Bonn Rhein-Sieg


Wird die Nassestraße zur Todesfalle für Radfahrer? Foto: BONNDIREKT

Verkehr: Nassestraße wird Gefahrenzone für Radler

(m.g.) Viele in Bonn fühlen sich von der Entscheidung des Stadtrates bezüglich der Verkehrsführung auf der Kaiserstraße vor den Kopf gestoßen. BONNDIREKT berichtete. Nicht nur bei der CDU herrscht Unverständnis darüber, dass sich die Grünen kompromisslos dafür eingesetzt haben, dass bei einer einspurigen Verkehrsführung für Autos auf der Kaiserstraße Richtung Innenstadt Autofahrer jetzt in die Nassestraße nach rechts abbiegen müssen, um so über Lennéstraße und Fritz-Tillmann-Straße die City zu erreichen.   

BONNDREKT hat bei Hartwig Lohmeyer, Planungspolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Stadt Bonn, nachgefragt. „Bei der neuen Verkehrsregelung für die Kaiserstraße geht es um die Verbesserung des Bus- und Radverkehrs, nicht darum, eine neue Durchgangsstraße für den motorisierten Individualverkehr zu schaffen, die derzeitig nicht existiert.  Der motorisierte Individualverkehr aus Richtung Süden bis zum Hauptbahnhof wird künftig aus der Rathausgasse und der Straße am Hof herausgenommen und über den sogenannten „erweiterten Cityring“ hinterm Hofgarten/Fritz-Tillmann-Straße geleitet. Eine zusätzliche Verbindung würde zu viel Autoverkehr anziehen, den der Bereich Busbahnhof und Hauptbahnhof nicht bewältigen kann. Zunächst wird das System aber laut Ratsbeschluss in einem Verkehrsversuch einem Realitätscheck unterzogen. Auf die erfolgreiche Computersimulation des Verkehrsgutachters allein, wollen wir uns nicht verlassen“, so Lohmeyer. 

Sogar beim Bonner ADFC schüttelt man darüber den Kopf. „Einerseits wirft man die im Planungsausschuss erst vor wenigen Tagen mit großer Mehrheit beschlossene Verkehrsführung für die Kaiserstraße kurzerhand wieder über Bord, andererseits dürfen die Autos die Straße dennoch nicht durchgehend bis zum Bahnhof benutzen, sondern werden durch die enge Nassestraße – eine Fahrradstraße –  die Lennéstraße und die Fritz-Tillmann-Straße geleitet. Dort wird es zu vielen gefährlichen Situationen und endlosen Staus kommen, die man auch den Autofahrern nicht wünschen kann“, so der verkehrspolitische Sprecher des ADFC, Werner Böttcher. „Wie man vor der Nassestraße automobilen Durchgangsverkehr mit Tausenden von Radfahrern kombinieren kann, die zur Nassemensa fahren, ist uns schleierhaft. Das ist viel zu gefährlich. Dass die Lennéstraße Schulweg zur Münsterschule ist, haben die Politiker offenbar auch vergessen. Wir bedauern schon jetzt die Verwaltung, die solche unsinnigen Beschlüsse umsetzen muss.“ Zudem erwartet der ADFC massiven Widerstand von Universität und Anwohnern. 

Dr. Helmut Redeker, planungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, meint dazu: „Die nun auf Betreiben der Grünen beschlossene Variante, die den Autoverkehr über die Kaiserstraße in die Stadt hineinführt, ihn aber dann, damit nicht allzu sehr gerast werden kann, über einen Schlenker durch die Nassestraße über die Lennéstraße in die Fritz-Tillmann-Straße zwingt, ist eine Katastrophe: Denn nun wird nicht die Innenstadt vom Autoverkehr entlastet, sondern die umliegenden Wohnviertel der Südstadt werden zusätzlich belastet. Durch die neue Führung des erweiterten Cityrings werden damit künftig Teile der Südstadt praktisch zur Hauptverkehrszone. Dieser Unsinn führt außerdem dazu, dass Kinder und Studierende gefährdet werden, denn im genannten Bereich befinden sich mit Münsterschule, zugehöriger OGS und der Mensa der Universität gleich mehrere Gebäude, um die herum naturgemäß viel Rad- und Fußverkehr stattfindet. Ob eine solche Verkehrsführung durch die als Fahrradstraße ausgewiesene Nassestraße überhaupt rechtmäßig ist, bezweifle ich sehr. Das Ganze stinkt zum Himmel und sollte keinesfalls in die Tat umgesetzt werden.“ 

BONNDIREKT hat auch beim Stadtbaurat Helmut Wiesner nachgefragt. Dieser sagt: „Der Rat hat diese Verkehrsführung testweise beschlossen. Wie sich dies auf die Verkehrsabläufe in der Kaiserstraße und im angrenzenden Quartier entwickelt, wird die Stadtverwaltung permanent beobachten und anschließend evaluieren.“ Zuvor sagte er gegenüber BONNDIREKT: „Es ist wichtig, dass Bonn eine fahrradfreundlichere Stadt wird.“

09.07.2019