Bonn Rhein-Sieg


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Verkehr in der Südstadt: „So viel zum Thema Klimanotstand“

(m.g.) Das Café Orange in Fritz-Tillman-Straße war gestern überfüllt mit Gästen und die Stimmung war angespannt. Die Bürgerinitiative „Für eine lebenswerte Südstadt“ hatte zu einer Versammlung geladen, anlässlich des Ratsbeschusses zur Verkehrsführung in der Kaiserstraße und der Verlängerung des City Rings. 

Im Mittelpunkt der Kritik stand die durch Die Grünen herbeigeführte Variante bezüglich der einspurigen Verkehrsführung auf der Kaiserstraße in Richtung Innenstadt. Ursprünglich sollte die einspurige Verkehrsführung durchgehend bis in die City gelten. Das ging den Grünen gegen den Strich. Und so setzte sie durch, dass der Individualverkehr in die Nassestraße nach rechts abbiegen muss, um so über Lennéstraße und Fritz-Tillmann-Straße die City zu erreichen. Das heißt, 190 Meter Verkehr werden von der Kaiserstraße „entfernt“ und dafür insgesamt 500 Meter Verkehr quer durch ein Wohngebiet gelegt, um wieder auf die Kaiserstraße zu gelangen 

Die Stimmung in dem Café war angeheizt. „Nicht mehr nachvollziehbar ist die Entscheidung, den Individualverkehr durch die Nassestraße und Lennèstraße auf die Fritz-Tillmann-Straße zu leiten“, so Stefan Rausch, Sprecher der Initiative. Viele äußerten auch Unverständnis über die Verwaltung der Stadt. Hatte der Verkehrsausschuss doch einige Tage vor der Ratssitzung sich für eine durchgehende einspurige Verkehrsführung bis in die Innenstadt ausgesprochen. „Und plötzlich wird eine völlig neue Variante beschlossen, die erst kurz zuvor eingebracht und nicht erörtert wurde“, so der Vorwurf. 

Und die sorgt bei den Anwesenden im Café für Wut, Verzweiflung und Hilflosigkeit. Die Nassestraße sei bereits weitgehend eine Fußgängerstraße, wo hunderte von Studenten zur Mensa gehen. Gefährdungen seien so vorprogrammiert. Verstärkt werde die Situation, dadurch dass sich an der Ecke Nassestraße/ Lennèstraße die Studentenströme vom Juridicum zur Mensa kreuzen. Außerdem soll die Mensa umgebaut werden. 

Hinzu kämen die Familienbildungsstätte auf der Lennèstraße, die einen erheblichen Publikumsverkehr erzeugt und nicht zu vergessen die Schulwege der Schüler der Münsterschule. Durch die Schleifenlösung sei ein Schleichverkehr, zum Beispiel in der Riesstraße, nicht zu vermeiden. Es entstünden mehr Abgase und Lärm bei gestiegenem Benzinverbrauch. „So viel zum Thema Klimanotstand“, schimpfte ein Anwesender. 

Ebenfalls im Mittelpunkt stand der erweiterte City-Ring. „Wie kann man den Klimanotstand ausrufen und gleichzeitig den City Ring verlängern. Das ist doch ein Widerspruch in sich“, hieß es auf der Versammlung. Der Grund warum der Status Quo verändert werden soll war nicht ersichtlich. „Wen stört eigentlich die heutige erprobte und funktionierende Verkehrsführung auf dem City-Ring“ so eine Versammlungsteilnehmerin. Die vom Rat beschlossenen Testphasen bringen eine enorme Verkehrsgefährdung in dem Wohnviertel mit fehlenden Zebrastreifen und Ampeln mit sich. Wie ein LKW oder Reisebus von der Franziskanerstraße rechts durch das Koblenzer Tor abbiegen soll wird für unmöglich betrachtet. Ein Resümee der Veranstaltung war, dass hier Beschlüsse ohne jeden Sachverstand gefasst wurden. „Es kann nur um den Erhalt der Koalition und nicht um vernünftige Verkehrsplanung gegangen sein, als einzelne Stadtverordnete kurz vor dem Ratsbeschluss alle Varianten der Verwaltung über den Haufen schmissen, um diesen Unsinn zu beschließen“ so Stefan Rausch. 

Die Bürgerinitiative will weitere Aktionen zu dem Thema Kaiserstraße auf den Weg bringen. Jannis Ch. Vassiliou, Einzelhandelsverbandes Bonn/Rhein-Sieg/Euskirchen, war an diesem Abend auch anwesend. Er bot seine Hilfe an, um eine Arbeitsgruppe zu dem Thema zu bilden.  

Die Initiative begrüßte die Idee des Einzelhandelsverbandes und des ADFC, gemeinsam an einer vernünftigen Regelung mitzuwirken. Am 03. September 2019 berät die Bezirksvertretung über einen Bürgerantrag der Initiative zur Rücknahme der Ratsbeschlüsse und einer unmittelbaren Bürgerbeteiligung. Absolutes Unverständnis herrschte auf der Versammlung über die Ablehnung der Bürgerbeteiligung durch den Rat und die Bezirksvertretung. Diese hatte Oberbürgermeister Sridharan der Initiative in einem persönlichen Gespräch fest versprochen. „Die Äußerungen einiger Ratsmitglieder der Jamaika-Koalition diesbezüglich sind beschämend und lassen uns an deren demokratischen Verständnis stark zweifeln“ so die Initiative. Anlässlich der Sitzung der Bezirksvertretung wird ein Protestmarsch von der Südstadt zum Rathaus geplant und eine große Kundgebung am 20. September 2019 am Arithmeum.

12.07.2019