Bonn Rhein-Sieg


Foto: IHK

Alarmstufe Rot – Wo sind die Azubis?

(m.g.) Die Fachkräftesituation in Bonn verschärft sich und der Nachwuchsmangel nimmt bedrohliche Formen an. Die Zahl der neu eingetragenen Ausbildungsverträge lag Mitte des Jahres im Zuständigkeitsbereich der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg deutlich unter dem Vorjahresergebnis.

Die IHK registrierte 1.661 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge - ein Minus von 11,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ende Juni 2018 waren es 1.868 Verträge. „Die Situation ist aktuell schwierig. In den Berufen, in denen das Ausbildungsangebot steigt, sinkt das Interesse der Bewerber. Allein im Handel sind noch 396 Ausbildungschancen - vom Fachwirt über den Kaufmann bis hin zum Verkäufer“, sagt IHK-Geschäftsführer Jürgen Hindenberg.

„Die Erhöhung der Ausbildungsvergütung im Handel ist daher ein richtiges Signal zur Attraktivitätssteigerung einer Tätigkeit im Handel. Darüber hinaus gibt es in allen Branchen noch freie Ausbildungsplätze; insgesamt noch 2.266 bei 2.031 unversorgten Bewerbern. „Beim Matching ist noch viel Luft nach oben – hier liegt eine hohe Verantwortung bei den Beratungskräften.“

„Der Wettbewerb um die besten Talente nimmt weiter zu, so dass Unternehmen gefordert sind, frühzeitig aktiv zu werden und ihre Ausbildungsstellen zu besetzen. Hier sollten Unternehmen flexibel bei der Auswahl der Bewerber reagieren. Trotz des Überangebots an Ausbildungsplätzen ist aber auch die Zahl der insgesamt gemeldeten Stellen deutlich rückläufig, hier müssen die Unternehmen noch stärker für die duale Ausbildung werben.“

Aber oft fehlt Bewerbern auch die notwendige Qualifikation für eine Ausbildungsstelle. So mangelt es jungen Menschen mit Migrationshintergrund oft an Deutschkenntnissen. Andere Bewerber verfügen über keine PC-Kenntnisse, obwohl sie sich mit ihrem Smartphone bestens auskennen. Andererseits zeigen sich manche Arbeitgeber unflexibel. So werden nicht selten muslimische Bewerberinnen mit einem Kopftuch abgelehnt, obwohl sie fließend Deutsch sprechen.

Jürgen Hindenberg appelliert an die Unternehmen im IHK-Bezirk, in ihrer Ausbildungsbereitschaft nicht nachzulassen: „Stellen Sie jetzt Ihre neuen Auszubildenden ein, melden Sie freie Ausbildungsplätze bei der Agentur für Arbeit und schaffen Sie weiter die notwendigen Ausbildungsplätze! Alle Informationen zur betrieblichen Ausbildung erhalten Sie auf unserer Internetseite www.jetzt-ausbilden.de.

29.07.2019