Ruck(es) Kolumnen


Wer will noch mal? Wer hat noch nicht?

Nächstes Jahr im Spätsommer gibt es in NRW Kommunalwahlen. Da werden die Spitzen der Rathäuser neu besetzt oder auch nicht. Da lohnt sich doch ein Jahr vorher mal ein erster, kleiner Blick auf die regionale Gemenge- und Kandidatenlage in Bonn und im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis.

Woanders ist der Drang nach politischen Ämtern offenbar geringer. Das führte neulich in Bad Breisig dazu, dass die etablierten Parteien keinen Kandidaten mehr aufstellten und damit eigentlich ihren politischen Bankrott erklärten. Schließlich meldete sich als Bürgermeisterkandidat ein parteiloser ‚Restaurantfachmann‘, der trotz mangelndem Gegenkandidat bei schlapper Wahlbeteiligung die Wahl nur knapp gewann. Jetzt wird Bad Breisig zukünftig von einem gestandenen Oberkellner einer ebenso gestandenen Kneipe ‚regiert‘. Na ja, wenn sich der Mann verbessern kann? Im Service kennt er sich ja schon aus.

In Bonn ist die Kandidatenlage da etwas opulenter. Bisher möchten zwei weibliche Konkurrentinnen gegen den amtierenden Oberbürgermeister Ashok Sridharan antreten. Ob es dazu kommt, müssen allerdings die jeweiligen Parteigremien noch absegnen.

Sridharan macht eine odentliche Figur als Repräsentant der Stadt Bonn, über seine Fähigkeiten als Verwaltungschef lässt sich trefflich diskutieren.

Die Bonner SPD zauberte Lissi von Bülow aus dem Hut, eine unbekannte Kandidatin mit einem bekannten Namen. Die 43-jährige gebürtige Bonnerin studierte in Bonn Jura und Volkswirtschaftslehre. In der Vorgebirgs-Kapitale Bornheim ist sie Beigeordnete und Dezernentin für Kinder, Jugend, Familien, Schulen, Soziales, Senioren, Integration, Demographie, Weiterbildung. Mehr Bereiche gehen dort wohl nicht. Erfahrung in kommunaler Verwaltung kann natürlich nicht schaden, sogar in Bonn.

Katja Dörner sitzt für die GRÜNEN und für Bonn im Bundestag. Dort möchte sie nicht mehr sitzen und lieber im Alten Rathaus von Bonn auf dem Sessel der Oberbürgermeisterin Platz nehmen. Wie und mit welchem Erfolg Dörner die Interessen Bonns und der Region im Berliner Reichstag bisher mit konkreten Ergebnissen vertreten konnte, weiß nur sie selbst. Der Öffentlichkeit sind ihre ‚Erfolge‘ jedenfalls weitgehend verborgen geblieben. Dabei sind Dörners  Chancen auf den OB-Stuhl gar nicht so schlecht, was allerdings nichts über ihre Befähigung aussagt. Sie schwimmt aber im gegenwärtigen grünen Trend, der sich politisch weniger durch Lösungsmodelle, sondern durch 'Etikettenpolitik' auszeichnet. Darunter versteht man griffige Sprüche und Deklamationen, was alles besser werden soll, ohne zu erklären, wie dies funktioniert. 

Im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis ist die Kandidatenlage noch etwas unübersichtlich. Rheinbachs erfolgreicher Bürgermeister Stefan Raetz(CDU) wird wohl weiter machen, er strahlt nicht nur Autorität und Kompetenz aus, sondern verfügt auch über diese Eigenschaften. Der Meckenheimer Bürgermeister Bert Spilles(CDU) kündigte schon vor Monaten an, nicht mehr antreten zu wollen. Dies bedauern viele, nicht zuletzt weil es Spilles gelungen war, nach wirren Jahren seiner Vorgängerin die Meckenheimer Stadtgesellschaft wieder in ruhiges und erfolgreiches Fahrwasser zu führen.

In Wachtberg spielt die amtierende SPD-Bürgermeisterin ‚Sphinx‘ und lässt noch niemanden wissen, was sie vorhat. Sie wird sich aber bald entscheiden müssen. Wahrscheinlich hat sie sich schon längst entschieden und behält es noch für sich, wofür sie durchaus auch ein paar Gründe haben könnte.

Die Wachtberger CDU scheint mit der derzeitigen Leiterin der ‚Volkshochschule VorEifel‘ eine Kandidatin gefunden zu haben. Der Vorstand empfahl sie jedenfalls den Mitgliedern. Im Vorraum hatten auch andere Wachtberger Christdemokraten Interesse bekundet. Der CDU-Vertreter einer größeren Ortschaft im Gemeinderat hatte als ehemaliger Journalist allerdings schnell und gut recherchiert, dass seine innerparteilichen Chancen gegen ‚Null‘ tendierten. Er ist in seiner eigenen Partei derzeit so beliebt wie der Borkenkäfer in deutschen Wäldern.

Hartnäckig halten sich in Wachtberg Gerüchte über zwei parteilose Interessenten (m/w). Schließlich hat Wachtberg schon einmal mit einem parteilosen Bürgermeister von 2009-2014 gute Erfahrungen gemacht.

Über dem Vorgebirge mit Alfter, Bornheim und weiteren Orten wabert im Herbst häufig der Nebel. Das gilt aktuell auch in Sachen Kommunalwahl 2020. Bekanntlich lichtet sich der Nebel aber, wenn der Herbst vorbei ist.

Ich wünsche Ihnen ein letztes sehr warmes Wochenende in 2019.