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Foto: Mastercard

Onlineshops– Händler müssen Fristverlängerung nutzen

(m.g.) Ab dem 14. September sollte eigentlich die neue EU-Vorgabe für das Online Shopping in Kraft treten. Sie soll Betrügern das Leben schwer machen. Neben der Kreditkarte müssen Käufer sich dann auch mit einem zusätzlichen Passwort, einer Transaktionsnummer, per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung mit dem Smartphone identifizieren. Für viele kleine Händler – und das sind oft stationäre Einzelhändler - ist ein solches System sehr kompliziert umzusetzen. Zu deren Glück wurde die Frist für die Umsetzung nun verschoben. Sie sollten die Zeit nutzen.

Ansonsten verlieren sie noch mehr Kunden an die großen Onlineshops. Denn für die großen IT-Abteilungen von Amazon und Co. ist es keine große Herausforderung, ein neues Online- Zahlungssystem zeitnah umzusetzen. Für kleine Onlinehändler sieht die Sache nicht so einfach aus. Das befürchtet auch der Handelsverband Deutschland (HDE).

„Viel zu lange waren wichtige Regelungsdetails unklar, die der europäische Gesetzgeber seiner nachgelagerten Bankenaufsicht übertragen hatte. So wurden die sogenannten regulatorischen technischen Standards (RTS) erst im März letzten Jahres veröffentlicht“. sagt Ulrich Binnebößel, HDE-Experte für Zahlungssysteme.

„Erst mit diesen Regelungen konnten schließlich die Arbeiten an einer rechtskonformen Zwei-Faktor-Authentifizierung begonnen werden. Händler sind nun darauf angewiesen, fertige Systeme geliefert zu bekommen, die sie in ihre Zahlungsprozesse einbauen können. Die Zeit für diesen Einbau und vor allem für umfangreiche Funktionstests ist zu knapp“, so Binnebößel.

Aber nicht nur für den Handel sei die beschlossene Fristverlängerung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht unumgänglich. „Auch die Kunden müssen die neue Bezahlwelt kennenlernen, akzeptieren und bereit sein, sie zu nutzen“, meint Binnebößel. Bei vielen Zahlungsarten müsse künftig ein zweiter Faktor einbezogen werden, zum Beispiel muss neben der Eingabe der Kartendaten in den Browser zusätzlich das Smartphone mit einer SMS- oder APP-TAN herangezogen werden. „Kunden ohne Telefon müssen noch komplexere Wege nutzen. Kunden, die Onlinebanking ablehnen, können künftig wohl gar nicht mehr online mit ihrer Karte bezahlen.“

09.09.2019