Ruck(es) Kolumnen


"To-go" or "Not-to-go"?

Der englische Begriff „Coffee-to-go“ bedeutet frei übersetzt so viel wie „Kaffee zum Mitnehmen“.

So steht es auf der website vom Kaffeeröster Tchibo, der früher vornehmlich in Citylagen Stehcafés betrieb. Das waren auch beliebte Treffpunkte für ein kurzes Pausen-Schwätzchen, bei dem Neuigkeiten ausgetauscht wurden. Immerhin wurde dort der Kaffee in Porzellantassen serviert und nach dem Schlürfen der braunen Brühe stellten die Kunden das Porzellan auch brav wieder auf den Abstelltisch zum Spülen und gingen ihrer Wege.

Das waren noch Zeiten. Der Kaffee schmeckte, es gab keinen Müll und bei Gesprächen schaute man sich gegenseitig an. Die Kölner Mundartgruppe „Bläck Fööss“ würdigte diese Kaffee-Idylle in einem Song mit dem Refrain: „Un dann stonn se en der Kaffeebud und schödden sich dä Kaffee en de Kopp“.

Heute rennen Figuren wie ferngesteuert durch die City, in der einen Hand das unvermeidliche Handy und in der anderen Hand einen Becher mit lauwarmen Kaffeespülwasser. Da lautet die Übersetzung von Coffee-to-go eher „Kaffee-zum-Davonlaufen“. Klar ist: Die braune Brühe muss irgendwo rein. Aus der hohlen Hand Kaffee zu trinken, geht meist daneben. Aber wohin mit dem Becher? Kein Abfallbehälter in Sicht? Dann eben Becher fallen lassen. Soll die Stadt doch für Sauberkeit sorgen, wozu zahlen wir denn Steuern?

Wenn es denn so wäre. Und selbst mit Steuerentrichtung bezahlt man noch lange nicht das Recht, sich daneben zu benehmen und seinen Abfall einfach fallen zu lassen. Es sind übrigens überwiegend jüngere Leute, aber auch viele Touristen, die Kaffeetrinken auf der Straße mögen, wie eine Untersuchung ergab. Bei beiden Gruppen hält sich die steuerliche Ertragskraft für die Stadt sicher in Grenzen.

Dem scheinbar unausrottbaren Trend, sich in der Öffentlichkeit mobil zu ernähren – also nicht nur Kaffee zu trinken - soll jetzt mit Mehrweg-Pfandsystemen entgegen gesteuert werden. Das ist mit Kosten, Bürokratie, Überwachung und natürlich viel politischem Wind verbunden. Außerdem werden die anfallenden Kosten in der zuständigen städtischen Verwaltung natürlich auf alle umgelegt, auch auf diejenigen, die im Café den Kaffee aus Porzellantassen im Sitzen trinken.

Um es hier direkt klar zu sagen: Den gedankenlosen Umweltflegeln wird das System nur marginal beikommen. Gut gemeint ist eben noch nicht gut gemacht!

Wie macht man aus „Coffee-to-go“ einen „Kaffee zum Stehenlassen“?

Die simpelste und wirksamste Lösung wäre natürlich, wenn Essen und Trinken auf der Straße erst gar nicht angeboten würde. Dazu wäre allerdings ein Umdenken erforderlich und das wird es nicht geben. Auf Jahr- und Weihnachtsmärkten, bei Sportveranstaltungen und überall auf begrenzten Arealen macht die „Freiluftschluckerei“ in Geselligkeit ja noch Spaß. Aber warum laufen neben jungen Leuten und Touristen auch ältere Angestellte in ihrer Mittagspause mit einer fettigen Bratwurst und einem Kaffeebecher auf der Straße herum?

Die Anbieter der „To-go“-Produkte sollten kräftig zur Kasse gebeten werden. Das sind in erster Linie Fastfood-Ketten, unzählige Bäckereien, Supermärkte, Bahnhöfe und Tankstellen. Kaffee zum Mitnehmen gibt es an jeder Ecke, selbst beim Friseur oder in der Buchhandlung. Da fehlt nur noch der „To-go-Kaffeeautomat“ in Kirchen. Sie alle ziehen Profit und wenn den Anbietern zahlungspflichtige Auflagen gemacht werden, wird sich der Preis für Getränke und Speisen ebenfalls kräftig erhöhen. Von mir aus sollte der Becher Kaffee € 5,00 kosten, dann sinkt die Nachfrage drastisch und der Müll reduziert sich.

Veränderungen in unserer ach so modernen wie wirren Zeit schafft man leider nicht mehr durch Einsicht oder Etikettenpolitik („Klimanotstand“), am besten funktioniert finanzieller Druck. Oder glauben Sie, dass die Anhänger des mobilen Kaffeetrinkens demnächst zur Rettung der Umwelt mit einer Porzellantasse um den Hals durch die Innenstadt laufen?