Ein Ruck(es) geht durch Bonn ...


Und heiter geht es weiter...

Die ‚Mutter aller Saufgelage‘, das Münchner Oktoberfest, ist vor einer Woche zu Ende gegangen. Es startet immer schon zu Beginn der letzten Septemberwoche und ist eigentlich ein Septemberfest. Egal, die ‚Wies’n‘ erfreuen sich höchster Beliebtheit nicht nur bei krachledernden bayerischen Ureinwohnern, sondern auch bei Besuchern aus allen Regionen Deutschlands. Sogar aus anderen europäischen Ländern (besonders aus England), aus Asien und Amerika reisen trinkfeste Zeitgenossen nach München, um zu erleben, wie gesittet und formvollendet man in Deutschland feiern kann.

Was die Faszination der Horden-Tränkung ausmacht, bleibt für viele andere unerfindlich. Ist es der Alkohol, die so genannten bayerischen ‚Schmankerl‘, die Lust zur Verkleidung, der Musiklärm oder ist es nur ein großer Kontakthof, auf dem man auf verschiedene Arten ‚handgreiflich‘ werden kann?

Qualität und Preise von Getränken und Speisen können es eigentlich nicht sein: Wer für einen Liter ‚Festbier‘ (das ist die extra fürs Oktoberfest gebraute schlechtere Qualität) € 11,80 hinlegt, muss eigentlich schon vorher besoffen gewesen sein, ein Trick, der immer häufiger ausgeübt wird. Dazu wird das schale Getränk in einem Putzeimer mit Henkel gefüllt, häufig mit viel Schaum und dafür etwas weniger Bier. Die glitschige Weißwurst schmeckt als hätte man einen Briefumschlag abgeleckt, dafür wird sie mit einem dicken Löffel süßem Senf erschlagen, damit zumindest der Durst erhalten bleibt.

Faszinierend ist die Ausstrahlung des Oktoberfestes auch in unserer Region. Da schunkeln fröhliche rheinische Kegelclubs im bayerischen Festzelt auf unbequemen Bänken untergehackt zu grauenhafter Blasmusik oder sie schmettern im alkoholisierten Vielklang die Kölner Nationalhymne „Mer loossen de Dom en Kölle“. Gekleidet sind sie uniform in Plastik-Lederhose, Polyester-Dirndl und dazu passenden bescheuerten Kopfbedeckungen, alles  vom lokalen Karnevalsausstatter, vom Versandhandel oder neuerdings auch vom Discounter.

Und weil vielen Oktoberfest-Fans die Reise nach München zu lang ist und die Abzockerei stinkt, gibt es schon seit Jahren „Original bayerische Oktoberfeste“ im Rheinland. Veranstalter sind häufig rührige Karnevalsvereine, denen die Session nicht lang genug ist und die sich berufen fühlen, gemeinnützig der Massenbelustigung zu huldigen.

Der Jahres-Festkalender

Nach den rheinischen Oktoberfesten steht als nächstes die Eröffnung der Karnevalssession am ‚Elften im Elften‘ und danach eine Flut von Weihnachtsmärkten ins Haus. Anschließend wird ausgiebig Sylvester gefeiert und die schon gestartete Karnevalssession steuert ihrem Höhepunkt am Rosenmontag entgegen.

Direkt nach Aschermittwoch reisen viele leicht Erschöpfte nach Mallorca. Angeblich zur Erholung, aber auch, weil dort bekanntlich schwer die Post abgeht. Zurückgekehrt ist auch schon die Osterkirmes aufgebaut, gefolgt von Open-Air-Besäufnissen wie der ‚Bierbörse‘ und anderen ‚Blind-Verkostungen‘. Im Sommer gibt es ‚Rhein in Flammen‘, danach ist endlich ‚Pützchens Maat anjesaat‘ und von dort geht es wieder (siehe oben) zu einem der anstehenden Oktoberfeste.

Und damit dies hier mal klar gesagt ist: Ich gönne allen, denen so etwas gefällt jede Art von Massenbelustigung und das ist wohl eine große Mehrheit. Meine eigene Reaktion auf den formatierten Freizeitspaß aber lautet: „Ich bin dann mal ‚fott‘. Wohin? Nein, nicht auf den Jakobsweg, auch nicht nach ‚Davos‘ sondern ‚da wo’s‘ ruhiger ist, Getränke und Speisen ihren Preis wert sind und bayerische Blasmusik als ruhestörender Lärm gilt, der mit einem Bußgeld belegt werden kann. Wohin genau ich zur Flucht vor dem Massenzirkus reise, verrate ich hier nicht, sonst ist es dort auch bald mit der Ruhe vorbei.

Und nicht vergessen: Demnächst ist Halloween, Trump kommt diesmal persönlich.