Bonn Rhein-Sieg


Foto: Volkswagen

E-Scooter – mehr Verkehrsunfälle zu erwarten

(m.g.) Seit dem 22. Mai sind E-Scooter in Deutschland zugelassen. Seit Anfang Juli kann man sich die elektrischen Tretroller in der Bonner City ausleihen. Während aus anderen deutschen Städten viele Unfälle mit dem neuen Verkehrsgerät gemeldet werden, gestaltet sich der Einstieg in Bonn recht glimpflich. Aber nur auf den ersten Blick. Polizeisprecher Michael Beyer sagte gegenüber BONNDIREKT, dass innerhalb des ersten zwei Wochen nur ein Unfall gemeldet wurde, mit leichten Verletzungen. Aber dennoch: „Wir haben ein Auge auf diese E-Scooter“, so der Polizeisprecher.

„Durch sie wird es voller auf den Bonner Straßen“, sagt Beyer. Viele würden sich mit den Gefährten nicht auskennen. „Sie stellen sich einfach drauf und fahren los. Über das Handling wissen sie recht wenig. Es ist wichtig, die Menschen über den Umgang mit E-Scootern zu informieren.“ Die Polizei geht davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis der erste schwerere Unfall stattfindet.

„E-Scooter sind wie Fahrräder, nur weniger hoch. Wie gefährdet Radfahrer im Bonner Straßenverkehr sind, ist ja hinlänglich bekannt“, so Beyer. Und nicht jeder Unfall mit einem E-Scooter wird polizeilich registriert. Wenn sich jemand durch einen Sturz den Arm bricht oder den Scooter aus Versehen vor die Wand fährt, geht er nicht zur Polizei, sondern zum Arzt. Daher hat BONNDIREKT beim Bonner Gemeinschaftskrankenhaus nachgefragt.

„Wir hatte in den ersten zwei Wochen zehn Verletzte durch die E Scooter. Vor allem Prellungen und Schürfwunden. Ein Verletzter hatte einen schweren Sprunggelenksbruch. Es handelt sich bei allen Fällen um Stürze ohne Fremdeinwirkung“, teilte Katharina Müller-Stromberg mit, Sprecherin des Krankenhauses.

Vorerst scheint nur die Bonner Innenstadt betroffen zu sein. Aber bis es zu den ersten E-Scooter Unfällen in den äußeren Stadtteilen kommt, ist nur eine Frage der Zeit. „Im Notfallzentrum am Waldkrankenhaus sind bislang noch keine schweren Verletzungen durch E-Scooter aufgetreten. Allerdings konzentriert sich die Nutzung der E-Scooter ja bislang auf Bonn. Wir erwarten aber auch in Bad Godesberg ansteigende Zahlen“, sagt Daniel Siepmann, kaufmännischer Direktor der Johanniter-Kliniken, Bonn..

Die Allianz, die größte Versicherung Deutschland erwartet, dass Elektrostehroller die Unfallzahlen in Deutschland in die Höhe treiben. Viele Benutzer seien völlig ungeübt mit dem neuen Gefährt. „Ein weiteres Problem ist, dass jeder in den nächsten MediaMarkt gehen kann, um sich einen E-Scooter zu kaufen“, sagt Michael Beyer. „Dabei wissen die meisten nicht, welche Anforderungen für das Benutzen eines E-Scooter im Verkehr gelten.“ Sie müssen zum Beispiel versichert sein, was aber kaum jemand weiß. „Außerdem raten wir jedem, einen Helm zu tragen, auch wenn es keine Pflicht ist.“ Einführungskurse wie für E-Bikes seien auch zu begrüßen.

Doch während Befürworter der neuen "Elektromobilität" gerne betonen, wie umweltfreundlich, klein und praktisch E-Scooter doch sind, zeigt die Realität, dass die Gadgets nicht so ökologisch sind, wie gerne behauptet wird. Wenn überhaupt, würden E-Scooter die Umwelt nur als Ersatz für Auto oder Motorrad schonen. Aber Verbraucher ersetzen ihre Autos nicht durch Elektroroller. Sie sind vielmehr ein Zusatzgadget und verschlechtern damit die Ökobilanz. Die letzte Meile zu Fuß oder mit dem ÖPNV zu bewältigen, ist auf jeden Fall umweltschonender.

Und die Produktion von E-Rollern belastet die Umwelt ebenfalls. Denn die Batterien enthalten Kobalt, Nickel und andere seltene Rohstoffe, deren Gewinnung häufig mit großen Umweltbelastungen verbunden ist. Zudem finde der Abbau in manchen Regionen unter unmenschlichen Bedingungen statt, etwa bei der Kobalt-Gewinnung im Kongo. Außerdem ist die Herstellung der Akkus sehr energieintensiv. Hauptherstellerland ist China. Dort stammt der größte Teil dieser Energie noch immer aus Kohlekraftwerken.

22.07.2019