Ruck(es) Kolumnen


Wiedervereinigung, Gender-Irrsinn und Beethoven

Die vergangene Woche hatte einen wichtigen Gedenktag: Der 3.Oktober ist der Tag der Wiedervereinigung zweier deutscher Staaten, die als Ergebnis des zweiten Weltkriegs sich anschließend noch einen ‚kalten Krieg‘ über vier Jahrzehnte lieferten, quasi als ‚Zugabe'.  

Wen interessiert das noch? Außer ein paar offiziellen staatlichen Feiern werden der 3. Oktober und eventuell folgende Brückentage gerne als verlängerter Kurzurlaub genutzt, besonders in der öffentlichen Verwaltung. Vom historischen Hintergrund hat die Mehrzahl der jüngeren Generation ohnehin keinerlei Ahnung, was man nicht ausschließlich dieser Generation, sondern auch dem Bildungssystem der letzten Jahrzehnte anrechnen darf, das jetzt auch das Thema ‚Goethe' aus dem Bildungskatalog an Schulen nehmen möchte. Immerhin gab es ja vor noch nicht allzu langer Zeit einen erfolgreichen Film mit dem schönen Namen: „Fuck you, Göthe". Goethe ohne „oe" ist da noch eher zu ertragen als die Stummellaute, mit welchen sich unser hoffnungsvoller Nachwuchs digital unterhält oder soll ich sagen ‚verständigt'. Ich erspare mir hier Beispiele. Diese können meinen geschätzten Leser*innen selber auf den asozialen Medien recherchieren. Also ran an die Legastheniker-Fundgruben auf Facebook, Instagram etc. und dem sonstigen Digitalschrott!

Bonner VHS-Vortrag: Gender und Klimawandel

In der nach oben offenen Hitliste bekloppter Pressemeldungen stand für meinen Geschmack in der vergangenen Woche diese Mitteilung der Stadt Bonn ganz oben:

„Männer setzen mehr Co2 frei als Frauen. Das Risiko, bei Überschwemmungen, Dürren oder Hitze zu sterben, ist jedoch für sie viel höher. Am Mittwoch, 9. Oktober 2019, um 20 Uhr beleuchtet Gertrud Falk von der Menschenrechtsorganisation „Fian“ im Haus der Bildung, Mülheimer Platz 1, in Bonn den Zusammenhang zwischen Gender und Klimawandel.

Insbesondere in Ländern um den Äquator führt die Erderhitzung bereits jetzt dazu, dass Trocken- und Regenzeiten sich nicht mehr verlässlich abwechseln. Die Folge: Ernteverluste und mangelnder Zugang zu Trink- und Nutzwasser. Frauen auf dem Land sind dabei überdurchschnittlich oft von Hunger betroffen. Gleichzeitig sind sie in der Regel zuständig für die Ernährung der Familie. Die Veranstaltung ist Teil des Themenschwerpunktes Geschlechtergerechtigkeit.  Der Eintritt ist frei".

Immerhin ist der Eintritt frei, wer wäre denn wohl bereit, für einen solchen Themenmüll auch nur 10 Cent Eintritt zu bezahlen? Ja, ist denn heut' schon Weiberfastnacht? Oder wie sang Herbert Grönemeyer noch so schön: „Was soll das?“

Roll over Beethoven?

Zur Lachnummer werden allmählich auch die Aktivitäten im Vorraum des nächstjährigen Beethoven-Jubiläumsjahres. Sieht man einmal von sinnvollen und seriösen Aktivitäten wie dem Infostelen-Projekt einiger Rhein-Sieg-Kommunen ab, auf denen die jeweilige Beethoven-Anekdote zu diesem Ort nachzulesen ist. "Die Stelen sind etwas Bleibendes - das reißen wir 2021 nicht wieder ab", erläuterte  der Kulturdezernent des Rhein-Sieg-Kreises, Thomas Wagner und  Meckenheims Bürgermeister Bert Spilles schlug  eine neue Art vor, den Namen Ludwig zu buchstabieren "Linksrheinische und dauerhaft wunderbare interkommunale Gemeinschaft", so Spilles. Alles andere als vermessen sei es, Beethoven auch als ‚Sohn der Region‘ zu begreifen.

Mit einem waghalsigen Sprung auf den ‚Beethoven-Zug‘ versuchte es auch der ‚Bonner Medien-Club'. Dem schnarchigen Langweiler-Club, der sich gerne selbst beweihräuchert und sich im Schatten tatsächlicher oder lokaler Pseudo-Prominenz sonnt, fiel nichts Besseres ein, als ausgerechnet den toten Ludwig van Beethoven zum Preisträger des von diesem Verein gestifteten „Bröckemännsche-Preis" für das Jahr 2020 zu benennen.

Mein Gott, wie phantasielos ist das denn? Und wie vereinbart sich das mit dem Anspruch, der Bröckemännsche-Preisträger habe in der Vergangenheit „gegen den Stachel gelöckt?“ Vielleicht durch Ludwigs Flucht nach Wien? Gibt es in Bonn keine lebenden Figuren mehr, die sich nicht dem Mainstream unterordnen? Und wer nimmt den Preis entgegen? Und wer hält die Laudatio, auch ein Toter? Fragen über Fragen, die nur die Weisen des Bonner Medienclubs beantworten könnten, es aber nicht tun werden.

Mein Rat an den Bonner Medienclub lautet: Leute, geht in den Vereinskeller, öffnet die letzte Flasche und schämt euch oder noch besser: Löst den Verein  auf!