Bonn Rhein-Sieg


Foto: Axel Bergfeld

Bad Godesberg: Axel Bergfeld zur Ansiedlung der Hochschule

(m.g.) Vor kurzem berichtete BONNDIREKT über eine mögliche Ansiedlung einer Zweigstelle der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg für Cyber-Sicherheit in der kurfürstlichen Zeile in Bad Godesberg. Zu dem Thema hat sich auch die „Kurfürstenbad-Initiative“ zu Wort gemeldet. Ein Gespräch mit Axel Bergfeld, dem Sprecher der Initiative.      

Sehr geehrter Herr Bergfeld, Ihre Bürgerinitiative „Kurfürstenbad bleibt!“ hat sich Gedanken über eine Ansiedlung einer Zweigstelle der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg für Cyber-Sicherheit in Bad Godesberg gemacht. Wie sehen die aus? 

Ich persönlich wie auch die Bürgerinitiative „Kurfürstenbad bleibt!“ befürworten grundsätzlich eine mögliche Ansiedlung universitärer Nutzungen im Stadtbezirk Bad Godesberg. Das beinhaltet selbstverständlich auch Grundstücke und Gebäude im Bereich der kurfürstlichen Zeile. Gleichzeitig sind wir der Meinung, dass eine angedachte Hochschulansiedlung nicht zu Lasten der bestehenden öffentlichen Einrichtungen für die Bürgerinnen und Bürger Bad Godesbergs gehen darf. Denn Rathaus, Musikschule oder Kurfürstenbad sind neben Stadtpark, Quellen, Stadthalle und Trinkpavillon Kern der über Jahrhunderte gewachsenen Identität Bad Godesbergs – und als solche nicht verhandelbar, wenn die Bürgerinnen und Bürger des Stadtbezirks an erster Stelle bei den Überlegungen zur Zukunft der kurfürstlichen Zeile stehen.  Eine mögliche Hochschulansiedlung ist nämlich kein Allheilmittel. Und schon gar keine akut wirkende Sofortmedizin für die bestehenden strukturellen und sozialen Probleme des Stadtbezirks.

Grundsätzlich begrüßt die „Kurfürstenbad-Initiative“ also die Idee einer Ansiedlung universitärer Nutzungen im Stadtbezirk Bad Godesberg. Welche Standortalternativen sehen Sie für die Hochschule in Bad Godesberg? 

Die aktuelle Hochschuldiskussion gleicht der stadtpolitischen Debatte um das Bonner Zentralbad: Oberbürgermeister und Mehrheitsfraktionen im Bonner Stadtrat  bauen beim Thema „Hochschule“ erneut mit vereinten Kräften an einem Luftschloss, für dass es zum derzeitigen Zeitpunkt außer Wunschdenken und Absichtsbekundungen interessierter Kreise weder konkrete Pläne noch belastbare Zahlen, weder Konzept- noch Vertragsentwürfe gibt. Angesichts dieser substanzlosen Phantasiedebatte macht es wenig Sinn, über Standortalternativen wie beispielsweise das weitgehend leerstehende, in unmittelbarer Nachbarschaft zur kurfürstlichen Zeile liegende Landesvermessungsamt zu reden. Sinn würde es dagegen machen, in einem ergebnisoffenen Diskussionsprozess miteinander über integrative Nutzungsperspektiven für die kurfürstliche Zeile zu sprechen, die gleichzeitig gewachsene öffentlichen Strukturen stärken und neue Nutzungen ermöglichen. Also statt eines „Entweder-Oder“ auf einen Konsens im Sinne eines „Sowohl-Als auch“ zu setzen.

Sie haben sich bereits mit der Initiative „Viva Viktoria“ gegen einen Umbau des Viktoriakarrees und mit der Initiative „Recht auf Schwimmen“ gegen ein Zentralbad engagiert. Was läuft sich Ihrer Sicht falsch bei der Stadtplanung in Bonn?

Bonner Politik und Verwaltung setzen nach wie vor auf Groß- und Prestigeprojekte, auf Abriss und Neubau. Sie folgen damit einer Entwicklungslogik des vergangenen Jahrhunderts. Der schlichte Erhalt und die einfache Sanierung bestehender öffentlicher Einrichtungen, der pflegliche und vorausschauende Umgang mit städtischem Eigentum oder kreative, kostengünstige Lösungen unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger: Fehlanzeige! Stattdessen wird jedes größere städtische Bau- oder Entwicklungsprojekt isoliert und für sich diskutiert - und so am Ende zerredet. Weil Stadtentwicklung in Bonn nicht „aus einem Guss“, ohne Mut und ohne klare Orientierung an den Bedürfnissen und der Lebensqualität ihrer Bürgerinnen und Bürger erfolgt.

26.06.2019