Ruck(es) Kolumnen


In Wachtberg wütet ein Borkenkäfer

Nächstes Jahr sind in NRW Kommunalwahlen und ein Jahr vorher begeben sich die politischen Parteien auf Kandidatensuche, in der Hoffnung, dass ihre Kandidaten die Führung in den Rathäusern behalten oder erringen und anschließend als Bürgermeister*innen die Geschicke der Kommunen bestimmen. Da ist ein legitimes Verfahren, interessant ist eigentlich nur, wie so etwas denn im Detail und hinter den Kulissen abläuft.

Nachdem sich in Bonn der amtierende Oberbürgermeister schon vor einiger Zeit unaufgefordert bereit erklärte, bei der nächsten Wahl wieder anzutreten, kann seine eigene Partei ihn wohl nur noch per Akklamation bestätigen. Das wird die Bonner CDU wahrscheinlich machen. Es wäre ja eine Blamage, wenn sie sich trotz einiger Bedenken und Zweifel, die hinter vorgehaltener Hand vorgetragen werden, gegen den eigenen Kandidaten öffentlich äußern würde. So viel Parteidisziplin muss sein.

SPD und GRÜNE favorisieren in Bonn jeweils eine Frau als nächste Oberbürgermeisterin. Über Verwaltungserfahrung verfügt dabei nur die SPD-Kandidatin, während die grüne Kandidatin über hervorragende Talente in Selbstdarstellung verfügt, dies bei einer bisher eher überschaubaren politischen Bilanz als Bonner Bundestagsabgeordnete.

In Meckenheim empfiehlt die CDU-Führung ihren Mitgliedern den bisherigen Ersten Beigeordneten als zukünftigen Bürgermeister. Sicherlich eine kluge Empfehlung, der Kandidat hat schließlich schon gezeigt, dass er ‚Verwaltung‘ gut kann.

In den übrigen Städten und Gemeinden im links-rheinischen Rhein-Sieg-Kreis verlaufen Kandidatensuche, Kandidatenfindung und Selbstbewerbung mehr oder weniger geordnet und einvernehmlich. Ausnahme: Die Wachtberger CDU demonstriert mal wieder vertraute Uneinigkeit und verkauft dies nach außen als demokratischen ‚Auswahlprozess‘.

Kürzlich hatte sich eine für das Bürgermeisteramt sicherlich fähige Wachtbergerin mit CDU-Parteibuch und Verwaltungserfahrung selbst als Kandidatin ins Gespräch gebracht. Die Findungskommission der örtlichen CDU nahm die Bewerbung freundlich auf und sprach eine Empfehlung aus.

In der vergangenen Woche gab es eine ‚Nachkandidatur', von der sich der Wachtberger CDU-Parteichef überrascht fühlte. Daraufhin erklärte er anschließend staatstragend im besten unverbindlichen ‚Partei-Chinesisch': "Mehrere Kandidaten gehören zum demokratischen Wettbewerb, wie auch einstimmige Empfehlungen durch Vorstände". Da hat der Mann wohl Recht, die Kritik an der Arbeit der Findungskommission kann er dennoch nicht nachvollziehen. Er und andere vermuten, dass die Nachbewerbung vielleicht einen anderen Hintergrund haben könnte: In Wachtberg ist der ‚Borkenkäfer‘ wieder unterwegs und nagt nicht zum ersten Mal am Stammholz der CDU.

Der Borkenkäfer sitzt aktuell in der Wachtberger CDU-Fraktion und ist kein Unbekannter. Er fiel schon häufiger auf, weniger durch kreative Sachbeiträge, aber durch ein hohes Maß an Kreativität, wenn es darum geht, mit teilweise intriganter Vorgehensweise wichtige Personenentscheidungen in der Gemeinde Wachtberg zu beeinflussen. Zuletzt war er da in der ‚Causa Beigeordneter' – der nicht erfolgten Wiederwahl des für seine Arbeit allseits geschätzten früheren Beigeordneten – mit Hilfe einiger Mitläufer ‚erfolgreich'. 

Jetzt brachte der Borkenkäfer einen früheren Wachtberger CDU-Vorsitzenden mit dem Hinweis ins Gespräch, es handele sich bei diesem um einen ‚ausgewiesenen Finanzexperten'. Kann man so sagen, klingt allerdings etwas hoch angesiedelt. Besagter Finanzexperte bearbeitet und kontrolliert als stellvertretender Abteilungsleiter in der Bonner Stadtverwaltung immerhin den korrekten Eingang von Steuern und Bußgeldern. So gesehen ist natürlich jeder Vereins-Kassenwart ein Finanzexperte.

Vielleicht hat der Borkenkäfer aber eine andere Strategie im Sinn: Er schickt eine Person ins Rennen, stiftet damit Unfrieden in der Partei und springt im letzten Moment noch selbst als Kompromiss-Kandidat auf die Bühne. Die anderen politischen Gruppierungen würde es freuen, denn Mehrheits-Chancen hat der Borkenkäfer nicht einmal in seiner eigenen Partei.

Was lernen wir daraus? Nichts, was wir schon wissen. So funktioniert Politik nun mal mitunter, besonders wenn Egomanen am Start sind. Bei der Wahl der noch ausstehenden Kandidaten sollten die auswählenden Parteimitglieder das in allen Parteien grassierende Ranking  im Hinterkopf haben, das von unten nach oben lautet: „Freund, Feind, Parteifreund".