Ruck(es) Kolumnen


Qualm muss sein (Teil 1)

Zu den beliebtesten sommerlichen Freizeitbeschäftigungen in Deutschland zählt das Grillen. Folgerichtig läuft die Grill-Saison gegenwärtig auf Hochtouren. Oder etwa nicht?

Grillen wir noch oder werden wir inzwischen schon gegrillt? Die Wetterlage in der vergangenen Woche machte nicht gerade Laune auf heiße Speisen und demotivierte viele Griller*innen. (Kleiner Exkurs:  Griller*innen? Spätestens bei dieser Wortschöpfung erkennt man den Schwachsinn aktueller Gendergrammatik! Noch ein Beispiel dazu: Der Schwachsinn oder die Schwachsinnigkeit?)

Und so geht es zu am Grill:

Schürze umgebunden, Baseballkappe aufgesetzt, in der rechten Hand die Grillzange und in der linken Hand eine lauwarme Flasche Bier: Schon steht der Grillmeister in perfekter Performance vor dem Bratrost, auf dem Billigbratwürste vom Discounter nach der Folterung auf der Glut ihrem verdienten Ende entgegen röcheln.     

Beim Grillen geht es eigentlich nicht primär um das Essen. Grillen erfüllt in erster Linie eine soziale Funktion: Man steht zusammen, einer arbeitet, der Rest trinkt und weiß alles besser, wie man mit dem Grillgut umgeht. Gemeinsam grillen geht besser, egal ob in kleinen oder großen Gruppen. Ein Schwenkgrill eignet sich besonders gut für die Massenspeisung bei Feuerwehrfesten, Grillabenden des Gesangvereins und auch manches Sommerfest etablierter politischer Parteien ziert ein solcher Riesengrill. Dort beweisen dann gutgelaunte Politiker*innen, dass sie auch von diesem Handwerk nicht allzu viel verstehen.

In den momentan wirren Zeiten bleibt aber selbst das gemeinsame Grillvergnügen nicht mehr ungetrübt. In Bonn-Irrenhaus, einem von alternativen Familien bevorzugten Neubauviertel aus den neunziger Jahren, gründete sich jetzt eine „Initiative für Veganes Grillen“. Sie fordert u.a. eine Grillsteuer und eine entsprechende, feuerfeste Umweltplakette am Grill. Ausgenommen sind TofuBurger, die bis maximal 30° Grad qualmlos erhitzt werden dürfen. Dann schmecken sie zwar wie ein drei Monate in Seifenlauge und Buttermilch eingelegter Radiergummi, aber ein kräftiger Schuss aus der veganen Ketchup-Flasche von glücklichen Tomaten bringt wenigstens etwas Geschmack an die Pampe.

Es gibt aber noch andere Hindernisse beim Grillen. In eng bebauten Wohngegenden sorgen Nachbarn gerne für Zoff, denen die qualmende Holzkohle in der Nase hängt. Gerne ruft man da die Polizei, die ja ohnehin nicht viel zu tun hat und meist gelangweilt an Straßenkreuzungen herumlungert, um Autofahrer zu überwachen.  

Übrigens: Was Sie möglichst nicht auf den Grill werfen sollten, sind dick marinierte Schweinenackensteaks. Da weiß man nie, was sich unter der Kosmetik verbirgt. Bei einer Schweizer Supermarktkette wurden auf diese Weise letztes Jahr Fleischstücke verkauft, die im Originalzustand wohl auch ein hart gesottener Fleischfresser verschmäht hätte.

Nächste Woche geht es hier etwas ernsthafter zu. Im zweiten Teil meiner exklusiven Grill-Beratung erkläre ich, welchen Grill – vom Wegwerf-Grill bis zur Gas betriebenen, digital gesteuerten Outdoor-Küche gebraucht wird, um ihr Grillgut geschmackvoll zu genießen. Der Tofu-Burger wird allerdings nicht dabei sein.