Ruck(es) Kolumnen


Wachtberg ist nicht Bonn

Der Kurfürst von Bad Godesberg

In dieser Woche führte BONNDIREKT ein Gespräch mit Axel Bergfeld, dem quirligen Rüttler an der Bonner Kommunalpolitik. Wo der Mann auftaucht, wird es lebhaft, zumindest bei den dann meist kontroversen Diskussionen.

In Bonn lasten viele ihm Verwahrlosung und Veränderungsstillstand des Viktoriakarré an, in Bad Godesberg formulierte er ein „Recht auf Schwimmen“ am Beispiel des maroden Kurfürstenbads und jetzt springt er mit der Initiative „Kurfürstenbad bleibt“  erneut auf den Diskussionstisch zum Thema Ansiedlung einer Zweigstelle der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg an der sogenannten Kurfürstenzeile.

Seine Ansichten dazu sind im anhängenden BONNDIREKT-Interview vom 26.06.2019 mit Axel Bergfeld zu lesen.

Was treibt eigentlich Bergfeld an? Ist er ein fanatischer Einzelkämpfer, ein kompromissloser Sturkopf, ein Meinungsterrorist, der inzwischen Teile von Kommunalpolitik und Verwaltung zur Weißglut bringt?

Im direkten Gespräch wirkt er durchaus sympathisch und vertritt seine Überzeugung in relativ sanfter Diktion. Sätze wie im Interview („Ich persönlich wie auch die Bürgerinitiative „Kurfürstenbad bleibt! .....“) suggerieren, dass er eigentlich nur für sich spricht. Das macht er aber keineswegs. Er ist schon der „kommunalpolitische Influencer“ in Bad Godesberg und legt sich gerne auch mit scharfen Mitteln bei denjenigen an, die nicht seiner Meinung sind. Jüngst war dies Jürgen Bruder, Chef des Godesberger Stadtmarketings.

Bergfeld ist sicherlich ein gescheiter Kopf und hat in nicht wenigen Äußerungen zur Gesamt-Bonner Kommunalpolitik auch Recht, besonders wenn er dem Oberbürgermeister und den Mehrheitsfraktionen vorwirft, in stadtpolitischen Debatten Luftschlösser zu bauen.

Andererseits: Bergfeld spaltet mit seiner kompromisslosen Rechthaberei die Gesellschaft und  verzögert damit Ergebnisse in der Entwicklung Bonns. Bleibt abzuwarten, wann er eine finale Initiative gründet, welche eine neue kommunale Raumordnung fordert, verbunden mit dem Ziel, Bad Godesberg von Bonn wieder abzuspalten. Alte Bad Godesberger Lokalpatrioten aus den sechziger Jahren würden sicherlich vor Freude in ihren Reihengräbern rotieren.

Wachtberg löscht und löscht...

In der Bonner Nachbargemeinde gibt es auch Ärger und dieser erscheint einigen Politikern aus dem Gemeinderat sogar eine Diskussion in Gremien wert.

Was ist passiert? Dass Feuerwehrleute nicht nur reale Brandherde bekämpfen, sondern sich viele von früher Jugend bis zu ihrer ehrenvollen Pensionierung auch gerne mit der Bekämpfung ihres Durstes und deren Löschung beschäftigen, ist bekannt. Ein „Löschzug“ kann eben auch eine formidable Riege trinkfester Feuerwehrleute sein. Dagegen ist eigentlich nichts zu sagen, wer trinkt, redet zwar manchmal Unsinn, aber das hat ja auch einen gewissen Unterhaltungswert.

Dass man problemlos auch nüchtern Unsinn reden kann, bewiesen einige „Speerspitzen“ aus der Wachtberger Kommunalpolitik – darunter die Herren Oliver Henkel (Grüne) und Jürgen Kleikamp (CDU). Sie und einige andere Mandatsträger beschäftigten sich in der Sitzung des Hauptausschusses tatsächlich mit Beschwerden von Bürger*innen aus der Nachbarschaft des Villiper Feuerwehr-Gerätehaus, weil wehrhafte und trinkfeste Männer dort lautstark ihren Durst löschten. Wenn es nach 22 Uhr brennt, soll die Feuerwehr dann nicht mehr löschen?

Glückliches Wachtberg, sonst keine Probleme? Solche kommunalpolitischen Sorgen hätte man in Bonn auch gern: Man stelle sich vor, die in Renovierung begriffene Beethovenhalle brennt nach 22 Uhr und keiner geht löschen!