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Teilsperrung Rheinuferstraße? – „Dann wird’s haarig“

(m.g.) Vor kurzem hat der Rat der Stadt Bonn den Antrag „Erlebnisort Rheinufer“ angenommen. Darin fordern die Parteien der Jamaikakoalition der Stadt kurzfristige Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und des gastronomischen Angebots an der Rheinpromenade angesichts des kommenden Beethoven Jubiläumsjahres, das viele Gäste in die Stadt locken wird. Das Ganze geschieht im Rahmen des Projekts „Umbau Rheinufer“ zwischen Beethovenhalle und Zweiter Fährgasse und ist Teil „Masterplans Innere Stadt“. Eine Teilsperrung der Rheinuferstraße war in dem Antrag nicht vorgesehen. Die fordern aber die SPD und Die Linke und stellte entsprechende Nachanträge.

Dazu sagt Fenja Wittneven-Welter, kulturpolitische Sprecherin der SPD Fraktion: „Mit großer Mehrheit hatten Kulturausschuss und Wirtschaftsausschuss die Verwaltung aufgefordert, ein Konzept vorzulegen, wie das Rheinufer belebt werden kann, zum Beispiel durch Kleinkunst, temporäre Foodtrucks und ähnlichem. In dem Zusammenhang haben wir die Stellungnahme der Verwaltung zu einem früheren Antrag der Linken aufgegriffen. Dieser sah vor, eine Sperrung der Straßen am Rheinufer zu prüfen. Wir versprechen uns von einer solchen Sperrung eine tatsächliche Öffnung der Rheinpromenade hin zur Bonner Innenstadt. Allerdings ist es derzeit nicht sinnvoll eine einzelne Maßnahme für den innerstädtischen Verkehr zu beschließen. Daher haben wir unseren Antrag in den Planungsausschuss verwiesen. Dort soll mit Blick auf die Ergebnisse der Experimente zum Cityring und der Kaiserstraße eine Gesamtlösung für den Verkehr in der Innenstadt gefunden werden.“

Bei manchen Autofahrern in Bonn sorgt das für Verstimmung. „Ich bin täglich mit dem Auto in Bonn unterwegs, aus beruflichen Gründen“, so ein Verkehrsteilnehmer gegenüber BONNDIREKT, der seinen Namen nicht nennen wollte. „Bereits die Verkehrsführung auf der Kaiserstraße und der erweiterte City-Ring bereiten mir Problem und nehme viel Zeit in Anspruch. Wenn jetzt die Rheinuferstraße zum Teil gesperrt wird, wird es noch haariger für mich.“ Auch bei Karin Kröber, Vorstandmitglied bei City Marketing, stößt eine Teilsperrung der Rheinuferstraße auf Kritik. „Die ist der Bypass für die B9, wenn sie gesperrt wird, ist die City noch schwerer zu erreichen, und es wird noch chaotischer.“ Den Antrag „Erlebnisort Rheinufer“, der keine Teilsperrung der Uferstraße vorsieht, unterstütze City Marketing voll und ganz.

Ihren Antrag auf eine Teilsperrung der Straße begründet Die Linke wie folgt: „Seit Jahren wird unter dem Schlagwort „Stadt zum Rhein“ über eine besser eingebundene und attraktivere Nutzung des Rheinufers diskutiert, ohne dass hier wesentliche Fortschritte zu verzeichnen wären. Nachdem zahlreiche Städte vorgemacht haben (berühmtestes Beispiel Paris), wie durch eine Sperrung von Flussuferstraßen eine neue Stadtraumnutzung und -wahrnehmung eine erhebliche Steigerung der Aufenthaltsqualität am innenstadtnahen Flussufer erreicht werden kann, sollte auch die Stadt Bonn zumindest in einem Testversuch einen solchen Schritt auf dem oben benannten Abschnitt gehen. Im „Beethovenjahr“ kann dieser beruhigte Uferabschnitt zwischen altem Oberbergamt, Altem Zoll, Lenné-Ufer und Ernst-Moritz-Arndt-Haus zugleich auch eine touristisch höhere Wertigkeit bekommen. Die betroffene Verkehrsbeziehung für den motorisierten Individualverkehr ist verkehrlich nicht notwendig, eine teilweise Verdrängung in andere Straßen ist unausweichlich, aber für die deutliche Qualitätssteigerung am Ufer hinnehmbar. Parkplätze stehen zu nahezu allen Zeiten in Opern- bzw. Beethovenparkhaus zur Verfügung.“

09.10.2019