bonn (Verkehrsverbund Rhein-Sieg) 8,80 Euro und damit rund 70 Prozent mehr als beim günstigsten Anbieter in Stuttgart (5,20 Euro). Das Kurzstrecken-Ticket ist in der Bundesstadt mit zwei Euro rund 43 Prozent teurer als in der Schwabenmetropole (1,40 Euro). Damit ist Bonn in diesen beiden Preisklassen die teuerste Stadt Deutschlands. Eklatante Preisdifferenzen gibt es auch bei der Monatskarte für Erwachsene, so der ADAC. In Bonn kostet sie 98,50 Euro und damit 43,30 Euro (78 Prozent) mehr als München (55,20 Euro). Nur Hamburg ist mit109,20 Euro noch teurer. Hier ist Bonn also die zweitteuerste Stadt in ganz Deutschland. 

Ursachen für die hohen Preisunterschiede in den Städten können zum Beispiel unterschiedliche Verkehrsangebote und Zielsetzungen städtischer Politik, der angestrebte Deckungsgrad bei den Kosten, die Beseitigung von Kapazitätsengpässen und damit verbundene Investitionen, qualitative Aspekte oder eine teilweise marode Verkehrsinfrastruktur sein. „Der Kunde sieht aber erst einmal nur den Preis, den er zu zahlen hat. Da kann es sich lohnen, nach speziellen Ticket-Varianten und Sonderregelungen zu suchen oder über die jeweiligen Webseiten und Apps digital zu zahlen“, erklärt Suthold. 

Für Jannis Ch. Vassiliou, Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes Bonn Rhein-Sieg Euskirchen, ist die Preisstudie eine Enttäuschung. „Der Verkehr in Bonn muss weniger werden und das geht nur über attraktivere Preise im öffentlichen Nahverkehr. Hier stellts sich klar die Frage, was läuft hier falsch.“ Dass der Verkehr in Bonn in nächster Zeit weniger wird, ist kaum zu erwarten. Zum größten Teil wird er durch Pendler verursacht. Und für die bleibt das Auto die attraktivste Wahl. Dann die Preise für die Jobtickets – die Alternative zum eigenen PKW - im Bonn Raum sind seit 2002 um 145, 1 Prozent gestiegen. 

Als Grund, warum sie keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen würden, nannten in einer ADAC Umfrage (2017) fast zwei Drittel der Teilnehmer zu hohe Ticketpreise und das Fehlen passender Angebote. Laut Statistischem Bundesamt sind die Preise für den öffentlichen Personennahverkehr zwischen 2000 und 2018 um 79 Prozent gestiegen. 

Derzeit bietet der Verkehrsverbund Rhein-Sieg ein eTarif an. Hier zahlt der Fahrgast einen Grundpreis von 1,50 Euro blus 15 Cent pro zurückgelegten Kilometer (Luftlinie). Hierbei handelt es sich jedoch nur um einen Testlauf. Außerdem bietet der Verkehrsbund im Moment in Bonn ein 365 Euro Ticket an, das für die Zeit eines Jahrs gültig ist. Hier ist die Zahl der angebotenen Ticktes jedoch begrenzt und das Angebot wird über Subventionen finanziert. Außerdem gilt es nur für das Stadtgebiet, so dass Pendler nicht davon profitieren können.

19.06.2019