Bonn Rhein-Sieg


Foto: Wolfgang Heedt

Kurfürstliche Zeile: Hochschule sichert die Zukunft

(m.g.) Vor einiger Zeit berichtete BONNDIREKT über eine mögliche Ansiedlung einer Zweigstelle der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg für Cyber-Sicherheit in der Kurfürstlichen Zeile in Bad Godesberg. Das Thema hat zu Kontroversen geführt. In diesem Zusammenhang wurde auch die „Kurfürstenbad-Initiative“ gegründet. Von Anfang an unterstützt die Bonner FDP eine Ansiedlung der Hochschule in der Kurfürstlichen Zeile. Dazu ein Interview mit Wolfgang Heedt, dem Bad Godesberger Ortsvorsitzenden der FDP.   

Herr Heedt, bereits seit 2015 setzt sich die FDP für eine Ansiedlung der Hochschule für Cyber- und Datensicherheit in Bad Godesberg ein. Warum dieser Eifer? 

Wie ja jeder mittlerweile mitbekommen haben dürfte, gewinnt das Thema Cyber- und Datensicherheit immer stärker an Fahrt. In Bonn und im Umkreis sind bereits eine Vielzahl von Institutionen beheimatet, die gut ausgebildete Fachkräfte in diesem Bereich förmlich aufsaugen würden: Fraunhofer und Max-Planck-Institute, DLR, BSI, Telekom, Deutsche Post DHL, Postbank, um nur einige zu nennen. Entsprechende Ausbildungsplätze sind in Deutschland Mangelware. Es macht daher Sinn, Fachkräfte vor Ort und in Zusammenarbeit mit den späteren Arbeitgebern auszubilden und somit an den Standort Bonn zu binden. Gleichzeitig könnte die Hochschule Bonn/Rhein-Sieg endlich den ersten Fuß in die Stadt setzen, deren Namen sie trägt. Wir haben im Frühjahr 2015 frühzeitig erkannt, dass hierin eine Jahrhundertchance liegt, Bad Godesberg nach dem Wegzug der Diplomaten, dem Scheitern des Medizintourismus und dem zunehmenden Fortzug von Industrie aus dem Bad Godesberger Norden eine neue und vor allem langfristige Perspektive zu geben.

Unser Vorbild, die Universität, wirkt sich seit über 200 Jahren positiv auf Bonn aus. Durch die Hochschule werden wir Gleiches für Bad Godesberg erreichen. Und mit den angestrebten 800 Studierenden und 20 Professuren bekämen wir ja auch ein ordentliches Startkapital. Eine große Anzahl junger Menschen in der Innenstadt, das wäre doch der große Wurf, den sich alle erhoffen. Und mit Ausgründungen aus der Hochschule könnten wir dann auch wieder das Gewerbegebiet bei Friesdorf füllen. 

Ihr bevorzugter Standort für die Schule ist die Kurfürstliche Zeile. Was genau spricht für diesen Standort? 

Präzise: Das aktuelle Rathaus mit seinem Erweiterungsbau. Schon lange ist bekannt, dass sich die Verwaltung aus dem Gebäude zurückziehen will und es ist meinem Vorgänger Jürgen Endemann zu verdanken, dass ein vor Jahren bereits beabsichtigter Verkauf der Kurfürstlichen Zeile verhindert wurde. Ihm war daran gelegen, das Gebäude öffentlich zu halten. Genau dieses Ziel erreichen wir mit der Hochschulansiedlung, zudem verbunden mit einem soliden Investor, nämlich dem Land NRW und einer Hochschule, die dank ihrer eigenen Bauplanungsabteilung bisher jedes Gebäude und jeden Umbau innerhalb der gesetzten Zeit- und Kostenpläne fertiggestellt hat.

Für die Bürgerdienste sind noch maximal 10 Schreibtische im Einsatz, die man leicht an anderem Ort und deutlich verkehrsgünstiger unterbringen kann. Mit einer Hochschule wird die Kurfürstliche Zeile, ein für Bad Godesberg und seine Identität zentraler Bau, besser denn je weitergenutzt. Der Erbauer, der letzte Kurfürst Max Franz, der ein großer Förderer von Bildung und Wissenschaft war, würde jubelnd zustimmen. Von der Zeile haben die Studierenden kurze Wege in die Innenstadt und die Parks und würden dort einen deutlich anderen Schwerpunkt im Publikum darstellen. Sie würden auch neue Impulse setzen in Kultur, Einzelhandel und Gastronomie.

Genau das wollen ja die Bürger, dass Leben in die Stadt zurückkehrt. Außerdem stehen andere Gebäude nicht so schnell zur Verfügung. Die chinesische Botschaft ist, wenn überhaupt, nur durch langwierige diplomatische Verhandlungen freizubekommen, das Landesvermessungsamt ist noch in Betrieb und ansonsten sehen wir in Bad Godesberg kein adäquates stadtkernnahes Gebäude, welches kurzfristig 800 Studierende aufnehmen könnte. 

Nun gibt es Stimmen, die eine Ansiedlung der Hochschule in der Kurfürstlichen Zeile kritisch sehen. Sie dürfe nicht zu Lasten der bestehenden öffentlichen Einrichtungen für die Bürgerinnen und Bürger Bad Godesbergs gehen. Wie sehen Sie das? 

Die Verwaltung der Zukunft wird durch die Digitalisierung viel schlanker sein, als bisher und weniger Personal vor Ort benötigen. Das können Sie am Beispiel des Bankensektors bereits erkennen. Und wer in Zukunft als 70- oder 80-jähriger noch Auto fahren will, der kommt an der Ladesäule auch nur noch per Handy-App an den Strom. Mein Vater hat mit 78 Jahren noch von seiner mechanischen Reiseschreibmaschine auf ein Notebook umgestellt. Den technischen Wandel hat es immer schon gegeben und den Weg zurück zu einem Rathaus mit bleistiftspitzenden Beamten in Ärmelschonern wird es, ja darf es nicht geben. Wichtig ist, dass man dabei die mitnimmt, die mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten können. Die Stadtverwaltung prüft darum derzeit das Konzept eines rollenden Rathauses, mit dem sie auch an diejenigen näher heranrücken würde, wie z. B. Bewohner von Seniorenheimen oder von Mehlem, Heiderhof, Plittersdorf und Friesdorf mit ihren langen Wegen, die von denjenigen gerne vergessen werden, die sich an die 10 Schreibtische in der Kurfürstlichen Zeile klammern. Wer die Hochschulansiedlung verhindern will, vernichtet kurzsichtigen Auges die allerbesten Zukunftsperspektiven für Bad Godesberg und seine Einwohner, die verfügbar sind. So deutlich muss man das sagen. 

Eine Hochschulansiedlung in der Kurfürstlichen Zeile ist die derzeit einzige, wirklich greifbare Chance für eine langfristig positive Entwicklung Bad Godesbergs. Die aktuelle Abiturientengeneration hat das erkannt, denn die Zustimmung aus deren Reihen ist durchweg positiv. Der Medizintourismus ist nach 10 Jahren nur noch ein Spuk, die Regierung hat sich nach 50 Jahren aus dem Staub gemacht, aber die Bonner Universität mehrt jetzt schon seit über 200 Jahren den Wohlstand der Stadt. Genau diese Erfolgsgeschichte soll hier in Bad Godesberg mit der Hochschulansiedlung wiederholt werden.