Bonn Rhein-Sieg


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365-Euro-Ticket – eine Zwischenbilanz

(m.g.) Betrachtet man die Zahlen, wird das 365-Euro-Ticket der Bonner Stadtwerke eher zögerlich angenommen. Dieses ist seit Anfang des Jahres erhältlich, und Kunden können damit zwölf Monate lang Busse und Bahnen im Stadtgebiet Bonn nutzen, also für einen Euro pro Tag. „Bisher haben wir 5.989 Tickets dieser Art verkauft“, sagt Michael Henseler, Sprecher der SWB.

Insgesamt stehen im Rahmen des Förderprogramms Lead City rund 17.000 solcher Tickets zur Verfügung. Dafür, dass erst rund 6.000 solcher Ticktes gekauft wurden, gebe es plausible Gründe, so Hensler. „Das 365-Euro-Ticket steht nur Neukunden zur Verfügung. Also Kunden, die zwölf Monate lang kein Abo, wie ein Jahresticket oder auch Jobticket hatten. Ein Grund für diese Regelung war, dass wir vor allem Neukunden generieren wollten. Mann kann also davon ausgehen, dass es sich beim Großteil der Käufer des 365-Euro-Tickets auch Neukunden handelt. Und das ist nicht schlecht.“

Allein im Januar und Februar seien jeweils rund 1.300 Tickets über die Theke gegangen. „Im Sommer ging die Nachfrage dann nach. Aber für das letzte Quartal erwarten wir, dass die Nachfrage noch einmal anzieht, weil bei vielen Altkunden die Frist von zwölf Monaten abläuft und sie sich dann als ‚Neukunden‘ ein 365-Euro-Ticket kaufen können“, erklärt Henseler. Dabei müssen mögliche Käufer aber darauf achten, dass sie das Ticket spätestens am 1. Januar 2020 kaufen. „Da das Angebot Ende 2020 abläuft, bekommt der Kunde nach dem Tag keine 365 Tage für das 365-Euro-Ticket mehr.“

Bei den SWB hoffe man, dass sich das 365-Euro-Ticket auf politischer Ebene durchsetzt, so dass es in Bonn auch nach der Testphase weiterhin angeboten werden kann. „Aber das Ticket ist ein erster Schritt, der dafür sorgen kann, dass mehr Menschen den ÖPNV nutzen.“ Auch die vor kurzem beschlossene verkürzte Taktung der Bahnlinien sei dafür notwendig.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen fordert daher mehr staatliche Investitionen in den ÖPNV. Die Einnahmen der Nahverkehrsunternehmen aus dem Verkauf von Fahrscheinen lagen zuletzt bundesweit bei 12,95 Milliarden Euro jährlich. Diese Einnahmen stecken die Unternehmen direkt wieder in Ausbau und Modernisierung sowie in das Personal. VDV-Präsident Ingo Wortmann: „Ein gutes und sich konstant weiterentwickelndes ÖPNV-Angebot ist in Deutschland ohne die wichtigste Finanzierungssäule der Ticketeinnahmen aktuell nicht vorstellbar.“

Die Kundinnen und Kunden bevorzugten ein gutes Nahverkehrsangebot, die Fahrpreise seien nicht alles entscheidend. Die fehlenden Einnahmen müssten durch andere Finanzierungsquellen aufgefangen werden – über Steuermittel, die dann für andere Leistungen in den Kommunen nicht mehr bereitstünden. Die Alternative wäre, wieder Beispiel Wien, zusätzliche Abgaben, die in voller Höhe und zweckgebunden direkt dem öffentlichen Nahverkehr zugutekommen.

Dass die Angebote der SWB Beachtung finden, zeige das 24 Stunden-Ticket für fünf Person. Seit Anfang des Jahres wird es für 8,80 Euro angeboten. „Davon sind 30.563 Stück verkauft worden. Zuvor hatte es 13,40 Euro gekostet“, so Henseler.

10.09.2019