Ruck(es) Kolumnen


Qualm muss sein (Teil 2)

Im zweiten Teil der „Spot(t)-on“-Ferienreihe stelle ich verschiedene Grillgeräte und Methoden vor. Darunter auch 'qualmlose' Elektrogeräte zum Indoor-Grillen. Obwohl: Im Wohnzimmer grillen ist irgendwie doof, da springt eventuell noch der Rauchmelder an und nach der  Grillparty muss das Wohnzimmer neu gestrichen werden. Qualm muss einfach sein, das kennen wir doch aus der Politik.

Gegrillt wird heutzutage überall und auf vielerlei Art: In öffentlichen Grünanlagen auf dem Wegwerf-Einmal-Grill zu € 2,95 vom Billig-Discounter, auf dem Balkon der Stadtwohnung oder im Reihenhaus-Garten. Auf der Terrasse des Einfamilienhauses erhitzt der Gasküchengrill temperaturgenau Gambas, knackiges Gemüse, regionale Fingerfood und Fleisch und Fisch aus Südamerika. Besonders bei den aus fernen Ländern herbeigeflogenen edlen Lebensmitteln lässt es sich dann vortrefflich über zu hohen CO2-Ausstoss lamentieren.

Egal, welche Qualität auf dem Rost liegt, welcher Unfug beim Kauen erzählt wird, die wahren Gründe für den Spaß an der Essenszubereitung im Freien und auf offener Flamme liegen wohl eher tiefenpsychologisch: Da kommt wieder etwas vom Jäger und Sammler im Menschen durch, der sein gefangenes oder gefundenes Essen eben nicht in der digitalisierten Einbauküche zubereiten konnte. Stattdessen versuchte er auf ein paar wackeligen Holzzweigen zu braten.

„Software“ und „Hardware“ beim Grillen müssen passen.

Entscheidend für wahren Essgenuss ist natürlich zunächst die Qualität der Speisen (Software). Nicht weniger wichtig ist der Grill selbst (Hardware). Auf dem Einmalgrill kann man ohne Probleme auch noch das beste Stück von einem süd-amerikanischen Rind ruinieren, während Gyros-Klebefleisch seine Qualität selbst auf einer Edelstahl-Outdoor-Küche nicht verbessert.

Grillmethoden: Wie denn, was denn, womit denn?

Es gibt verschiedene Grillmethoden, man unterscheidet:

Direktes Grillen

Zubereitung von Grillgut auf dem Grillrost direkt über der Hitze. Empfohlen  für alle separat zubereiteten Lebensmittel wie Würste, Steaks, Koteletts, Fisch, Burger, Spieße und Gemüse bzw. andere schnell garende Speisen. Dabei die Speisen nicht auf das Eisen, sondern auf Alufolie oder -schale legen.

Indirektes Grillen

Größere Fleischstücke werden langsam gegart. Dies geschieht nicht direkt über der Flamme, sondern durch Heißluftzirkulation im Grillgehäuse, vergleichbar der Umluft im Elektrobackofen. Marinieren oder drehen entfällt ebenso wie das gelegentliche, schädliche Ablöschen auflodernder Flammen aus der Bierflasche.

Grillen mit dem Drehspieß

Die ständige Drehbewegung des Spießes verteilt den Saft aus dem Braten, das Ergebnis ist neben einer knusprigen Außenhülle ein saftiges Inneres. Dauert etwas länger, ist aber delikater.

Grillen auf der Holzplanke

Bei dieser Methode verleiht der Rauch von der Planke, der beim Erhitzen entsteht, dem Fleisch oder Fisch ein aromatisch-rauchiges Aroma.

Grillgeräte

Was hat eine ‚Hightech-outdoor-kitchen‘ noch mit dem mitunter ‚flammenden Inferno‘ früherer Grillklassiker-Modelle aus den sechziger Jahren zu tun? Nichts, außer der Freude an der Freiluftzubereitung. Natürlich kann man auch auf einer von zwei Backsteinen gestützten eisernen Fußmatte mit darunter liegender Kohle grillen. So etwas gab es früher schon mal auf multikulturellen SPD-Straßenfesten in der Bonner Südstadt zu sehen. Aber es geht eben auch anspruchsvoller. Und es geht natürlich um Preise. Bei Grillgeräten reicht die Spanne von € 2,95 bis weit über € 2000. Je nach Bedürfnis und Geldbeutel bieten sich an:

Der Holzkohlegrill

Der klassische Dreibeiner hat seine Heimat auf Innenstadt-Balkonen, Campingplätzen und ist bei Versicherungs-Gesellschaften wegen Auslösung von Bränden höchst unbeliebt. In Zeiten wirrer Umweltdiskussionen wird er selbst zum Thema, was die Leute nicht am Essen hindert.

Der Schwenkgrill

Für Pfadfinder, Feuerwehrfeste, Parteiveranstaltungen und Gesangvereine: Der Schwenkgrill mit Lagerfeuer-Atmosphäre. Mit diesem Grill können große Mengen Lebensmittel gegrillt und größere Mengen von Menschen schnell gesättigt werden.

Der Kugelgrill

Der Kugelgrill ermöglicht durch seine Haube indirektes Grillen. Gut für die Zubereitung großer Fleischstücke oder ganzem Geflügel und praktisch für die Pflege der Nachbarschaft, weil er wenig qualmt.

Der Lavasteingrill

Variante des Gasgrills, kein lästiges Kaufen und Schleppen von Holzkohle. Unter den Steinen wird die Hitze über einer Gas-Flamme erzeugt. Geeignet für Einzel-Grillgut und Griller, die später ‚richtig Gas‘ geben wollen.

Der Elektro-Grill

Mit dem Elektro-Grill kann man sogar im Schlafzimmer grillen, sofern man über ein zweites Schlafzimmer verfügt. Schlipsträger und Bundesbedienstete stellen das Gerät auch gerne in geselliger Runde auf den Wohnzimmer-Tisch, gucken in den verregneten Garten und behaupten, drinnen wäre es auch schön.

Der Einmal- oder Wegwerf-Grill

Ideal für spontanes Grillen am See, auf dem Campingplatz oder in der Wartehalle des Bonner Straßenverkehrsamtes bei der 8-stündigen Ummeldung des Autos. Jugendliche Schaschlik-Verbrenner schätzen bei Freiluft-Orgien die praktische Entsorgung des Einmal-Grills in der Bonner Rheinaue: Einfach stehen lassen oder die Glut wenigstens auspinkeln!

Der Gasgrill

Aus fernen Ländern wie Argentinien, Australien, Südafrika und der US-Westküste, wo es schon früher warme Sommer gab und monatelang die Außenküche auf der Terrasse benutzt wird. Hierzulande immer beliebter trotz inzwischen auch in unseren Breitengraden häufigeren Wetterkapriolen. Für Leute mit entwickeltem kulinarischen Geschmack, Technik-Faible und etwas Kleingeld.

Und sonst?

Wenn Sie trotz schönem Wetter keine Lust zum Grillen verspüren, dann gehen Sie wenigstens in ein Freiluftlokal, einen Biergarten oder ein luftiges Bistro.

Nur eines sollten Sie nicht tun: Sich per App von einem Bringdienst irgendeinen konfektionierten Fertigfraß kommen lassen, den Sie dann zum Nachwärmen nochmal in die Mikrowelle schieben. Da wird die ‚App‘ schnell zum ‚App’etitzügler. Pfui Teufel!