Bonn Rhein-Sieg


Foto: Heinz Contzen

Im besten Alter: Fünfzig Jahre Rhein-Sieg-Kreis

(e.r.) - Jubiläen sind Gedenktage der speziellen Art. Da gibt es meist viel in der Rückschau und weniger in der Vorschau. Das hat durchaus seine Berechtigung, es ist vollkommen in Ordnung, wenn sich Menschen über das Erreichte freuen und es auch feiern.

Der 1969 bei der damaligen Gebietsreform aus dem früheren linksrheinischen Landkreis Bonn und dem rechtsrheinischen früheren Siegkreis entstandene Rhein-Sieg-Kreis hat es fünfzig Jahre später zu einer funktionierenden Einheit und inzwischen zum drittgrößten Landkreis in Deutschland geschafft. Das feiern die einzelnen Städte und Gemeinden in diesem Jahr.

Zum Beispiel Wachtberg

Ein besonderes Beispiel für die vor 50 Jahren gelungene Neugliederung ist die Gemeinde Wachtberg:

Aus dreizehn Ortsteilen, die etwas verstreut, aber dennoch nahe beieinander liegen, wuchs ein Gemeinwesen mit aktuell über 20.000 Einwohnern. Obwohl gerade unter Nachbarschaftsdörfern es häufig besondere Rivalitäten vornehmlich im Sport- oder Vereinsleben gibt, klappt es zwischen Menschen und Institutionen im „ Drachenfelser Ländchen“, wie Wachtberg schon vor der Raumordnung genannt wurde, recht gut.

Und so feierten sich die Wachtberger 2019 überwiegend selbst mit einer Gala, einem Festakt, einem Bürgerfest, einem Gottesdienst, Busrundfahrten durch die Gemeinde, einer Sternwanderung und natürlich einem Festumzug. Es waren originelle, überschaubare Feierlichkeiten und sie waren authentisch für Wachtberg.

Wie sieht die Zukunft aus?

Nichts ist bekanntlich für die Ewigkeit und die weitere Entwicklung Wachtbergs hängt nicht nur von der Gemeinde selbst ab. Mit Bonn als angrenzender, kreisfreier Großstadt in unmittelbarer Nachbarschaft genießen die Wachtberger auch viele Vorteile der Infrastruktur einer Großstadt. Aber Bonn ist in seinen Grenzen gefangen, schon jetzt fehlen Wohn- und Gewerbeflächen. Schon länger gibt es Gespräche, wie in nicht allzu ferner Zukunft ein funktionierendes Zusammenwirken und Ergänzungen zwischen Bonn und besonders den linksrheinischen Rhein-Sieg-Kommunen aussehen könnte. Kirchtumsdenken ist da nicht gefragt, in Zeiten hoher kommunaler Verschuldung müssen neue Wege gefunden werden, damit es nicht zu Konkurrenzkämpfen kommt und insbesondere gewerbliche kommunale Steuerzahler abgeworben werden.

Nächstes Jahr sind in Bonn und der Region Kommunalwahlen und spätestens nach diesen Wahlen wird – ungeachtet von Ausgang und Ergebnissen – irgendwann das Thema einer zeitgemäßen Ergänzung der jetzt fröhlich gefeierten Raumordnung von 1969 an Aktualität gewinnen.

Politik, Parteien, Verwaltung und interessierte, konstruktiv-engagierte Kräfte aus der Bevölkerung sollten sich dann Gedanken über die Zukunft machen. Wie wäre es denn mit einem „Wachtberger Zukunftstisch“?

Der frühere Bürgermeister (1999-2004) Hans-Jürgen Döring sprach in seiner Rede beim Jubiläums-Festakt von Wachtberg als einem „gelungenen Experiment“.

Dem ist nichts hinzu zu fügen außer dem Hinweis: Nichts ist für die Ewigkeit, auch nicht ein gelungenes Experiment.