Bonn Rhein-Sieg


Bild: www.aire.live

Der Turmbau zu Bonn – Fraktionen nicht abgeneigt

(m.g.) In der Bonner Rheinaue soll ein futuristischer, 161 Meter hoher Turm errichtet werden, wenn es nach dem Bonner Unternehmer Horst Burbulla geht. Dieser soll eine Veranstaltungsraum auf einer Höhe von 161 Metern beherbergen, mit einem Konzertsaal, einer Bar und einem Restaurant. „Aire“ hat Burbulla sein extravagantes Projekt getauft. Ob es jemals realisiert wird, steht noch in den Sternen. 

Am 27. Juni startet der Unternehmer und Oscar Preisträger ein Bürgerbegehren mit einer Auftaktveranstaltung auf dem Münsterplatz, um sein Projekt der Bonner Öffentlichkeit vorzustellen. In einem Pagoden-Zelt ist dann ein originalgetreues 1:100 Modell des Bauvorhabens zu begutachten.  „Das ist der Auftakt von ‚Aire‘. Wir geben uns zwölf Monate Zeit, die Idee vorzustellen. In allen Bonner Stadtteilen werden wir das Pagoden-Zelt mit dem Architekturmodell aufstellen und mit dem 3D Erlebnis um Zustimmung werben“, erklärt Burbulla. 

Dem Bonner NABU bereitet „Aire“ bereits jetzt Bachschmerzen. „Die Rheinaue wird immer weiter angeknabbert und für Tiere und Natur bleibt in Bonn immer weniger Raum“, sagt Peter Meyer, 2. Vorsitzender von NABU Bonn. „Wir haben keinen Einfluss auf die Entscheidung, ob der Turm gebaut wird oder nicht. Daher können wir nur an die Verantwortlichen appellieren, beim Bau auf den Naturschutz zu achten.“ 

Die Vögel, Insekten und Säugetiere in der Rheinaue müssten geschützt werden. „Daher wäre es gut, wenn die Erbauer des Turms bereits im Vorfeld darüber nachdenken und eine Verglasung und Beleuchtung für den Turm wählen, der die Tiere am wenigsten irritiert und damit gefährdet“, so Meyer.  

BONNDIREKT hat auch bei den Fraktionen in Bonn nachgefragt. Horst Gehrmann, Fraktionsgeschäftsführer der CDU-Fraktion, sagt zu dem Bauvorhaben: „Herr Burbulla hatte seine Ideen zum „Projekt Aire“ bereits vor gut einem Jahr an die CDU-Fraktion herangetragen. Hierbei handelt es sich zweifelsfrei um ein spannendes Projekt und es ist sehr zu begrüßen, dass sich Bürgerinnen und Bürger in ihrer Stadt auch einbringen wollen. Wie aber immer bei spannenden Projekten, gibt es viele Fragen zu klären und Standpunkte zu diskutieren.  Deshalb sind sicherlich finanzielle Rahmenbedingungen, wie z.B. Finanzierung- und Businessplan, ebenso zu berücksichtigen wie Baurecht, Natur- und Denkmalschutz aber auch Urheberrechte, um nur einige Dinge einmal zu nennen. Die CDU-Fraktion wird mit großem Interesse den weiteren Fortgang im Blick behalten.“ 

FDP-Fraktionsvorsitzender Werner Hümmrich: „Es handelt sich bei dem 162-Meter-Turm in der Rheinaue sicherlich um ein interessantes Projekt. Die FDP-Ratsfraktion hat sich aber bisher noch keine Meinung dazu gebildet. Die Meinungsbildung der FDP-Fraktion wird im Zusammenhang mit der Rahmenplanung Bundesviertel erfolgen.“ 

Angelika Esch, Vorsitzende der SPD-Fraktion: „Die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Bonn findet das Projekt grundsätzlich interessant. Dazu muss ein passendes Grundstück am Rande der Rheinaue gefunden werden, wo sich das Bauwerk gut in die Rahmenplanung Bundesviertel einfügt. Dann können wir uns eine Umsetzung gut vorstellen.“ 

Heribert Adelt, Geschäftsführer der AfB meint dazu: „Herrn Burbullas Idee ist im wahrsten Sinne des Worts fantastisch, aber leider nicht mit unseren Bauvorschriften kompatibel und damit für Bonn nicht realistisch.“ 

Die Stadt Bonn wird sich mit dem Thema und dem Bürgerbegehren in eine Ratssitzung am 4 Juli beschäftigen. In der aktuellen Vorlage zu der Sitzung gibt es bereits eine Kostenschätzung zu dem Projekt: „Im Fall eines erfolgreichen Bürgerbegehrens bzw. nachfolgenden Bürgerentscheids und Realisierung des Veranstaltungsturms würden für die Bundesstadt Bonn Kosten in Höhe von geschätzt rd. 12.172.000,00 € entstehen“, heißt es in der Vorlage.

21.06.2019