Ruck(es) Kolumnen


Summer in the City?

Feiern bis die Polizei kommt?

Das letzte Wochenende bescherte uns wohl den letzten richtig knallig-warmen Samstag und Sonntag in diesem Jahr. Es gab eine große Zahl von Feiern,  Sommerfesten und auf einigen knallte es auch noch zusätzlich.

Den Spitzenplatz belegte da unangefochten eine über Handy zusammen gerottete Gesellschaft junger Knalldeppen, die auf der Insel Grafenwerth bei Bad Honnef für Zustände sorgten, die man häufiger bei Fußballspielen mit Hooligans erleben kann. Die nicht organisierte, offiziell nicht angekündigte und daher auch nicht angemeldete „Party“ auf der idyllischen Rheininsel lief voll aus dem Ruder. Zusammengefunden hatten sich die Nachwuchs-Alkoholiker über den „Abhördienst“  Whatsapp.

Solch freundliche Einladungen kennt man auch inzwischen im privaten Bereich. Da verkündet irgendjemand über ein soziales (besser: „asoziales“) Netzwerk, dass am nächsten Donnerstag vor dem Haus der Familie Schlagmichtot eine Freibier-Party stattfindet und schon rottet sich ein Haufen hirnfreier Rudelsäufer und Chaoten vor dem Haus zusammen.

Was und warum etwas ‚gefeiert‘ wird, ist vollkommen uninteressant. Hauptsache, es gibt Alkohol, zur Körperertüchtigung ein paar kleinere Schlägereien und zum Ende gibt es jede Menge Müll, den am nächsten Tag natürlich andere beseitigen müssen. So etwas kennen wir schon von größeren Musikfestivals wie Eifel-Rock oder Wacken, bei denen es zum Schluss aussieht wie auf einer Mülldeponie oder einem Truppenübungsplatz.

Die Sause auf Grafenwerth findet hoffentlich eine Fortsetzung. Nämlich diese: Die Polizei prüft Regressansprüche gegen den oder die freundlichen Einlader*innen zum Randale-Spektakel. Dann heißt es „Zahlen“ oder die nächste Party findet im Innenhof einer Justizvollzugsanstalt statt.

Zu hinterfragen wäre, warum sich das Freizeitverhalten besonders jüngerer Menschen immer mehr Massenbesäufnissen und musikalischen Müllopern zuwendet. Zeichnet sich Zeitgeist dadurch aus, dass es eine ‚Zeit ohne Geist‘ ist? Dann erfinde ich hier mal den Begriff „Die Zeitgeistlosen“.

Kein W-Lan bis G5 kommt?

Die „Murks-Brothers“ in der Bonner Stadtverwaltung haben wieder zugeschlagen. Eine Anfrage der Bonner SPD, ob die Stadt das städtische WLAN-Angebot auf den öffentlichen Raum ausweiten wolle und ob dafür Fördermittel bei der EU für den Ausbau beantragt worden seien, wurde wie folgt beantwortet: „WLAN im öffentlichen Bereich (sei) eine Übergangstechnologie, die Datenkommunikation werde künftig über LTE und 5G-Technologie besser abgewickelt werden“. Außerdem sei das WLAN-Angebot mit den vorhandenen Telekom-Hotspots sowie  in Bonner Geschäften und Gastro-Betrieben ganz gut.

Das kann man so sehen, muss man aber nicht. Fakt ist, dass die sich ansonsten gerne international gebärdende Stadt Bonn in diesem Punkt hinter der einen oder anderen Provinzstadt  hinterher hinkt.

Fahren bis der Arzt kommt?

Schon mal mit einem e-scooter gefahren? Noch nicht? Gut so, lassen Sie es sein. Es sei denn, Sie sind unter zwanzig, haben keine Kniebeschwerden, finden unkritisch alles Neue toll und plappern gerne unsortierte Argumente für den Klimaschutz nach. Wenn Ihnen dann noch Verkehrsregeln und Rücksichtnahme auf andere im Straßenverkehr vollkommen schnuppe sind, so erfüllen Sie schon fast alle Kriterien zum idealen e-scooter-Fahrer.

Wie nicht anders zu erwarten war, häufen sich die Probleme und Unfälle mit den kleinrädrigen Rollern. Gibt es irgendwann auch Tote? Damit ist wohl zu rechnen, denn es kann ja nicht immer nur mit Verletzungen enden, wenn auf dem e-scooter zwei Personen stehen, gerne auch alkoholisiert bei Missachtung jeglicher Vorschriften. Wann wird man den ersten e-scooter auf dem Mittelstreifen der Köln-Bonner Autobahn sehen? Auf dem Nachhauseweg vom Besuch einer schnuckeliger Bonner Altstadt-Kneipe ins beschauliche Vorgebirge. Dabei gibt es reichlich Vorschriften, wie man sich auf einem scooter bewegen soll. Was nützt das, wenn sich kaum einer daran hält und nicht alles kontrolliert werden kann.

Außerdem stehen die Dinger immer mehr im Weg herum, manche landen auch schon im Rhein und der große Rest wird nachts von diesel-getriebenen Transportern und schlecht bezahlten Mitarbeitern eingesammelt und wieder auf die Asphalt-Koppel gestellt. Nur so wird die Umwelt gerettet und das Gewissen beruhigt.  

Elektro-Tretroller machen den Verkehr in den Innenstädten nach Einschätzung des Umweltbundesamts bisher kaum umweltfreundlicher - und wären in Außenbezirken besser aufgehoben.

Bleibt zu hoffen, dass der aktuelle e-scooter-Spuk ein schnelles Ende findet. Spätestens im Winter wird Vielen die Lust vergehen. Hoffentlich schneit es zu Beginn des neuen Jahres kräftig!