Ruck(es) Kolumnen


Tierischer Gottesdienst im WDR

Meine Ankündigung, in der sechswöchigen Sommerpause bei SPOTT-on auf BONNDIREKT mehr oder weniger gepflegten Blödsinn zu verkünden, kann ich heute fortsetzen mit einem Thema, welches ich überhaupt nicht geplant hatte. Aber es kommt eben manchmal anders:

Der WDR, bekannt für mindestens ebenso gute wie grotten-schlechte Fernsehsendungen, sendete letzte Woche einen Bericht aus der wundervollen Welt der Tiere.

So etwas kommt bei der Mehrzahl der eher schlichten Fernsehkundschaft immer gut und deshalb steigerte sich der WDR bei seiner Reportage über eine Tiersegnung auf der nach oben offenen Skala hirnfreier Berichterstattung in bewundernswerte Höhe, bei der – und hier sei der WDR mal gelobt – auch eine gewisse Ironie einfloss. Aber eben „öffentlich-rechtliche“ Ironie.

Worum ging es?

Eine evangelische Pastorin aus NRW mit Doppelnamen hatte zu einem „Tiergottesdienst“ geladen. Sie hatte auch ihren eigenen Dackel  - nein, nicht den Mann, den Hund(!) – mitgebracht. Der WDR-Filmsprecher erwähnte kurz, dass Bienen bzw. „Bien’chen“ (Gott, wie putzig!) wie eigentlich von der Pastorin gewünscht nicht gekommen waren. Vögel waren auch nicht gekommen.

Dafür versuchten immerhin ein katholischer und ein evangelischer Hund vor der Kamera eine Vögelei. Ob der Versuch gelang, war in dem Film nicht genau zu erkennen. Vor der WDR-Kamera erklärte aber einer der Hundehalter, dass er darüber unbedingt mit der Pastorin reden müsse. Worüber im Detail, blieb im Dunkel und ich erspare mir hier auch sexistische Spekulationen dazu. Zum Schluss erteilte die tierische Pastorin ihrer tierischen Gemeinde auch noch einen „Segen-to-go“. Da stellt sich Rationalisten die Frage: Ist das schon Blasphemie oder noch Debilität?

Comedy oder Kirche? Was denn nun?

All das ist natürlich noch lange kein Grund aus einer Amtskirche auszutreten, da gibt es viel schwerwiegendere Gründe und da sei hier in diesem Zusammenhang der Kölner Kardinal nicht einmal genannt, obwohl auch er eine Option für einen Austritt darstellen könnte. Andererseits ist eine Tiersegnung auch – weiß Gott (ja, weiß der das eigentlich?) - kein Grund für einen Kircheneintritt.

Mir fällt in diesem Zusammenhang eine Episode ein, die ich selber als junger Messdiener in Bad Godesberg lange vor meinem Austritt aus der katholischen Kirche erlebt habe: Der Pfarrer entnahm einem Weihwasser-Kessel, den ich bereit halten durfte, einen Quast und segnete mit Weihwasser sieben auf dem Kirchplatz stehende Autos. Danach stiegen die Fahrer in ihre Karossen und zwei von ihnen bauten anschließend noch auf dem Kirchengelände einen kleinen Auffahrunfall. Meinen Lachanfall über diese Slapstick-Nummer konterte der Pfarrer mit dem Hinweis, ich solle gefälligst den Mund halten und nachdenken. Die Autos seien doch jetzt gesegnet, der Schaden also minimal. Ob die Versicherung das auch so gesehen hat, weiß ich bis heute nicht.

Was ich auch nicht weiß ist der Umstand, warum man dem WDR für eine solch bescheuerte Tiersegnungs-Berichterstattung auch noch Zwangsgebühren zahlen muss. Da sind die evangelische und die katholische Amtskirche vergleichsweise „liberale“ Organisationen, aus denen man wenigstens austreten kann, wenn man sich den ganzen Schwachsinn nicht mehr ansehen und auch noch bezahlen möchte.

Den WDR-Originalbericht zu diesem Thema findet man in der Mediathek unter: www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeitgeschichten/video-tierisch-gut-100.htm

17.08.2019