SPOTT-on-Kolumnen


Finales Programm im Circus Bonncalli

Kurz vor Ende der ‚laufenden Spielzeit‘ bietet der beliebte politische Circus Bonncalli noch ein paar aufregende Schlußnummern mit Aussicht auf Fortsetzung in der nächsten Saison. Nicht als Circus-Direktor, aber als trauriger „Nummern-Clown“ tritt da der städtische Baudzernent Helmut Wiesner auf, ein Mann von bräsiger Präsenz und schmalen Inhalten.

Geil auf’s Seil?

Akrobatik auf dem Seil gehört seit Ewigkeiten zu den herausragenden Nummern in jedem großen Circus. Akrobatik mit dem Seil in der Politik gibt es nur in Bonn..

Dabei lautet die Frage zu diesem Thema eigentlich nicht  „Wie denn?“, sondern „Warum denn?“ Bislang wurde in keiner Weise auf seriöser Grundlage diskutiert, ob Bonn überhaupt eine Seilbahn braucht und wie hoch Investition und Folgekosten sind. Stattdessen wird der nächste „Turmbau zu Babel“ in Bonn annonciert, dieser offensichtlichen Kapitale von politischen Träumern und Bauversagern. Man könnte fast glauben, mit jeder neuen bescheuerten Idee ginge die Hoffnung der Verantwortlichen einher, von Versagen bei laufenden Baumaßnahmen wie der Beethovenhalle abzulenken.

Die Bürgerinitiative „Bonn bleibt Seilbahnfrei“ beklagt zurecht fehlende Bürgerbeteiligung und Transparenz beim herauf dämmernden Seilbahndesaster und weist auf bisher fehlende detaillierten Kosten-/Nutzenanalysen hin bzw. deren Veröffentlichung hin.

Das Gemauschele und Versteckspiel des Baudezernenten bei der Veröffentlichung um das Seilbahn-Gutachten kann hier getrost als skandalös bezeichnet werden und riecht nach Verschleppungstaktik bis nach der Kommunalwahl. Dieser Dezernent verkörpert hervorragend ein substantielles Bonner Verwaltungsproblem: Zu viele können zu wenig! 

Verkehrsprobleme am Venusberg kann man auch anders lösen: Eine kostenlose „Klinik-Linie“ der SWB transportiert medizinisches Personal und auch Besucher im Zehn-Minuten-Takt über die wenigen Zugangsstrassen auf das Klinikgelände. Individualverkehr wird nur noch Anwohnern gestattet, für Fremdverkehr werden die Strassen gesperrt. Die Einrichtung von zwei Park&Ride-Plätzen im Westen und Osten des Venusberg und ein kräftig verstärkter Busverkehr kosten den Bruchteil eines unsinnigen Seilbahn-Baus und deren Unterhalt.

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln?

Der City-Ring ist gekappt, der City-Ring ist wieder geöffnet? Wann wird er demnächst wieder gekappt? Nach der anstehenden Kommunalwahl? Verschleppt die Verwaltung die schnelle Wiederherstellung bis nach diesem Termin, eventuell um Kosten zu sparen?

Das unglaubliche Gehampele um den Cityring wird wohl noch lange als Symbol der Verbissenheit und Unfähigkeit weiter Teile der Bonner Kommunalpolitik in der vergangenen Wahlperiode in Erinnerung bleiben. Dieses Thema wurde und wird mit teilweise ideologischer Verbissenheit insbesondere von der Radfahrer-Lobby betrieben.

Sollte diese im neuen Stadtrat ab 14.09.2020 über eine Mehrheit verfügen, wird der Cityring wohl wieder gesperrt und das absurde Theater findet seine Fortsetzung. Der mittelständische Einzelhandel dürfte dann weiter ausbluten, nachdem großflächiger Handel schon auf dem Rückzug ist. Aber eine Unzahl von Burger-Buden wird die Radfahrer auf ihrem langen Weg über den Cityring bei Kräften halten, wenn sie mit ihren vom City-Einkauf voll beladenen Fahrrädern den Heimweg antreten. In den nicht mehr benötigten Parkhäusern könnte sich zur kalten Jahreszeit am Wochenende die dröhnende Partyszene austoben, am Rhein ist es in den Wintermonaten bekanntlich nicht mehr so gemütlich.

Die jetzt auf dem Cityring für Radfahrer verbliebenen Verbesserungen sind zu begrüßen. Allerdings wird es sehr darauf ankommen, wie die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer mit den ihnen eingeräumten Streckenrechten umgehen. Das geht nur mit gegenseitigem Respekt und Toleranz. Eigenschaften, die häufig genug bei Auto- und Radfahrern vermisst werden. Neulich befuhr ein Radfahrer die Kennedybrücke trotz breitem Radweg auf der Autospur und hatte am Heck seines Fahrrads ein Schild montiert. Aufschrift: „Wie erobern uns die Straße zurück“. Ein wundervoller Vertreter der „Kampfradler-Szene“.

Der Cityring wird uns wahrscheinlich noch länger beschäftigen. Bonn hat ja sonst keine Probleme.