Ruck(es) Kolumnen


Kostbare Freizeit

Na, was haben Sie denn von Fronleichnam bis heute, also am verlängerten Wochenende, inklusive Brückentag, so gemacht oder was machen Sie noch am verbleibenden Sonntag?

Haben Sie auf dem Feuerwehrfest in Bumsdorf ihre Getränkebons herunter gespült und das ‚C-Rohr‘ probeweise bedient? Waren Sie auf dem Krönungsschützenfest in Klein-Bollendorf und haben dort ihre Bewunderung für die in goldene Alu-Folie gewandete Schützenkönigin zum Ausdruck gebracht? Oder waren Sie auf dem Straßenfest in Knalldorf mit abschließender traditioneller Schlägerei des Junggesellenvereins? Sie werden sich doch wohl nicht dieses sonnige Wochenende durch die Teilnahme an einem regionalen Sonderparteitag versaut haben?

Es kann natürlich auch sein, dass Sie ein open-air-Konzert in einem verlassenen Steinbruch besucht haben, bei dem eine glatzköpfige, voll-tätowierte Punkband ihre Musikinstrumente schändete. Waren Sie etwa im Millowitsch-Revival-Theater auf einem Bio-Bauernhof im Dummweiler Wald oder gar in einem fett subventionierten Tanztheater einer rheinischen Großstadt? Auf jeden Fall: Sie hatten die Auswahl und die ist in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis riesig.         

Das freut eigentlich alle und wie viele Veranstaltungen an einem Wochenende wie dem Letzten angeboten werden, weiß auch niemand mehr so genau. Es werden wohl ein paar Hundert sein.

Zu der inflationären Schwemme von Unterhaltung aller Art kommen ja auch noch die gastronomischen Biergarten- und Straußwirtschaften-Angebote, dazu  die privaten Geburtstags- und Familieneinladungen und nicht zuletzt werden auf Balkonen und Terrassen in Stadt und Land Schweinswürste, im Supermarkt vormarinierte fleischige Fettlappen und für die unvermeidlichen Veganer zermatschtes Gemüse auf dem Grill gefoltert, dass es nur so qualmt.

Das Alles macht  Sinn, jedenfalls für diejenigen, die so etwas mögen. Das reichhaltige Angebot öffentlicher und privater Unterhaltsamkeit weckt aber gelegentlich auch konträre Bedürfnisse.

Und so sitze ich nach getaner knechtiger Gartenarbeit bei angenehmer Sommerabend-Temperatur alleine auf meiner Terrasse, schaue versonnen in das Glas mit gekühltem Riesling und auf den „Riesling-Nachwuchs“ der vor mir wachsenden Weinreben, lausche Chet Bakers trauriger Trompete, schreibe den BONNDIREKT-Newsletter und denke: „Das Leben könnte schlimmer sein“!

Schönes Rest-Wochenende wünsche ich und aufpassen: Nächste Woche wird es heiß, da müssen Sie sich wenigstens mal nicht warm anziehen wegen irgendwelcher Katastrophen-Meldungen in der Tagesschau. Räumen Sie lieber ihren kühlen Keller auf, das mache ich auch, wenn es an die “Vierzig“(Grad) geht.

Bon(n)e chance!